Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Jüdische Schule

Terror-Ermittlungen nach Schießerei an französischer Schule

19.03.2012 | 09:02 Uhr
Rettungskräfte am Tatort im Norden von Toulouse

Toulouse.   In Toulouse hat es erneut eine Schießerei auf offener Straße gegeben. Opfer waren diesmal die Schüler einer jüdischen Schule. Der Täter war wieder auf einem Motorroller unterwegs.

Bei einer Schießerei vor einer jüdischen Schule in Toulouse sind drei Kinder und ein Erwachsener ums Leben gekommen. Der französische Staatsanwalt Michel Valet erklärte am Montag, bei den Opfern handele es sich um einen 30-jährigen Mann und seine beiden Söhne im Alter von drei und sechs Jahren. Auch ein weiteres Kind im Alter zwischen acht und zehn Jahren sei ums Leben gekommen. Eine Person im Alter von 17 Jahren sei schwer verletzt worden. Zuvor hatte das Innenministerium in Paris von drei Todesopfern gesprochen.

Nach den tödlichen Schüssen von Toulouse und Montauban in Südfrankreich ermittelt die französische Justiz wegen des Verdachts auf Terrorismus. Die Staatsanwaltschaft von Paris, die für Terrorismus zuständig ist, nahm nach eigenen Angaben am Montag in allen drei Fällen Ermittlungen auf.

Der Täter floh auf einem Motorroller

Ein Unbekannter hatte am Montag vor einer jüdischen Schule in der südfranzösischen Stadt Toulouse mehrere Schüsse abgefeuert. Der Täter floh Augenzeugen zufolge auf einem Motorroller. In Toulouse war vor gut einer Woche ein Fallschirmjäger von einem Unbekannten erschossen worden, der ebenfalls mit einem Motorroller unterwegs gewesen war.

Bei den Todesopfern handelt es sich laut Augenzeugen unter anderem um einen Lehrer und seine beiden Kinder. Der Mann feuerte den Augenzeugen zufolge vor der jüdischen Schule Ozar Hatorah von seinem Motorroller aus auf eine Gruppe von Kindern und Eltern. "Wir sind entsetzt über diesen Angriff und wir vertrauen darauf, dass die französischen Behörden diese Tragödie vollständig aufklären und die Täter vor Gericht bringen", sagte der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Jigal Palmor.

Nicolas Sarkozy spricht von einer "nationalen Tragödie"

Präsident Nicolas Sarkozy, der sich noch am Vormittag in Toulouse einfand, sprach von einer "nationalen Tragödie". Er verwies auf die "Ähnlichkeiten" zwischen den drei Angriffen, doch müssten die Ermittlungsergebnisse abgewartet werden. Die Staatsanwaltschaft in Toulouse sprach von "ernsthaften" Hinweisen auf eine Verbindung der Taten. Die für Terrorismus zuständige Staatsanwaltschaft in Paris erklärte, sie ermittle zum Verdacht des "Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit einer terroristischen Vereinigung".

Sarkozy versicherte, es werde "absolut alles" unternommen, um den Täter zu finden. Innenminister Claude Guéant werde "so lange wie nötig" in Toulouse bleiben. "Wir dürfen angesichts des Terrors nicht klein beigeben", fügte Sarkozy hinzu, der vom Vorsitzenden des Rates jüdischer Einrichtungen in Frankreich (Crif), Richard Prasquier, begleitet wurde. Für Dienstag ordnete der Präsident eine Schweigeminute in den Schulen des Landes an. Jüdische Einrichtungen werden ab sofort verschärft überwacht, für die Armee in der Region Toulouse waren die Sicherheitsvorkehrungen bereits verschärft worden.

Verschärfte Überwachung aller jüdischen Schulen angeordnet

"Wir sind entsetzt über diesen Angriff, und wir vertrauen darauf, dass die französischen Behörden diese Tragödie vollständig aufklären und die Täter vor Gericht bringen", sagte der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Jigal Palmor. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte in Berlin die Hoffnung, dass die Täter schnell gefunden werden: "Anti-Semitismus und Gewalt gegen jüdische Einrichtungen" hätten in Europa keinen Platz. Die französische Regierung ordnete nach der Tat eine verschärfte Überwachung aller jüdischen Schulen im Land an.

Das Collège Ozar Hatorah im Norden von Toulouse. Hier kam es zu der tödlichen Schießerei.Foto: Collège Ozar Hatorah

Am Sonntag vor einer Woche hatte ein Unbekannter von einem Motorroller aus in Toulouse einen Fallschirmjäger erschossen, der in Zivil unterwegs war. Wenige Tage später tötete im 50 Kilometer entfernten Montauban ebenfalls ein Motorrollerfahrer zwei weitere Fallschirmjäger, die gerade Geld von einem Bankautomaten abheben wollten. Ein dritter Fallschirmjäger wurde bei dem Angriff schwer verletzt.

Terrorismus nicht ausgeschlossen

Die Schüsse stammen in beiden Fällen aus derselben Waffe. Der Täter ging immer ähnlich vor: er schoss auf offener Straße und mitten am Tag gezielt auf seine Opfer. Bei dem Täter handele es sich "wahrscheinlich" um einen "Verrückten", sagte Verteidigungsminister Gérard Longuet bevor die Tat in Toulouse bekannt wurde. Allerdings wolle er auch nicht ausschließen, dass es sich um ein terroristisches Verbrechen handele, fügte Longuet im Sender LCI hinzu.

Die Schulleitung betont auf ihrer Homepage den doppelten Fokus auf akademische und religiöse Weiterbildung. "Wer sich für Ozar Hatorah entscheidet, wählt die Chance auf schulischen Erfolg und widmet sich zugleich dem jahrtausendelangen Bund der Torah und den Werten unseres Volks." (mit afp)

Schießerei vor Schule



Kommentare
20.03.2012
08:49
Terror-Ermittlungen nach Schießerei an französischer Schule
von Funakoshi | #5

Ich finde die Überschrift mehr als ekelhaft. Das ist keine Schießerei, sondern eine Hinrichtung gewesen. Leider kommt ja so langsam ans Tageslicht, aus welcher Ecke die feigen Taten verübt wurden. Ich hoffe nur, dass es demnächst nicht nur bei unseren Nachbarn in Frankreich zu einem ordentlichen "Backlash" kommen wird!!!!

19.03.2012
13:34
Terror-Ermittlungen nach Schießerei an französischer Schule
von glabowski | #4

Der Begriff "Schießerei" in der Überschrift ist dem Sachverhalt völlig unangemessen. Bei Schießerei denke ich an eine wilde Ballerei in einem Wildwest-Film oder an einen Schußwechsel von Kriminellen untereinander oder mit der Polizei. Dies hier war etwas völlig anderes, nämlich ein feiger, hinterhältiger Mord an Kindern und unbewaffneten Erwachsenen. Niemand hat zurückgeschossen!
Ich frage mich, warum hier solch ein irreführender Ausdruck verwendet wird. Ich vermag nicht zu glauben, daß Journalisten so wenig Gefühl für ihr Handwerkszeug, die Sprache haben. "Der Westen" steht übrigens mit dieser Verharmlosung des Sachverhaltes nicht allein. Viele andere Medien bedienen sich auch des falschen Ausdruckes "Schießerei" für diesen Terror-Anschlag.

19.03.2012
09:45
Tote bei Schießerei vor jüdischer Schule in Toulouse
von rudizehner | #3


Solche feigen Attentäter in ein tiefes Loch werfen und nen Deckel draufmachen.

19.03.2012
09:40
Tote bei Schießerei vor jüdischer Schule in Toulouse
von miriam.lessmann | #2

Sehr geehrte Nutzer,

gerne können Sie sich zum Vorfall in Toulouse äußern. Ich möchte Sie darum bitten auf polemische und geschmacklose Kommentare zu verzichten.

Viele Grüße
Miriam Lessmann
Community Management

19.03.2012
09:34
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Aus dem Ressort
Elf Schwerverletzte bei Busunfall in Brandenburg
Unfall
Bei einem Reisebusunfall auf der Autobahn 10 bei Niederlehme in Brandenburg sind am Sonntagmorgen elf Menschen schwer verletzt worden. Ein polnische Bus war am Sonntagmorgen eine Böschung hinab gestürzt. Er kam aus Nordrhein-Westfalen und war auf dem Weg nach Nordpolen.
Explosion in Londoner Hotel -"Plötzlich war es stockdunkel"
Unglück
Ein lauter Knall, bebende Fußböden und Dunkelheit: Kurz vor Mitternacht wurden die Gäste des Londoner Nobelhotels Hyatt Regency aus dem Schlaf gerissen. Die Explosion ist vermutlich von einer leckgeschlagenen Gasleitung verursacht worden. Einige mussten im Nachthemd das Haus verlassen.
Schütze von Newtown blieb vor Blutbad drei Monate im Zimmer
Massaker
Vor fast zwei Jahren löste das Massaker an der Grundschule in Newtown weltweit Erschütterung aus. Ein neuer US-Untersuchungsbericht gibt Einblicke in die Entwicklung des Täters. Es gab Warnzeichen, die offenbar nicht richtig verstanden wurden.
Hitler-Aquarell erzielt bei Versteigerung 130.000 Euro
Hitler-Aquarell
Für 130.000 Euro ist ein von Adolf Hitler gemaltes Aquarell am Samstag in Nürnberg von einem anonymen Käufer ersteigert worden. Das Bild gehe vermutlich in den Nahen Osten, sagte eine Sprecherin des Auktionshauses. Insgesamt zwölf Interessenten hätten bei der Versteigerung mit geboten.
Verband plant wegen E-Zigaretten-Warnung Millionenklage
Klage
Weil das NRW-Gesundheitsministerium vor E-Zigaretten gewarnt hatte, will der Verband des E-Zigarettenhandels die Landesregierung auf 90 Millionen Euro Schadenersatz verklagen. Das Bundesverwaltungsgericht hatte entschieden, dass die Flüssigkeiten für E-Zigaretten weiter frei verkauft werden dürfen.
Umfrage
Viele Manager von städtischen Unternehmen verdienen mehr als eine halbe Million Euro im Jahr. Die Einkommen richten sich nach Branche, Unternehmensgröße und Umsatz. Finden Sie die hohen Gehälter angemessen?

Viele Manager von städtischen Unternehmen verdienen mehr als eine halbe Million Euro im Jahr. Die Einkommen richten sich nach Branche, Unternehmensgröße und Umsatz. Finden Sie die hohen Gehälter angemessen?