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Geburt

Wenn der Babyblues nicht enden will

03.01.2011 | 08:05 Uhr
Wenn der Babyblues nicht enden will
Einige Mütter bekommen nach der Geburt eine Wochenbettdepression. Wird sie rechtzeitig behandelt, kann die Mutter sich schnell wieder über ihr Baby freuen. Foto: Walter Buchholz/WAZ FotoPool

Essen. Bei einigen Müttern will der Babyblues nicht enden. Was anfangs noch relativ harmlos ist, kann in einer Wochenbettdepression enden. Betroffene sollten diese ernst nehmen - und sich kein schlechtes Gewissen einreden lassen.

Hanna Schusters* Sohn war ein Wunschkind. Seit Monaten hatte sie sich auf ihr erstes Baby gefreut. Doch als es endlich da war, fiel Schuster plötzlich in ein tiefes Loch: „Zuerst kam direkt nach der Entbindung der Babyblues - und der ging einfach nicht mehr weg. Ich fühlte mich niedergeschlagen, hatte Schlafstörungen und Probleme beim Stillen“, beschreibt Schuster ihre damalige Situation. Die junge Mutter war an einer Wochenbettdepression erkrankt.

Wie Hanna Schuster ergeht es vielen Frauen: „Aufgrund verschiedener Studienergebnisse gehe ich davon aus, dass bundesweit ungefähr 15 Prozent der Mütter nach der Geburt von psychischen Belastungen betroffen sind“, sagt Corinna Reck vom Zentrum für Psychosoziale Medizin am Universitätsklinikum Heidelberg. Die Wochenbettdepression, auch postpartale oder postnatale Depression genannt, mache sich unter anderem durch ein Gefühl der Leere, Empfindungslosigkeit dem Kind gegenüber, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Zwangs- und Selbstmordgedanken bemerkbar. „Oft beginnen die depressiven Gefühle schon in der Schwangerschaft“, sagt Reck.

Verläuft eine Geburt nicht harmonisch, kann sie die Entstehung eines Babyblues’ begünstigen. Foto: Heiko Kempken / WAZ FotoPool

Dabei ist die Wochenbettdepression nicht mit dem sogenannten Babyblues zu verwechseln, der laut Reck ungefähr jede zweite Wöchnerin befällt. „Die Frauen sind kurz nach der Geburt traurig, reizbar und ängstlich“, beschreibt die Psychologin diese Art der depressiven Verstimmung, die meist zwischen dem zweiten und dem zehnten Tag nach der Geburt auftrete und nach einigen Tagen wieder verschwinde.

Frühzeitige Behandlung ist wichtig

Manchmal werde aus einem Babyblues jedoch direkt eine Wochenbettdepression - in anderen Fällen bleibe der Babyblues aus und trotzdem werde die Mutter innerhalb eines Jahres nach der Geburt psychisch krank. Wichtig sei, dass betroffene Frauen sich frühzeitig in Behandlung begeben. „Wenn man länger als zwei Wochen unter den beschriebenen Symptomen einer Wochenbettdepression leidet, spricht man von einer klinischen Depression“, sagt Reck. Spätestens dann sei es Zeit, sich Hilfe zu suchen, denn: „Alleine kommt man da kaum heraus“, betont die Psychologin.

Die erste Anlaufstelle könnten der Gynäkologe oder ein niedergelassener Psychologe oder Psychiater sein. „Die Erkrankung wird dann meist mit einer Verhaltenstherapie behandelt“, erklärt Reck. Auch die Gabe von Medikamenten, die das Stillen nicht beeinträchtigen, sei üblich. Die Psychologin leitet in Heidelberg eine spezielle Mutter-Kind-Einheit, in der betroffene Mütter und ihre Kinder betreut werden. Auch an anderen Kliniken gibt es spezielle Wochenbettdepressions-Stationen.

Bei Hanna Schuster war es letztendlich eine Kombination aus verschiedenen Maßnahmen, die ihr half, die Depression zu überwinden: „Die Leiterin meines Rückbildungskurses sprach mich zum Glück eines Tages auf meinen Zustand an und empfahl mir, mich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen“, berichtet sie. Die Gespräche mit anderen Müttern, aber auch Sitzungen bei Psychotherapeuten und nicht zuletzt regelmäßiger Sport halfen ihr langsam, ihr Gleichgewicht wiederzufinden. „Als es mir neun Monate nach der Geburt schließlich besser ging, habe ich meine Wochenbettdepression außerdem in einer Mutter-Kind-Kur noch einmal intensiv aufgearbeitet“, berichtet Schuster.

„Eine Hauptursache für die Wochenbettdepression sind Vorerkrankungen“, sagt Corinna Reck. Wer schon mal an einer Depression oder einer Angsterkrankung gelitten habe, trage ein höheres Risiko, nach der Geburt einen Rückfall zu erleiden. Aber auch die immensen hormonellen Veränderungen in dieser Phase sowie eine traumatische Geburt und das damit verbundene Gefühl des Kontrollverlusts könnten die Erkrankung begünstigen. Dazu kommen Erschöpfung, Stress, Ängste und der Schlafentzug. „Junge Mütter werden durch die Versorgung ihres Säuglings häufig an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gebracht“, betont Reck.

Austausch mit anderen Betroffenen entlastet

Betroffene Mütter sollten sich mit anderen Müttern oder Experten austauschen. Foto: Mario Vedder/ddp

„Ich dachte, wenn das Baby auf der Welt ist, bin ich einfach nur noch erfüllt vom Mutterglück - und dann blieb das Mutterglück einfach aus“, erinnert sich Melanie Weimer aus Frankfurt am Main an ihre eigene Wochenbettdepression nach der Geburt ihres ersten Kindes. Auch Weimer machte die Erfahrung, wie erleichternd der ehrliche Austausch mit anderen Frauen ist, die Ähnliches durchgemacht haben. „Es tut gut zu hören, dass auch in anderen Familien nicht immer alles rosig ist“, sagt die Pädagogin. Nachdem sie die Krankheit überstanden hatte, übernahm Weimer daher den Vorsitz der Selbsthilfegruppe „Blues Sisters“ und berät seither Frauen, die nach der Entbindung mit psychischen Problemen zu kämpfen haben.

Wichtig sei, dass Mütter während der Wochenbettdepression so viel Entlastung wie möglich erhielten, betont Melanie Weimer: „Man sollte beispielsweise dafür sorgen, dass man genügend Schlaf bekommt und Zeit hat, auch mal einen Spaziergang zu machen und Kraft zu tanken.“ Sie empfiehlt Betroffenen, sich außerdem zu überlegen, was ihnen jetzt gut tun würde und ob Familie und Freunde ihnen Unterstützung bieten könnten.

Auch für das Umfeld sei die Situation nicht leicht. „Partner erkennen ihre Frau meist gar nicht wieder. Sie wissen nicht, was mit ihr los ist und reagieren hilflos“, sagt Weimer. Die betroffenen Mütter bräuchten vor allem viel Verständnis und Geduld. „Auf keinen Fall sollte man versuchen, sie mit rationalen Argumenten wie „Aber es ist doch alles in Ordnung!“ umzustimmen“, betont Weimer. Auch die Angehörigen müssten akzeptieren, dass eine Wochenbettdepression eine Krankheit sei, die nun einmal nicht so leicht wieder weggehe.

Die negativen Gefühle wollen so gar nicht zu dem Mutterbild passen, das Werbung und Medien vermitteln. „Ich hatte damals das Gefühl, ich hätte gar kein Recht, unglücklich zu sein“, berichtet Weimer. Die Mütter versuchen daher häufig, ihre Erkrankung, so gut es geht, zu verheimlichen. Doch das Bestreben, dem Klischee der immer glücklichen Mutter zumindest nach außen hin zu entsprechen, koste zusätzlich wertvolle Kraft. Betroffene Frauen machten sich außerdem meist große Vorwürfe und hielten sich für schlechte Mütter. „Um ihren Zustand zu kompensieren, legen sie sich oft besonders ins Zeug und versuchen, rund um die Uhr für das Kind da zu sein“, sagt Weimer. Die Patientinnen bräuchten daher von den Menschen in ihrem Umfeld vor allem ganz viel Bestätigung, dass sie das Recht haben, sich um sich selbst zu kümmern. „Man muss ihnen deutlich machen: Wenn du dir selbst etwas Gutes tust, tust du auch deinem Kind etwas Gutes.“ (dapd)

(*Name von der Redaktion geändert)

 

DerWesten


Kommentare
06.01.2011
14:41
Wenn der Babyblues nicht enden will
von Ruhrdyke | #8

- Verschwörungstheorien?

- was klonen oder Puppenersatz in diesem Zusammenhang bedeutet(n) Ja, genau, was bitte? Es ging um Depression!

- ...das(s) man (eher wohl frau) sich auf hormonelle Achterbahnfahrten genauso vorbereiten kann (Komma) wie auf eine Chemotherapie??... oder auch einfache (Komma) erwartbare OP-Verläufe - ach, ja? Das hört sich NOBEL-verdächtig an.

- kindlichen Eltern mit freien(m) Willen...?

- die Kinder als weiteren Ansatz (?) sehen (Komma) sich von wem auch immer (Komma)... was zu lassen?

- Gesundheitsdienstleistern, denen Kunden verloren gehen, wenn Menschen sich gedanklich gar nicht erst auf solche Krankheiten einlassen - Wie, pränatale Psychotherapie etwa??

Ich hätte gerne etwas von dem, das Sie rauchen.

Um auf den Artikel zurückzukommen, hier ging es um Postpartum Depression - die kommt äußerst selten vor und ist bei Erstgebärenden unmöglich präventiv zu behandeln. Das reine Wissen um das mögliche hormonelle Loch verhindert nichts - aber ich wiederhole mich und da Sie mich schon zuvor nicht verstehen wollten, lasse ichs jetzt lieber.

Ach, jetzt hab ichs! - Sie sind psychotherapeutischer Homöopath oder irgend ein anderer Naturquacksalber!! Das muss es sein...

So weit IHRE Verschwörung. Bitte schön.

06.01.2011
13:05
Wenn der Babyblues nicht enden will
von ________________ | #7

Ruhrdyke wer sein Statement in Oberlehrersprüche und Verschwörungstheorien klammert macht doch deutlich welch Geistes Kind er ist. Der versteht natürlich nicht was klonen oder Puppenersatz in diesem Zusammenhang bedeutet. Und der begreift auch nicht das man sich auf hormonelle Achterbahnfahrten genauso vorbereiten kann wie auf eine Chemotherapie oder auch einfache erwartbare OP-Verläufe.

Das gefällt natürlich auch den kindlichen Eltern mit freien Willen nicht, die Kinder als weiteren Ansatz sehen sich von wem auch immer betudeln zu lassen.

Und noch weniger gefällt es all jenen Gesundheitsdienstleistern, denen Kunden verloren gehen, wenn Menschen sich gedanklich gar nicht erst auf solche Krankheiten einlassen.

05.01.2011
18:38
Wenn der Babyblues nicht enden will
von Ruhrdyke | #6

# 4

Ich befürchte, Sie bestätigen mit Ihrem rechtschreib- und zeichensetzungsfreien Gefasel sowohl mein vorher Geschriebenes als auch den gesunkenen Bildungsstand....

Das Wissen allein um die hormonelle Achterbahn kann diese doch nicht verhindern, auch wird frau damit nicht besser fertig, wenn sie sich über die Möglichkeit einer Postpartum-Depression vorher im Klaren war!!

Sollen wir uns Ihrer Meinung nach deshalb von vornherein gegen Kinder entscheiden? Dann wäre der Mensch wohl schon längst ausgestorben...

Und wer hat je behauptet, Kinder hätten denselben Charakter wie deren Eltern? Klonen, Puppenersatz? Was labern Sie?

Ich befürchte desweiteren, dass Sie hier aus eigener, wohl gebrandmarkter Erfahrung, Unsinn faseln und hoffe, SIE haben keine Kinder!!

Oder sind Sie eventuell sogar ein verkorkster, radikal christlich-rechts-denkender, frauen- und kinderverachtender Mann?!?!

:-O

Alles in Allem, Thema verfehlt, 6, setzen!

05.01.2011
17:13
Wenn der Babyblues nicht enden will
von FreierElternwille | #5

#1 und 4
Postpartale Depressionen sind eine ernst zu nehmende Krankheit, die bis zum Suizid führen kann. Es handelt sich dabei nicht um eine Laune von Frauen, die sich vorher nicht genug über die Realität eines Lebens mit Kindern informiert haben. Notwendig ist in diesen Fällen die Unterstützung der Familie und professionelle Hilfe - verzichtbar sind oberfächliche, belehrende Kommentare.

05.01.2011
11:30
Wenn der Babyblues nicht enden will
von ________________ | #4

Ruhrdyke, ist der Bildungsstand mittlerweile so weit unten, das nicht mehr bekannt ist das eine Schwangerschaft x Wochen danach eine hormonelle Achterbahnfahrt ist ? Wer das nicht weiss kann damit natürlich auch nicht umgehen.

Nein Ruhrdyke Kinder sind nicht zur Bespaßung der Eltern da. Man kann mit ihnen Spaß haben wie mit jedem anderen Menschen auch. Aber es kann auch sein, das der junge Mensch den man in Obhut geboren hat einen ganz anderen Charakter hat als man selbst.

Menschen die das nicht akzeptieren können, die Kinder nach ihrem Ebenbild klonen wollen oder die Kinder als Pupppenersatz ansehen, sollten besser auf Kinder verzichten.

04.01.2011
20:07
Wenn der Babyblues nicht enden will
von Ruhrdyke | #3

Richtig, ebenso wenig, wie dümmliche Kommentare wie #1.

Leider kann frau nicht vorher wissen, wie ihr Körper und ihr Hirn nach der Entbindung reagieren!

Und Kinder sind sehr wohl AUCH zur Bespaßung der Eltern da - oder wollen Sie mir erzählen, Sie hätten noch nie über und mit den Kleinen gelacht, oder dass Sie noblere unpersönliche Motive haben?!

04.01.2011
11:09
Wenn der Babyblues nicht enden will
von mar.go | #2

Ich denke eine Wochenbettdepression ist eine ernste Angelegenheit für die Betroffenen.
Die dümmliche, pseudoenglische Bezeichung babyblues hat dann hier wohl nichts zu suchen!

04.01.2011
08:34
Wenn der Babyblues nicht enden will
von ________________ | #1

Vielleicht auch mal vor der Entscheidung pro Kind darüber nachdenken, das diese jungen Menschen nicht zur Bespaßung der Eltern da sind. Und seien sie versichert, die nehmen auch keine Rücksicht auf die bisherigen Lebensgewohnheiten der Eltern.

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