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Frauenquote stößt in der deutschen Wirtschaft auf Ablehnung

14.11.2012 | 14:17 Uhr
Foto: /dapd/Nigel Treblin

Der Vorstoß der EU-Kommission zur Einführung einer Frauenquote bei der Besetzung von Aufsichtsräten stößt bei deutschen Personalmanagern auf wenig Gegenliebe. Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Studie halten fast drei von vier von der Bonner Personalberatung BWA Akademie befragte Manager eine Frauenquote in der Praxis für ein untaugliches Instrument.

Berlin/Brüssel (dapd). Der Vorstoß der EU-Kommission zur Einführung einer Frauenquote bei der Besetzung von Aufsichtsräten stößt bei deutschen Personalmanagern auf wenig Gegenliebe. Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Studie halten fast drei von vier von der Bonner Personalberatung BWA Akademie befragte Manager eine Frauenquote in der Praxis für ein untaugliches Instrument. Auch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) erteilte dem Quotenmodell eine klare Absage.

Laut BWA-Umfrage sind 72 Prozent der Personalmanager der Ansicht, eine feste Quote sei "zu starr und unflexibel". Zwar halte fast jeder zweite Befragte eine Frauenquote generell für das geeignete Instrument, um Frauen den Weg in die Chefetagen zu ebnen. Jedoch gehe gut jeder dritte Personalverantwortliche davon aus, dass sich diese Zwangsregelung negativ auf die deutsche Wirtschaft auswirkt.

Laut dem Gesetzentwurf, der am Mittwoch nach wochenlangem Tauziehen von der EU-Kommission in Brüssel verabschiedet wurde, sollen die rund 5.000 börsennotierten Unternehmen in der EU bis zum Jahr 2020 40 Prozent ihres Aufsichtsrats mit Frauen besetzen müssen. Damit die Quote tatsächlich Gesetz wird, muss sie noch vom EU-Parlament und von den Parlamenten der Mitgliedsstaaten angenommen werden.

"Verfassungsrechtlich bedenklicher Eingriff"

Der BDA erklärte in Berlin, der Vorstoß nutze nicht "der Karriereförderung von Frauen" und sei "ein verfassungsrechtlich bedenklicher Eingriff in das Besetzungsrecht der Anteilseigner". Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hatte zuvor in Interviews mehrfach betont, er lehne die Quote ab, weil sie "die betriebliche Realität" nicht genug berücksichtige.

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft in der Praxis jedoch eine große Lücke. Nach Angaben der EU-Kommission sind derzeit europaweit nur 13,5 Prozent der Mitglieder in den Führungsgremien von Unternehmen Frauen. In Deutschland sind demnach 15,6 Prozent der Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzt.

Dies deckt sich im Wesentlichen mit einer Anfang November von der Unternehmensberatung Kienbaum veröffentlichten Studie. Demnach verdoppelte sich die Frauenquote in den Aufsichtsräten der DAX-Konzerne innerhalb von zwei Jahren zwar. Mit derzeit 15,1 Prozent sei ihr Anteil aber nach wie vor sehr überschaubar.

Über die Gründe dafür spekulieren die Experten: Neben der schlechten Vereinbarkeit von Karriere und Familie führte BWA-Geschäftsführer Harald Müller diese Quote vor allem auf das Fehlen von "weiblichen Vorbildern und Rollenmustern" in dieser Position zurück. Außerdem bestünden einflussreiche Netzwerke weiterhin vor allem aus Männern.

Zu diesem Schluss kommt auch die Kienbaum-Studie. Auf Frauenseite gebe es eben "kein Pendant zum sogenannten Old-Boys-Network", erklärte die Geschäftsführerin bei Kienbaum Berlin, Anke Hoffmann, Anfang November. Damit gemeint sei ein kleines, gewachsenes Netzwerk weniger mächtiger Männer, die eine Fülle von Ämtern unter sich aufteilen. Eine vergleichbare Tendenz sei "bei den weiblichen Mandatsträgern nicht erkennbar", sagte Hoffmann. Ob sich dies durch eine Frauenquote ändert, bleibt nach Ansicht von Experten abzuwarten.

dapd

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