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Hollywood

Im Kino stirbt Osama bin Laden noch lange nicht

03.05.2011 | 18:54 Uhr

Essen.   Hollywood macht sich schon heftig Gedanken um eine Verfilmung der Geheimaktion in Pakistan. Kathryn Bigelow muss ihr Drehbuch für „Kill Bin Laden“ umschreiben.

Wenn es nach den Studiobossen in Hollywood ginge, dann wäre die Erschießung Osama bin Ladens am liebsten schon nächste Woche an der Kinokasse. Kaum hat sich et­was Spektakuläres ereignet in der Welt, die Amerika noch zur Kenntnis nimmt, spekuliert die Traumfabrik auf eine Verfilmung. So auch jetzt: Die Leiche bin Ladens war vermutlich noch warm, da machte man sich in den großen Studios bereits Gedanken darüber, wie die erfolgreiche Jagd auf Amerikas Staatsfeind Nummer 1 wohl am besten zu verfilmen wäre. Gilt es doch, aus dem wieder erstarkten amerikanischen Nationalstolz schnell Profit zu ziehen.

Die Realität des Filmemachens jedoch spricht eine an­dere Sprache, die Mühlen der Movie-Welt mahlen langsam. Selbst nach dem spektakulären 9/11-Anschlag vergingen fast fünf Jahre, bis das Ereignis auf die Leinwand fand. Dann erst waren Oliver Stone mit „World Trade Center“ und Paul Greengrass mit „Flug 93“ zur Stelle. Geht es um politisches Fehlverhalten der USA, dauert alles noch länger. Die Wahrheit über die 2003 ausgesprochenen Lügen der Bush-Regierung über die angeblichen Vernichtungswaffen von Saddam Hussein erfuhr das Kinopublikum erst 2010. Da offenbarten Paul Greengrass mit „The Green Zone“ und Doug Liman mit „Fair Game“ soweit Amerika die faulen Tricks, mit denen George W. und seine Mannen den Krieg gegen den Irak begonnen hatten. Auch die Niederlage der Amerikaner 1993 in Mogadischu fand erst 2001 mit Ridley Scotts „Black Hawk Down“ den Weg ins Kino.

Im Falle der Liquidierung bin Ladens könnte es jedoch ein wenig schneller gehen. Oscar-Siegerin Ka­th­ryn Bigelow („Tödliches Kommando – The Hurt Locker“) arbeitet mit ihrem Drehbuchautor Mark Boal schon länger an einem Projekt mit dem Titel „Kill Bin Laden“. Bisher ging es dabei, ganz realitätsgetreu, um eine gescheiterte Geheimoperation zum Fang des Top-Terroristen. Das bereits weit entwickelte Drehbuch muss nun wieder umgeschrieben werden. Offen ist noch, ob die Geschichte nur am Schluss umgekrempelt wird – oder komplett.

Wiederbelebt werden könnte nun auch die 2006 von Paramount Pictures gekaufte Verfilmungsoption auf das Buch eines früheren CIA-Offiziers, das die Jagd auf Bin Laden kurz nach dem Attentat auf die Twin-Towers beschreibt. Niemand wagte sich bislang an den Stoff. Die Chance, ihn lukrativ zu verfilmen, ist mit den Schüssen von Abbottabad jedoch dramatisch gestiegen.

Arnold Hohmann

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