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Germany's Next Wetten, dass..?

24.01.2010 | 18:32 Uhr
Germany's Next Wetten, dass..?

Essen. Spektakuläre Routine vor rund elf Millionen Zuschauern. In knapp drei Stunden „Wetten, dass..?“ zeigten Menschen nicht das, was sie am besten können, sondern das, was sie immer machen: Hin und her laufen, quietschen und auf zwei Rädern einparken.

Treffen sich zwei Blondinen in Friedrichshafen. Da sagt die eine, es ist Michelle Hunziker, zur anderen: „Frohes neues Jahr Thommy!“ Und wir wissen: Die andere Blondine ist Thomas Gottschalk, es ist die erste „Wetten, dass..?“-Sendung 2010 und damit ein so genannter Pflichttermin zu Jahresbeginn wie ein Zahnarztbesuch oder die Steuererklärung. Ein bisschen unangenehm zwar, aber es gehört nun mal dazu.

Seit ein paar Sendungen ist Michelle Hunziker so eine Art Sprechstundenhilfe für Dr. Showmaster Gottschalk. Sie holt die nächsten Patienten rein, die hier Wettkandidaten heißen, kümmert sich um diverse Wehwehchen, sieht fantastisch aus und weiß im Zweifel besser Bescheid als der Chef selbst. Dr. Showmaster, das dürfen wir nicht vergessen, wird ja in ein paar Monaten auch schon 60 Jahre alt. Mit den altbewährten Rezepten stößt er inzwischen an seine Grenzen. Und so baut Gottschalk „Wetten, dass..?“ langsam aber sicher zu einer Gemeinschaftspraxis um.

Heidi stielt Thommy nicht die Show - er schenkt sie ihr

„Ich hab’ die Michelle links rausgeschickt, damit die Heidi rechts rein kann“, sagt der Chef alsbald, und herein kommt Heidi Klum in enger Jeans und mit einem Oberteil, das vorne glitzert und hinten sehr durchschaubar ist. Fortan scheint eine unangekündigte Wette beim ZDF zu laufen, die ungefähr so lautet: „Wetten, dass wir Germany’s Next Topmodel kopieren können ohne dass es jemand merkt?“

Wette verloren. Denn unter dem Vorwand einer fadenscheinigen Stadtwette läuft ein Modelcasting im ProSieben-Manier ab, unterbrochen von den Auftritten einiger prominenter Gäste und ein paar Wettkandidaten. Auf der Couch verrät Heidi Klum noch schnell ihre Still-Gewohneiten („Ich muss ab und zu den Hahn aufmachen“), Gottschalk wird ungeduldig („Damit haben wir unser großes Interview abgeschlossen“) und dann geht es aber auch weiter mit dem Casting. Heidi Klum stiehlt Gottschalk nicht die Show. Er schenkt sie ihr.

Beim ZDF ist die Auswahl etwas nachlässig geworden

Da fällt es kaum ins Gewicht, dass die Wette, bei der ein Mann mit einem Auto auf zwei Rädern um Laternen kurvt und anschließend zwischen Luxuskarossen einparkt zwar „krank“ (Gottschalk) oder „wie im Film“ (Klum) aussieht, für den Wettkandidaten Jeffrey aber offenbar so alltäglich ist wie für andere Leute Brötchenholen - er arbeitet nämlich in einer Stunt-Gruppe. Und auch ein Wettkandidat vom Bodensee, der Findlinge so übereinander stapelt, dass sie nicht umfallen („Des hat mir den Kick g’ebe“), macht das nicht erst seit letztem Dienstag, sondern beruflich. Da ist das ZDF bei der Auswahl wohl ein wenig nachlässig geworden.

Spektakulär hingegen die Wette, bei der ein Student auf Schlittschuhen den Eiskanal in Altenberg hinunterrast und dabei eine Überraschungs-Ei-Figur zusammenbastelt. Er wird am Ende Wettkönig. Wäre es nicht die so genannte Kinderwette gewesen, hätten womöglich die Mädchen gewonnen, die ein Springseil aus Kaugummi mit vollem Speichel- und Kiefereinsatz produzierten und hüpften. Ein Kandidat aus der Schweiz wollte seine Kaninchen beim Streicheln erkennen und scheiterte.

Ansätze von Interview-Simulation auf der Couch

Ebenso wie Gottschalk an diversen Moderationen. „Haben wir die Fotos da? Nein? Fotos waren später geplant? Gar nicht geplant? Na dann lassen wir sie weg“ ist so ein Beispiel. Oder dass er auf der Suche nach dem Wort Feinmotorik bei „Mikromentalität“ landete. Oder die Ansätze von Interviewsimulationen auf der Couch. Zur Schauspielerin Simone Thomalla („Tatort“), die im aktuellen Playboy zu sehen ist : „Beruflich bist du gerade ja nicht so viel unterwegs.“ Thomalla: „Das stimmt doch gar nicht. Ich zieh’ mich doch nicht nur aus.“ Gottschalk: „Also gut, dann erzähl mal.“

In solchen Momenten konnte man der amerikanischen Oscar-Preisträgerin Hilary Swank ansehen, dass sie sich im falschen Film wähnte und vielleicht lieber ein bisschen Musik über die Knöpfe im Ohr gehört hätte als das Gequatsche auf der Couch in dieser seltsamen deutschen Fernsehsendung. Jon Bon Jovi durfte sich wenigstens auf die Öffnungszeiten von Flughäfen berufen und nach New York verschwinden. Fußballprofi Mario Gomez hatte nicht viel zu sagen.

Eros liefert die Pizza Quattro Stagioni der Musikbeiträge

Musik gab’s auch wieder. Von Bon Jovi, der so klang wie immer, von Ich und Ich ohne das zweite Ich Annette Humpe und von Eros Ramazzotti, der mit einem Medley die Pizza Quattro Stagioni unter den Musikbeiträgen ablieferte. Das war ein besonders hübscher Moment, weil Ex-Frau Michelle Hunziker mitsang und klatschte.

Am Ende und immer wieder aber Heidi Klum und ihr neuer Assistent „Q“ (Qualid Ladraa), die noch das Konzept ihres Castings auf den Punkt brachte: „Wir machen unsere Lieblingsmusik an und dann laufen die Mädchen hin und her“ und das übliche „Schultern nach hinten! Brust raus!“ befahl. Wie gut, dass Martina Hill kam. Sie parodiert in der ProSieben-Sendung Switch Heidi Klum mit einer unfassbaren Piepsstimme. Beim Aufeinandertreffen der beiden spielte Klum mit, quietschte noch höher als sonst und küsste Hill auf die Wange: muaa, muaa. Dafür hat sich Wetten, dass..? dann doch wieder gelohnt.

Mit knapp elf Millionen Zuschauern sahen wieder zwei Millionen mehr zu als beim letzten Mal. Marktanteil: 33 Prozent.

Marc Hippler


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