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Mein erstes Mal: Surfen...

Wellenritt auf dem Atlantik war Kratzer und Beulen wert

16.10.2009 | 16:09 Uhr
Wellenritt auf dem Atlantik war Kratzer und Beulen wert

Saint-Girons-Plage. ZEUS spricht über „Mein erstes Mal”: So heißt die Serie, in der unsere Reporter ihre ganz eigenen Erfahrungen verschiedenster Art erzählen. Diesmal schriebt Lisa Birko über ihre ersten Stehversuche auf einem Surfbrett und das auch noch auf den Wellen des Atlantiks

Vor dem Vergnügen stand für meine Freundin Anna und mich erst einmal eine 20-stündige Busfahrt in den Südwesten von Frankreich, nach Saint-Girons-Plage. Auf dem riesigen Campingplatz „Les Tourterelles” mit 3000 Plätzen kamen wir in den Bereich von „GoJugendreisen”. Nach einem leckeren Willkommensbrunch und einer Einführungsrede wurden wir über das Gelände geführt. Den Strand erreichte man schon nach fünf Gehminuten. Es ging nur ein Stück durch einen Pinienwald und über eine hohe Sanddüne. Dahinter lag dann ein traumhaft schöner, weißer Sandstrand mit einem türkisblauen, „stürmischem” Meer.

Anschließend hatten wir Freizeit. Anna und ich lernten sofort viele nette Leute kennen und wussten nach kurzer Zeit, mit welchen zwei Mädchen wir in ein Viererzelt wollten. Gemeinsam lagen wir aber zunächst am Strand und testeten auch noch den Pool. Am späten Nachmittag durften wir dann die Zelte beziehen. Diese bestanden aus einem Holzpfahl in der Mitte und einer kunterbunten Plane darüber gespannt. Das ganze sah aus wie ein kleines Zirkuszelt, und stehen konnte man gerade eben in der Mitte. Es war sehr eng, aber gemütlich. In dem Zelt mussten vier Luftmatratzen und unsere Koffer bzw. Reisetaschen, untergebracht werden. Wollte ich in meinen Trolley nach etwas suchen, flogen dabei Socken, Handtücher und allerlei Kleinkram durch unser Zirkuszelt. Die kleinen Mitbewohner namens „Spinne” bescherten uns oft eine große „Freude”, wir schrien und einer der starken, tapferen Jungs musste kommen und uns von der Spinne befreien, in dem er sie, ganz tierschutzmäßig, in der Natur freiließ.

Die Nächte waren zum Glück sehr angenehm, denn es kühlte sich Abends stark ab. Tagsüber war das Wetter aber super, immer warm und sonnig. Da sich der Campingplatz in einem schattigen Pinienwald befand, hatte die Sonne auch keine Chance, uns auf die Köpfe zu scheinen. Morgens gab es immer ein Büfett mit Baguetten, Butter, Marmelade, Wurst, Käse, Müsli und vieles mehr. Bis zum Nachmittag konnten wir uns dort satt essen und Baguette für den Strand machen. Nachmittags wurde Obst auf das Büfett gestellt. Abends gab es warmes Essen, immer abwechselnd Reis- oder Nudelgerichte. Im Camp hatten wir unseren eigenen Koch und eine Küchenfee. Es gab viele „Teamer” und den Chef des Camps.

Da es ein „Surf- & Beachcamp” war, wurden natürlich auch viele Surfkurse angeboten, die man schon von zu Hause aus mit der Reise mitbuchen konnte. Meine Freundin Anna und ich hatten und für den Schnupperkurs entschieden, den Kurs mit den wenigsten Stunden. Im Angebot war auch noch ein Anfänger-, ein Fortgeschrittenenund ein Intensivkurs. Anna und ich hatten das Glück, einer kleinen Gruppe zugeteilt zu werden. Mit zwei Jungs hatten wir eine schöne Vierergruppe. Anderes als unsere Zelt-Mitbewohnerinnen: Die beiden wurden getrennt jeweils in eine Gruppe mit sieben Jungen gesteckt.

Am zweiten Tag war es dann so weit: unsere erste Surfstunde. Meistens waren die Kurse morgens und man wurde von den „Teamern” geweckt. Am Strand trafen wir dann unseren Surflehrer Jens, bekamen eine kleine Einführung in das Surfen, auch Wellenreiten genannt, und den Wellengang mit den Strömungen. Anschließend bekam jeder ein Surfbrett und einen Neoprenanzug, in dem man ziemlich professionell aussah, obwohl wir noch nie auch nur einen Fuß auf ein Surfbrett gesetzt hatten. Die Boards waren etwa zwei Meter lang und ziemlich unhandlich. Für mich jedenfalls war es sehr schwer und mühevoll, das Brett schon die 20 Meter über den Sand zum Wasser zu tragen, vom Weg zum Campingplatz ganz zu schweigen. Nach ein paar Trockenübungen mussten wir uns die „Leash”, ein langes Band mit Klettverschluss, das am Surfbrett befestigt war, um den Knöchel festmachen. Die „Leash” ist dafür da, dass die Wellen das Surfbrett nicht wegtreiben lassen.

Endlich durften wir mit den Brettern ins Wasser. Dort gab es meterhohe Wellen, und zwar jeden Tag, dazu starke Strömungen und kleine Steinchen im niedrigen Wasser. Das Meerwasser war sehr kalt, aber die Neoprenanzüge und die Sonne hielten uns warm. Bis zum Bauch sollten wir ins Wasser gehen, die Surfboards erst tragen, dann vor uns herschieben. Wenn die Wellen von vorne kamen, sollten wir die Spitze des Brettes, die „Nose”, etwas schräg nach oben halten und nach vorne springen, damit die Welle uns nicht zu weit nach hinten treibt und das Brett wegschleudert. Wenn dann eine gute Welle kam, sollten wir uns mitsamt des Surfbrettes umdrehen, drauflegen, mit den Armen rudern - und einfach die Welle reiten. Na ja, das „Reiten” lernten wir erst nächste Stunde, wir glitten nur auf der Welle. Das ganze war aber auch schon total lustig, allerdings auch ziemlich anstrengend. Ich wurde oft vom Brett gerissen und durchs Wasser geschleudert.

Das Wellenreiten kann auch sehr gefährlich sein. Der Surflehrer erzählte uns, dass vor ein paar Wochen ein Mädchen beim Surfen durch die starken Strömungen sogar ertrunken sei. Das beruhigte uns natürlich ungemein. Doch die Nervösität und Angst verging schnell, wenn ich dann mal endlich auf meinen Surfboard lag und einen kurzen Moment entspannen und genießen konnte. Mit dem Brett durchs Wasser waten und von den Wellen durchgeschleudert werden, brachte einen ziemlich aus der Puste. Die Steinchen im Wasser taten an den Knien und Füßen weh, und nach dieser ersten Surfstunde hatte jeder von uns völlig vermackte Beine mit Kratzern und blauen Flecken von den Brettern und den Finnen daran. Mit diesen drei handgroßen, flossenförmige Plastikteilchen am hinteren Ende der Brettunterseite wird gesteuert.

Surflehrer Jens war sehr zufrieden mit seinen beiden Schülern Lisa und Steffen, die beim abendlichen Wellenreiten die Brandung des Atlantiks bezwangen

Und am nächsten Morgen stand schon wieder Surfen auf dem Programm: Als wir uns alle in die hautengen Neoprenanzüge gequetscht hatten, machten wir zuerst ein paar Trockenübungen mit den Brettern am Strand. Dabei sollten wir das Aufstehen auf dem Brett lernen. Mit drei Schritten zeigte uns der erfahrene Surflehrer, wie man aus dem Liegen schnell in eine standfeste Stehposition kam. Aber das war wirklich leichter gesagt als getan! Nach mindestens zehn Probedurchläufen von jedem durften wir dann endlich wieder in die Wellen. Zuerst traute sich keiner so recht, das mit dem Stehen auszuprobieren, doch Jens ermunterte und motivierte uns, wie es nur ging.

Ein Junge aus unserer Gruppe, Steffen, probierte es sofort aus und schaffte es sogar schon, kurz zu stehen. Das wollte ich auch. Nach ein paar gescheiterten Versuchen, überhaupt eine gute Welle zu bekommen, wagte ich es dann und versuchte aufzustehen. Leider ging das total in die Hose, ich kam mit meinem Hintern nicht hoch und schaffte nur, auf dem Brett zu knien. Nach höchstens zwei Sekunden stürzte ich dann wieder ins Wasser. Als ich wieder nach Luft schnappen konnte, machte ich erst einmal eine kleine Pause und trank etwas. Puh, war das anstrengend! Von dem Salzwasser trocknete mein Mund und Hals total aus, meine Augen brannten und meine Haare waren durcheinander und filzig. Nach ein paar Minuten machte ich weiter, probierte tausendmal das „Reiten” der Wellen, aber es wollte mir einfach nicht richtig gelingen. Nach nur einer Stunde Surfen waren wir alle total ausgepowert und mussten dann noch die Bretter zurück zum Surfcamp tragen. Der Sand war an den Füßen heiß, die Sonne knallte und meine Arme machten bald schlapp. Aber wir schafften es schließlich doch noch bis zu unserem Zeltplatz.

Am folgenden Tag stand unser Surfkurs erst für den späten Nachmittag auf dem Plan. Deshalb verbrachten wir einen schönen Tag im Camp, am Meer, im Pool und mit Beachvolleyball, bevor wir uns zum Surfplatz am Strand, einer außer uns menschenleeren Zone, aufmachten. An diesem Tag war das Meer besonders stürmisch, die Wellen meterhoch mit einer ungeheuerlichen Kraft. Anfangs traute ich mich nicht ins Wasser, da mich der heftige Wellengang und die Strömung abschreckten. Schließlich trugen wir doch alle unsere Bretter ins Wasser und versuchten erst mal, überhaupt über die riesigen Wellen zu kommen, die schon sehr weit weg vom Strand brachen. Doch an dem Tag ging einfach gar nichts. Man wurde von den Wellen zurückgeschleudert, wenn man gerade mal bis zu den Oberschenkeln im Wasser war. Es war sehr kalt und auch nicht ungefährlich. Nach einer knappen halben Stunde brach Jens deshalb die Surfstunde ab und bot uns an, am nächsten Tag in seiner Freizeit den Rest der Stunde zu wiederholen. Das war wirklich nett von ihm. Also gingen wir erschöpft zurück ins Camp, wo es an diesem Abend auch noch regnete und wir alle unter dem Pavillon saßen und Karten spielten oder in Zeitschriften lasen. Am nächsten Tag sollte unsere Surfstunde erst um 21 Uhr nachgeholt werden. Meine Freundin Anna und ich waren sehr unschlüssig. Wir waren gerade frisch geduscht und fanden es eigentlich zu kalt fürs Wellenreiten. Anna wollte auf keinen Fall mitmachen, ein Junge aus unserer Gruppe auch nicht. So blieben nur noch ich und der andere Junge, Steffen. Er überredete mich letztlich doch noch. Gemeinsam gingen wir zum Strand, Anna und unsere Campfreundin versprachen, nachzukommen und Fotos zu machen. Am Strand schauten wir nach den Wellen, die heute nicht so heftig waren, ideal zum Wellenreiten. Mir war kalt und graute es schon vor dem Wasser, doch ich freute mich auf das Surfen. Wir liefen ins Wasser und probierten wieder aus, auf dem Brett zu stehen. Steffen gelang es erneut und er feuerte mich richtig an. Und endlich schaffte auch ich es. Ich stand, wenn auch etwas wackelig und schief, auf meinen Surfbrett und ritt auf der Welle. Was für ein tolles Gefühl! Das klappte ein paar Mal und ich war überglücklich. Meine Freundinnen waren gekommen und hatten versucht, mich bei meinen Surfkünsten zu fotografieren. Aber die Sonne ging schon unter, weshalb die Fotos leider sehr dunkel und unscharf geworden sind. Ich hatte trotzdem super viel Spaß und war stolz auf mich. Nach dieser Surfstunde mussten wir die Bretter wieder ins Camp tragen und uns ausruhen.

Das waren also meine ersten Versuche mit einem Surfbrett auf den Wellen des großen Atlantiks zu reiten. Der Urlaub hat uns allen richtig gut gefallen, und im Nachhinein fanden wir, dass eine Woche zu kurz war. Und zu allem Unglück hatten wir auf der Rückfahrt auch noch eine Buspanne und mussten ganze vier (!) Stunden auf einem französischen Parkplatz auf ein Ersatzteil warten. Es war sehr warm und wir waren alle müde, also schliefen wir einfach auf der Erde. 

Lisa Birko

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