Der erste Stress von Iserlohn
12.11.2009 | 11:44 Uhr 2009-11-12T11:44:00+0100Iserlohn. ZEUS spricht über „Mein erstes Mal”: So heißt die Serie, in der unsere Reporter von ihren ganz eigenen ersten Erfahrungen verschiedenster Art erzählen. Diesmal schreibt David Lucas über seine ersten Tage als Zugezogener in Iserlohn.
Die Tür fällt ins Schloss, ein letzter Blick auf die Straße, dann sind die Eltern weg - ich lebe allein. In Iserlohn, zum Studieren! Für einen Menschen aus der tiefsten westfälischen Provinz hat Iserlohn Großstadtcharakter. Viele Autos, große Straßen, regelmäßig fahrende Busse - und Berge.
Der neue Tag kommt und eine Woche voller Abenteuer, Neuheiten und Kuriositäten beginnt. Zwischen Einkäufen, Verwaltungskram und Eingewöhnung bleibt Zeit für die schönen Altbauten und die nette Innenstadt. Zwar fragt sich der geneigte Beobachter, wieso es unbedingt zwei T-Punkte oder O2-Shops gibt und auch, warum die Iserlohner ein so hohes Bedürfnis nach Erotikshops zu haben scheinen (immerhin habe ich schon zwei gefunden!), dennoch ist Iserlohn eine wunderbare Stadt, mit Kneipen und Cafés, die zum Verweilen einladen. Neue Menschen kann man hier auch sehr gut treffen. Gleich in meiner ersten Woche haben mir die freundlichen Redakteure im Wichelhoven-Haus ein Praktikum beim IKZ angeboten. Auch bei einem riesigen gesellschaftlichen Event der Region, dem Campus Symposium, konnte ich als Volunteer zu vielen zukünftigen Mitstudenten Kontakt herstellen. Außerdem habe ich auf diesem Weg gemerkt, was für ein kontaktfreudiges und offenes Volk die Iserlohner sind.
Dabei erscheint die Kommunikation bisweilen schwierig, weil man im Sauerland gern mal ein „wa?” an seine Sätze hängt. Daran kann ich mich sicherlich schnell ge-wöhnen, anders als an die Tatsache, dass es hier ständig zu regnen scheint. Besonders faszinierend ist, wie die Geschwindigkeit des Wetters umschlägt. Frohen Mutes den Sonnenschein genießend, merke ich kaum, wie sich der Himmel verdunkelt und es auf einmal wie aus Kübeln gießt.
Bleibt noch eine Besonderheit, die man auf keinen Fall unerwähnt lassen sollte: Im Münsterland ist die Landschaft im Vergleich zum Sauerland eher flach gehalten und so ist es nicht verwunderlich, dass man dort gerne Fahrrad fährt, weswegen dort viele fahrradfreundliche Städe angesiedelt sind. Daher war ich auch positiv überrascht, am Ortseingang von Iserlohn ein Schild zu finden, das freundlich darauf verweist, dass Iserlohn ebenfalls fahrradfreundlich ist. Fakt ist aber, dass dieses Schild lügt. Fahrradständer werden als genauso überflüssig angesehen wie Fahrradstreifen oder -wege. Wo man Wege findet, sind dezent zentral Bäume gepflanzt und auch Autofahrer machen sich einen Spaß daraus, Fahrradfahrer im Straßenverkehr zu terrorisieren. Fährt man allerdings einen halben Meter auf dem Fußweg, muss man um sein Leben fürchten, da die rüstigen Einwohner der Stadt offensichtlich keine Scheu haben, Regenschirme zwischen die Speichen zu stecken.
Trotzdem: Iserlohn ist eine schöne Stadt im Herzen des Sauerlands, und ich freue mich sehr auf die kommenden Jahre und bin optimistisch, dass das Alleine-Leben bald ein Ende hat und ich mich schnell wie ein richtiger Iserlohner fühle, wa?
15:54
Stimmt schon. Unter fahrradfreundlich verstehe ich auch etwas anderes. Da helfen auch so schöne Radwege wie der am Baarbach oder die neu eröffnete Bahntrasse wenig.