Das Pokal-Finale
19.08.2010 | 17:28 Uhr 2010-08-19T17:28:00+0200Iserlohn. ZEUS: Welchen Beruf üben Sie im Alltag aus?
Kinhöfer: Ich bin Abteilungsleiter für das Controlling bei den Stadtwerken Herne.
ZEUS: Wie sind Sie zu Ihrem „Nebenjob“ gekommen?
Kinhöfer: 1984 hat mein damaliger Verein SV Holsterhausen Nachwuchsschiedsrichter gesucht. Ich wurde gefragt und habe ja gesagt.
ZEUS: Wie haben Sie auf die DFB-Pokal-Final-Nominierung reagiert?
Kinhöfer: Ein Traum ging für meine Assistenten und mich in Erfüllung. Zuerst konnte ich es nicht glauben, aber es war Freude pur.
ZEUS: Was ist das Besondere am Schiedsrichterjob?
Kinhöfer: Es gibt sehr viele Besonderheiten. Zum einen, ständig verschiedene Charaktere zu führen, sich in Sekundenbruchteilen auf unterschiedliche Situationen einstellen zu müssen und dann aufgrund einer Perspektive die richtige Entscheidung zu treffen. Ein unglaublich facettenreicher Job, wobei die eigene Persönlichkeit unwahrscheinlich geschult wird.
ZEUS: Was ist anstrengend an dieser Art von Beruf?
Kinhöfer: Seine Arbeit vor einem Millionenpublikum mit zig Kameras überprüfen zu lassen. Umso schöner ist das Gefühl, wenn die Entscheidung richtig war.
ZEUS: Wenn Sie die Entscheidung noch mal treffen dürften, würden Sie sich wieder für das „Schiedsrichter-Sein“ entscheiden? Warum?
Kinhöfer: Absolut, weil es - so glaube ich - kaum eine vergleichbare Tätigkeit gibt, bei der eine bessere Persönlichkeitsschulung stattfindet. Zumal: Was gibt es Schöneres, als bei Deutschlands liebstem Kind dabei zu sein?
ZEUS: Wie gehen Sie mit Kritik um?
Kinhöfer: Sachliche Kritik ist immer gut, hilfreich und förderlich.
ZEUS: Was sagen Freunde und Bekannte zu diesem Job?
Kinhöfer: Die finden das richtig klasse und unterstützen mich dabei.
ZEUS: Was war Ihr peinlichster Moment?
Kinhöfer: Den gab es zum Glück noch nicht.
ZEUS: Was machen Sie bei schlechteren Leistungen, von Ihnen und Ihrem Team?
Kinhöfer: Dann werden die Fehler analysiert, das Spiel wird aufgearbeitet, damit die gemachten Fehler nicht wieder vorkommen.
ZEUS: Haben Sie vor, während oder nach dem Spiel Rituale? Falls ja, welche?
Kinhöfer: Vor dem Spiel versuche ich, in der Kabine noch den einen oder anderen Assistenten im „Ball hochhalten“ zu besiegen.
ZEUS: Waren Sie schon in jedem Stadion Deutschlands? Wo wollen Sie noch hin?
Kinhöfer: In Deutschland habe ich schon alle Stadien der Bundesliga beziehungsweise der Zweiten Bundesliga durch. Ziele wären noch einmal ein Spiel in Moskau oder in Island, denn da war ich noch nie.
ZEUS: Was war Ihr interessantestes Spiel? Was würden Sie gerne noch mal pfeifen?
Kinhöfer: Eindeutig, von der Anspannung und den Emotionen, das Pokalfinale 2010.
ZEUS: Welche Spiele haben Sie schon im Ausland miterlebt?
Kinhöfer: Im Ausland habe ich inzwischen über 60 Spiele miterlebt, und ich möchte keines davon missen. Besonders eindrucksvoll war ein Spiel im Wembley-Stadion in London.
ZEUS: Was ist der Unterschied zwischen der Bundesliga und ausländischen Ligen?
Kinhöfer: Hinter großen Ligen wie der spanischen und der englischen muss sich die Bundesliga keinesfalls verstecken. Was in Deutschland natürlich top ist, sind die neuen Stadien, die immer voll sind. Einfach klasse.
ZEUS: Wie war die letzte Saison? Sind Sie zufrieden?
Kinhöfer: Die letzte Saison ist für uns sehr gut gelaufen, mit der Krönung, dass wir beim DFB-Pokalfinale dabei sein durften. Das ist aber Schnee von gestern. Wir fangen alle wieder bei Null an. Dann heißt es, die Leistung wieder abzurufen.
ZEUS: Gibt es etwas, mit dem Sie nicht zufrieden sind oder waren? Würden Sie etwas ändern wollen?
Kinhöfer: Stillstand ist immer Rückschritt. Deshalb kann man sich immer verbessern.
ZEUS: Welche Erwartungen haben Sie an die kommende Saison?
Kinhöfer: Dass sie für uns als Schiedsrichter-Team - bestehend aus Detlef Scheppe (Wenden), Christian Fischer (Hemer) und mir - genauso gut oder besser verläuft als die vergangene Saison.
ZEUS: Was sagen Ihre Mitarbeiter, wenn Sie mal fehlen?
Kinhöfer: Zum Glück habe ich sehr, sehr gute Mitarbeiter, die mir den Rücken frei halten, wenn ich in Sachen Fußball unterwegs bin. Hauptsächlich finden die Spiele ja aber am Wochenende statt.
ZEUS: Wie lange wollen Sie noch Schiedsrichter bleiben?
Kinhöfer: So lange die Leistung, die Gesundheit und der Spaß an der Aufgabe da sind.
ZEUS: Welche Ziele haben Sie noch?
Kinhöfer: In jedem Spiel eine fehlerfreie Leistung abzuliefern.
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