Ram Ramakrishnan
24.10.2007 | 14:02 Uhr 2007-10-24T14:02:00+0200
Ungemein höflich ist er, dieser Ram Ramakrishnan. Selbstverständlich möchte er sich gerne mit dem Iserlohner Zeitungsmann unterhalten, es sei ihm eine Ehre und eine große Freude obendrein und natürlich könne man auch jederzeit über seine Zeit verfügen.
Und dazu funkeln diese glühenden Augen, dass man im ersten Moment fast Angst haben kann, es mit einem indischen Hypnose-Guru zu tun haben.
Aber davon ist der drahtige Manager weit entfernt. Seine Einstellungen zu seinem eigenen Leben, zu dem seiner Familie, zum Leben in Indien und zu einem weltweiten Miteinander sind alles andere als mystische Tempelweisheiten. Keine Frage: Dieser Ram Ramakrishnan weiß, wie und wo es langgeht.
Dass er an diesem Donnerstag im VIP-Zelt des Campus-Symposium sitzt, ist für ihn eigentlich gar nicht sonderlich verwunderlich. Schließlich hat der heute 45-Jährige mit sieben Jahren zum Geburtstag von seinem Onkel ein Buch geschenkt bekommen, das sich mit den deutschen Sehenswürdigkeiten, also im Wesentlichen mit Flüssen und Schlössern, befasst hat. Und das habe er förmlich verschlungen. Immer und immer wieder nachgelesen und sich die Bilder eingeprägt. Und er habe damals bereits gewusst, dass er sich in der Schule würde anstrengen müssen, um einen Beruf zu ergreifen, der es ihm ermöglicht, sich diese gedruckten Vorlagen einmal im Original anzusehen.
An dieser Stelle kommt dann auch gleich seine Ehefrau Swarnalatha ins Schwärmen. Sie weitet ihre Begeisterung aber auf Österrreich und die Schweiz aus. "So sauber, so herrlich, so beindruckend." Ihr Mann pflichtet ihr sofort bei. Skifahren könnten sie zwar nicht, aber gerade im Winter seien diese Länder schon außergewöhnlich. "Ein Traum!"
Noch einmal zurück zum Privatmann Ram Ramakrishnan. Golf ist zum Beispiel die Leidenscaft des Mannes, der über ein Top-Five-Unternehmen mit mehreren tausend Mitarbeitern regiert. Jeden Morgen geht es noch vor dem Frühstück auf den Golfplatz. Sein Handycap ist 20. "Aber, Thomas, Du kannst ruhig 18 schreiben," sagt er, "denn ich glaube, es ist eher 18." Und dann geht er nach dem Frühstück in die Firma. Ein für alle offenes Büro habe er, sagt er und meint, dass die Kommunikation in seiner Firma Bajaj Electricals Limited, ganz groß geschrieben wird. "Wir reden über alles, und wir reden viel."
Reden wir also über seine Einstellung zu Arbeit. Da gerät er sofort wieder ins Philosophieren, will sich vielleicht nicht selbst loben, spricht lieber über die grundsätzliche Einstellung seines Volkes. "Wenn wir etwas tun," sagt er, "sind wir immer mit Herz und Seele bei der Sache. Verstehst Du, das hat was mit Passion zu tun." Darin sieht er dann wohl auch einen Teil des Erfolges, den sein Land auf den Märkten des Erdballs zu verzeichnen hat. Und er macht sofort auf eine weiteres Detail aufmerksam. Die Inder seien sich natürlich ihrer ungeheueren Potenziale bewusst, weil schon allein ihre ihre Bevölkerungsstatistik eine klare Sprache spricht: 70 Prozent aller Landesbürger seien unter 35 Jahre alt. Und das sagt er mit einem Blick, der eigentlich noch nicht einmal eine Nachfrage zulässt, sondern nur ein akzeptierendes Kopfnicken.
Eigentlich erübrigen sich dadurch auch alle weiteren Fragen, warum er denn glaubt, das sich eine Zusammenarbeit mit seinem Land lohnen könnte. In seinem späteren Referat wird er sagen: "In Indien liegt ein Goldschatz, ich lade sie ein, ihn zu heben." Welche Rolle die Gefühle im Leben des Sohns eines Fernmeldetechnikers spielen, ist auf den ersten Blick nicht leicht festzustellen. Immer wieder wirft er im Gespräch seiner Frau aufmunternde Blicke zu, lädt sie ein, sich am Gespräch zu beteiligen, erzählt sichtlich stolz von seinen beiden Kindern, einem Sohn und einer Tochter.
Aber er wird auch sofort nachdenklich, wenn er nach deutschen Eigenschaften gefragt wird, die er gerne importieren würde. "Pünktlichkeit" kommt es schnell und das scheint eine Eigenschaft zu sein, die dem gemeinen Inder nicht gerade auf den Leib geschrieben ist. "Und auch Eure Sauberkeit," setzt er nach und beklagt den laschen Umgang seiner Landsleute mit dem Thema.
Und die Armut, die es in Teilen Indiens zweifelsohne gibt? Er und seine Frau würden von ihrem Wohlstand nach Kräften abgeben, sagt er. "Es ärgert mich, dass Menschen auf der Welt für eine Gucci-Tasche 500 Euro bezahlen und mit der gleichen Summe an anderer Stelle Menschen viele Monate leben könnten. Das ist ein Ungleichgewicht, das wir bekämpfen müssen."
Und wie er da so sitzt, so stolz, so klar, da will man es ihm auch glauben, dass er Erfolg nicht nur über eine Gewinnmaximierung definiert.
Ram Ramakrishnan fühlt sich offensichtlich als Weltbürger, der noch ziemlich viele Aufgaben vor der Brust hat. In seinem eigenen Land und in den Ländern, die Kontakt zu ihm suchen.
Aber fast hätte er am Ende noch etwas ziemlich Wichtiges vergessen. Am 5. und 8. August sind ihm unmittelbar hintereinander zwei "Hole in one", also das Versenken des Golfballs mit nur einem einzigen Schlag gelungen. Irgendwie scheint er im Moment durch und durch auf einer Erfolgsspur zu sein.
(7. Oktober 2006)
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