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Porträt

Patrick Bach

06.05.2010 | 11:32 Uhr

Wurde diesem Patrick Bach eigentlich die Schauspielerei in die Wiege gelegt? Hört sich im „Erstangriff“ wie eine einfache Frage an, ist aber am Ende doch hintersinniger als zunächst vermutet. Bach erinnert sich nämlich in diesem Moment an seine Großmutter, die ihn als Säugling schon gern „Papst Paule“ nannte.

Patrick Bach

Und nach ihrer Einschätzung zelebrierte ihr Papst Paule dann auch seine ersten Randale-Show-Auftritte, wenn er nur das Gefühl hatte, dass genügend Menschen um die Wiege herum stehen würden. Eigentlich wie im richtigen Schauspieler-Leben.

Kindheitserinnerungen also. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man den kleinen Patrick nur unzureichend beschreibt, wenn man „lebhaft“ sagen würde. Er selbst bezeichnet sich in der Rückschau eher als „schwierigen Schüler“. Er habe ständig etwas erzählt und sei unaufhaltsam in Bewegung gewesen, was schließlich dazu geführt habe, dass er zwei Jahre unmittelbar neben der Lehrerin am Pult gesessen habe. „Da hatte die mich eben etwas besser unter Kontrolle.“ Dabei sei er aber bei aller Quirligkeit gar nicht mal so ein Haudrauf gewesen. Eher noch lange furchtbar verspielt. „Ich glaube, die fanden das schon ein wenig komisch, dass ich noch in der Beobachtungsstufe des Gymnasiums meine Monchichi-Puppen vor mir auf dem Tisch stehen hatte. Die anderen hatten schließlich sonstwas in der Tasche, ich meine Puppen.“

So kann man wohl nur erahnen, was es für den Schüler der 7. Klasse bedeutete, für die Rolle des „Silas“ ausgewählt worden zu sein. Was ja, glaubt man seinen Worten, ohnehin „eher durch Zufall“ passierte. Seine Mutter sei in der damaligen Zeit Regieassistentin in Hamburg gewesen und hätte an einem Abend die „Silas“-Produzenten mit nach Hause gebracht. Eigentlich habe man sich gemeinsam im Hause Bach ein Fußballspiel ansehen wollen, doch die Fernsehleute hätten am Ende nur Augen für den Jungen gehabt. „Ich glaube, ich habe das Spiel irgendwie auf meine etwas spezielle Art kommentiert“, sagt Patrick Back, und wer ihn jetzt mit inzwischen 42 Jahren erlebt, kann sich gut vorstellen, was die Männer im Wohnzimmer so fasziniert hat. Patrick Bach redet ohne Punkt und Komma, ist bei jedem Thema blitzschnell auf Ball- und Augenhöhe, scheint die Sprungkraft einer gedopten Antilope zu haben und mehr Hummeln im Hintern, als ein Imker Bienen im Korb.

Erst habe seine Mutter als Insiderin ja noch gezögert, dann dem 13-Jährigen aber doch auf Drängen der Produzenten die Einwilligung gegeben, sagt Patrick Bach und antwortet auf die Frage, ob er denn damals schon eigentlich das Rüstzeug zu einem Schauspieler gehabt habe, ziemlich kernig: „Also eine Basis an Grund-Beklopptheit habe ich wohl immer schon gehabt.“ Aber ein Leben als Feuerwehrmann oder Rennfahrer hätte er sich zu diesem Zeitpunkt allerdings auch gut vorstellen können.

Nur der Vollständigkeit halber und für Serien-Laien: „Silas“ war im Jahre 1981 die dritte so genannte Weihnachtsserie des ZDF nach einem Roman von Cecil Boedker. Das Besondere an diesen mehrteiligen Serien war, dass sie für die damalige Zeit Kultcharakter hatten und sich durchaus das Prädikat „Straßenfeger“ verdienten. Und so eben auch „Silas“, die Geschichte von dem Jungen, der als Kleinkind an einen Wanderzirkus verkauft wurde, dem später die Flucht gelang und der mit seiner keck-forschen Art jede Menge Abenteuer zu bestehen hatte.

Und wie ist er mit dem plötzlichen Star-Rummel um seine noch recht kindliche Person klar gekommen? „Irgendwie habe ich das gar nicht sonderlich zur Kenntnis genommen. Ich wollte ja viel lieber draußen mit meinen Freunden spielen.“ Eher gelassen oder belustigt habe er deshalb auch darauf reagiert, als die „BRAVO“ die komplette Adresse der Familie als Fananschrift gedruckt hätte. „Da kamen nicht nur Unmengen Leute plötzlich zu uns in den Garten, sondern jeden Tag wurde auch ein Sack mit rund 2000 Briefen abgegeben. Bis der Postbote irgendwann gesagt hat, er sei das endgültig leid - und wir sollten uns den Sack gefälligst selbst bei der Post abholen.“ Das erzählt er so unaufgeregt, wie andere Leute vom letzten Toilettenbesuch. Ob es ihn wenigstens etwas mehr aufgewühlt hat, dass er 1982 (also mit zarten 14 Jahren) sogar einen „Bambi“ für „Silas“ verliehen bekam, lässt sich wohl heute auch nicht mehr abschließend feststellen. So richtig scheint es Patrick Bach immer noch nicht auf das Gerummel um die Leinwand- und Mattscheiben-Protagonisten abgesehen zu haben.

Wechseln wir also lieber wieder in die heutige Zeit. In Hamburg ist Patrick Bach aufgewachsen, in Hamburg wohnt der zweifache Vater auch heute noch. „Ich könnte mir gar nicht vorstellen, von hier wegzugehen“, sagt er und fügt hinzu, „dass er inzwischen ohnehin ja am liebsten Zuhause sei.“ Beruflich habe er so viel von der Welt gesehen, habe für „Klinik unter Palmen“ oder für das ZDF-Traumschiff an Orten drehen dürfen, an denen andere Menschen vielleicht gerade mal ein paar Tage Urlaub machen würden „Das brauche ich also nicht mehr“, gibt er sich überraschend abgeklärt und grundsolide: „Meine Familie ist mir jetzt wichtiger.“ Dabei lässt er einen kleinen Einblick zu, wie es bei Bachs zugeht, wenn der Papa mit von der elterlich-häuslichen Partie ist. Da seine Kinder offenbar in Teilen seine Wimmel-Gene haben, scheint ordentlich Stimmung in der Bude zu sein. „Ich könnte mich immer amüsieren, wenn Eltern sagen, sie hätten ein lebhaftes Kind. Dann sage ich, ob sie da vorn den Jungen meinten, der gerade mit Lego spiele. Und dann sage ich noch, sie sollten mal zu uns kommen und sich unsere eher ‚italienischen Verhältnisse’ betrachten.“

Vertrauen

Mit seinem Verhältnis zur Erziehung ist Patrick ohne Zweifel im Reinen. Schon aus eigenem Erleben heraus. Ganz zu Beginn des Gesprächs hatte er schon erzählt, dass er selbst ja ein Scheidungskind sei. Die eheliche Trennung der Eltern erfolgte, als er 16 Jahre alt war. Bach vermittelt allerdings nicht den Eindruck, dass dadurch allzu tiefe Wunden in die Teenager-Seele geschlagen worden sind. Allerdings besteht auch bei diesem Gespräch ein kleines Rest-Risiko, dass eine gewisse Erfahrung im Umgang mit Medien dem Schauspieler einen recht durchdachten Antwort-Weg vorzugeben scheint. Aber irgendwie kommt es dann vermutlich doch aus dem Innern, wenn er sagt, dass er nun mal gar keine Probleme mit der Pubertät gehabt hätte, weil die bei ihm irgendwie nicht stattgefunden habe. Und was es dennoch dazu zu besprechen geben hätte, habe er dann eben mit seiner Mutter offen und ehrlich besprochen. So einfach kann das sein. „Ich gehörte nun mal nicht zu denen, die in ihren Eltern den natürlichen Feind gesehen haben“. Er habe eine Erziehung genossen, „die auf Verständnis und Vertrauen basierte. Und genau das versuche ich meinen Kindern heute auch weiterzugeben. Dass es unter dem Strich die größeren Freiheiten mit sich bringt, wenn man sich an Spielregeln hält.“

Was in der Bach’schen Erlebens- und Erziehungswelt übrigens auch den Umgang mit Drogen einschließt. „Da wollte ich noch nie etwas mit zu tun haben. Ich gehörte noch nie zu den Leuten, die sich die LSD-Pille einschmeißen und dann glauben, irgendwelche hochgradig kreativen Schübe zu bekommen. Das ist nur Mist!“

Reden wir lieber über Sport. Sofort kommt eine lange Liste: Fußball, Tennis, Squash, Badminton, Skifahren und Tauchen. „Für Silas habe ich damals sogar auch das Reiten gelernt.“ All diese Sportarten macht er irgendwie aus reinem Spaß, einen wirklich harten Kampf um den Erhalt seiner Kraft und Figur habe er nicht führen müsse. „Ich bin ja eigentlich ein wirklicher Genussmensch, aber auch gleichzeitig mit einer guten Verbrennung gesegnet. Aber etwas Disziplin muss eben doch sein, auch wenn das Kasteien mit zunehmenden Jahren immer schwerer fällt.“ Kurze Nachfrage: Muss es beim Genussmenschen auf dem Teller denn immer nur piekfein zugehen? „Ach was, wo das, was ich esse, hinkommt, ist es dunkel. Da darf es schon mal rustikal sein.

Zurück zum Leben an sich: Man darf sich eben auch nicht hängen lassen. „Es gibt ja Kollegen, die fallen sofort in eine tiefe Depression oder in eine lethargische Ruhe, wenn mal die Angebote ausbleiben. Sagen: ‚Shit, jetzt ist mein Leben vorbei’.“ So liefe das bei ihm allerdings nicht. Natürlich gebe es immer mal wieder komplizierte Phasen, aber deshalb müsse man nicht panisch reagieren. Und sich zum Beispiel für RTL in den Dschungel begeben. „Das ist mir angeboten worden, aber das wäre wirklich die letzte Instanz.“ Wenn vor der Kamera eine Zeitlang Flaute ist, dann wird eben umso intensiver im Synchron-Studio gearbeitet.

Apropos „letzte Instanz“: Was sollen die Menschen einmal über Patrick Bach sagen? Nach etwas Überlegung: „Nicht schlecht, dass man meinen Namen über Generationen im Gedächtnis behalten hat.“

Vielleicht eine letzte Frage: Wie muss man eigentlich Sternzeichen-mäßig drauf sein, um so zu sein Patrick Back. „Klare Sache. Widder, Aszendent Steinbock. Der Widder will mit dem Kopf durch die Wand und redet schneller, als er denkt. Und der Steinbock ist deutlich diplomatischer und kann auch mit Geld umgehen. Das passt doch ganz gut.“

So richtige Probleme scheint es im Leben des Patrick also nicht zu geben. Weil er so herrlich unkompliziert ist? Jetzt knüttert er sogar zum Schluss noch etwas rum. Er wolle ja gar nicht immer unkompliziert sein. Er würde sich sogar manchmal anstrengen, etwas knatschiger zu sein. „Wenn du immer nur lächelst, denken die Leute, die könnten alles mit dir machen. Und das ist doch wohl auch nix.“

Beleuchtet von Thomas Reunert (Text) und Michael May (Bild)

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