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Porträt

Nelson Müller

24.03.2010 | 16:52 Uhr

Was kredenzt man einem Gourmetkoch? Einen feinen Kaffee, einen leckeren Tee? Weit gefehlt: Fernsehkoch Nelson Müller bat beim Interview im Wichelhovenhaus um heißes Wasser.

Nelson Müller.

Des Rätsels Lösung: Der Mann war erkältet, seine Assistentin zauberte ein Tütchen „Heiße Zitrone” hervor.

Er ist sehr selbstbewusst. Kräftig, sportlich, gut aussehend. „Der geht seinen Weg”, denkt man irgendwie automatisch. Die Assistentin denkt das sowieso, lässt ihren smarten Chef keine Sekunde aus den Augen. Dabei kann der gut auf sich selbst aufpassen: „Das ist mir zu privat”, verbietet er sich einige Fragen, etwa, warum er bei einer deutschen Pflegefamilie in Süddeutschland aufwuchs.

Also etwas Unverfänglicheres. Ja, die Eltern hätten damals, 1979 in Ghana, schon an Nelson Mandela gedacht, als sie ihm seinen Namen gaben. Die Eltern (der Vater arbeitete früher an einer Botschaft in Rom) leben heute in London, betreiben einen Großhandel für afrikanische und karibische Lebensmittel. Die Mutter koche gern. Nelson Müller sei aber eigentlich zum Kochen über seine Pflegefamilie, deren Nachnamen er auch trägt, gekommen. Essen sei dort Teil der Lebenskultur gewesen. Der Vater („Wenn ich Vater sage, meine ich meinen Pflegevater.”) stammte vom Bauernhof, liebte das ländliche Leben. Nelson half als Kind im Garten, zog Johannisbeeren und Zucchini, das Gemüse wurde dann in der Küche verwendet. Eine „starke Naturverbundenheit” habe er seitdem. Selbst in Essen, wo er heute lebt, hat er schöne Ecken zum Wandern gefunden.

„Wenn ich was mache, dann bin ich ehrgeizig”, sagt Nelson Müller. Und was er alles macht! Aber der Reihe nach: Als Jugendlicher spielte er begeistert und gut Handball, es gab Überlegungen, eine Profi-Karriere zu beginnen. „Aber ich hatte andere Dinge im Kopf.” Er konzentrierte sich als Jugendlicher einerseits auf Parties, andereseits auf eine neu entdeckte Leidenschaft: das Kochen. Bei einem Kochpraktikum in einem Gourmetrestaurant packte es Nelson Müller: „Ich fand die wilden Köche toll!” Das rauhe Küchenklima, die Hitze, das Dekorieren der Teller: „Das war Punk und Rock'n'roll”. Er machte eine Ausbildung zum Koch - bei Sternekoch Holger Bodendorf auf Sylt, später war er bei Lutz Niemann und Henri Bach in Essen tätig.

Zusätzlich zum Handballspielen und Kochen gab es aber noch eine Leidenschaft: die Musik. Als Kind hörte er Bob Marley, lernte Gitarre und Flöte, auch bei den Pfadfindern wurde Musik großgeschrieben. Als Jugendlicher hatte es ihm vor allem HipHop angetan, „Die Fantastischen Vier” und „Freundeskreis” beeindruckten ihn. „Seitdem hat mich diese Musik nicht mehr losgelassen.” Rap weckte ebenfalls sein Interesse, bald schrieb er Texte und komponierte mit seiner Gitarre. „Dann habe ich mich vom Rap zum Gesang entwickelt”, erklärt Nelson Müller. Wie das? Er lernte vor einigen Jahren einen Opernsänger kennen, nahm Unterricht. Seine Stimme sei aber nur ansatzweise ausgebildet.

Nelson Müller gründete „Nelson + Band”, eine Gruppe, die allerdings nicht mehr existiert. Zurzeit ist er Sänger bei der „Jim-Rockford-Band”, die unter anderem Soul- und Funk-Lieder covert, aber auch mal eigene Songs spielt. Mit der Band geht Müller auch auf Tournee.

Das lässt sich nicht immer gut mit dem Beruf eines Gourmetkochs vereinbaren. Deshalb verließ er den Kochberuf auch erst einmal für ein Jahr, machte Musik und organisierte Veranstaltungen beim Essener Grillo-Theater. Doch irgendwann vermisste er das Kochen, organisierte im Restaurant einer Freundin eine „Musik-Koch-Veranstaltung”, über die eine Zeitung berichtete - und auf einmal war er Fernsehkoch in der WDR-Reihe „Die rote Schürze”. Ein Casting bei „Kerner” folgte, wo er einmal den Kochlöffel schwang, bei „Lanz” tat er dies schon öfter. Und mittlerweile sitzt Nelson Müller in der Jury der ZDF-Sendung „Die Küchenschlacht”.

Damit nicht genug, seit September nennt Nelson Müller das Essener Restaurant „Schote” sein Eigen. „Das hatte vorher schon einen guten Ruf, darauf konnte ich aufbauen”, erzählt er. Zehn Mitarbeiter hat er, ist aber auch „fast jeden Abend” selbst im Restaurant anzutreffen. Eine kleine, feine Karte mit zwei Menüs und einigen Zwischengerichten gibt es, alle zwei Monate wird die Karte komplett ausgewechselt. Er habe sehr viel zu tun, aber „es macht Spaß”. Nebenher betreibt er mit einem Team auch noch eine Kochschule namens „Food & Flavour”, veranstaltet Events, Kochkurse und Parties. Zwei bis drei Veranstaltungen pro Woche sind die Norm.

Trotzdem - das ist immer noch nicht alles, was Nelson Müller macht. Er boxt auch noch, das hält ihn fit. Und natürlich hat er da auch schon ein erfolgversprechendes Konzept, will die Idee „Foodfighter” umsetzen: erst Boxtraining, dann Ernährungsberatung und Kochkurs. „Das ist ganz neu.”

Ein weiterer Versuch, sich dem Menschen hinter dem erfolgreichen Geschäftsmann zu nähern: Was für ein Gericht würde er denn für eine Frau kochen, in die er verliebt ist? Darüber habe er schon oft mit Kollegen gesprochen, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen. Kein Fisch, kein Fleisch: „Viele Frauen sind doch Vegetarier.” Fettnäpfchen vermeidet man also am besten mit Pasta. „Das ist unkompliziert, setzt einen nicht unter Druck. Und zudem ist es so italienisch.” Selbstgemachte Ravioli mit Ricotta, Rucola-Pesto oder selbstgemachte Tomatensauce - der Koch gerät ins Schwärmen.

Und was ist sein persönliches Lieblingsgericht? „Die deutschen Klassiker”, überrascht Müller. Eintöpfe, Dampfnudeln, Schnitzel: „Diese Gerichte fürs Herz, die Mama gekocht hat. Soulfood.” Dabei würde er immer einen liebevollen Klatsch und eine Umarmung seiner bayerischen Tanten spüren, wird Nelson Müller plötzlich sentimental. „Eigentlich ist das Leben ganz einfach. Die Natur ist wunderschön und einfach. Eine gekochte Kartoffel mit Meersalz und Butter, das ist schon was.” Dahin ginge auch beim Kochen der Trend. „Man sieht doch auch wieder Currywurst auf Veranstaltungen. Dreierlei gestapelte Häppchen mit diesem auf jenem - davon haben die Leute doch die Schnauze voll!” Produkte aus der Region fachgerecht verarbeiten, das sei wichtig: „nicht übertreiben, nicht verhunzen”. Diese „Bodenständigkeit mit Graupensuppe” erlebe er oft im Ruhrgebiet. „Trotz der vielen Kochsendungen im Fernsehen wird nicht unbedingt frischer gekocht”, kritisiert er. Auch, dass Familien gemeinsam esssen würden, fehle vielfach.

Gourmetkoch, Sänger, Handballer, Boxer, Naturliebhaber: Nelson Müller zeigte im Interview viele Facetten. Und doch hat man das Gefühl, dass man noch längst nicht alle Seiten seiner Persönlichkeit kennt. Also der Direktangriff: Wie er sich denn selbst so beschreiben würde? Na, das sei schwierig, Müller grübelt. Und fasst zusammen: Sternzeichen Wassermann sei er, also sehr freiheitsliebend. Er habe Sinn für Gerechtigkeit, sei weltoffen, lege aber viel Wert auf „traditionelle, deutsche Werte” wie Fleiß, Ehrgeiz und Pünktlichkeit. „Mir gefällt das Streben nach Perfektion.” Auch wenn er bei der Pünktlichkeit eher Afrikaner sei.

Beleuchtet von Katja Hofbauer (Text) und Michael May (Foto)

Kommentare
01.12.2010
14:32
Nelson Müller
von Sucram Yrreb | #3

Wo sind meine Plus-Zeichen? Die Gleichung funktioniert doch nicht ohne Plus-Zeichen.... ^^

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Nelson Müller
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http://www.derwesten.de/ikz/ikz-start/ins-licht-gesetzt/nelson-mueller-id2780584.html
2010-03-24 16:52
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