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Porträt

Holm Roch

24.05.2011 | 15:40 Uhr

Heute mal anders herum: Heute stelle ich die Fragen an Dr. Holm Roch, der mich selbst in seiner Reihe „Menschen in unserer Stadt“ porträtierte und dafür im Gutenbergzimmer des Wichelhovenhauses interviewte.

Holm Roch

In 13 Jahren produzierte der passionierte Bürgerfunker Dr. Holm Roch 150 Sendungen, und stellte darin einmal im Monat Iserlohnerinnen und Iserlohner vor, die selten oder nie in der Öffentlichkeit standen. Die Besonderheit war, dass er seine Interviewpartner nicht im Studio des Fördervereins Lokalfunk aufsuchte, sondern entweder zu Hause oder am Arbeitsplatz.

Wir sitzen wieder im Konferenzzimmer des Wichelhovenhauses mit dem Unterschied, dass er sein Aufnahmegerät nur für das Foto mitgebracht hat, während ich ihm die Fragen zur Person Holm Roch stelle. Als ehrenamtlicher Bürgerfunker hat er eine Menge an interessanten Persönlichkeiten kennen gelernt und vorgestellt. Menschen unserer Stadt mit ihren Themen, Sorgen, Ängsten und Hoffnungen. Von der Idee bis zur Sendung hat er alles selbst in die Hand genommen, Recherche, Moderation, Aufnahme, Musikauswahl und Schnittbearbeitung bis zur Abgabe bei Radio MK.

Mit der Reihe „Menschen in unserer Stadt“ stellte er Personen vor, die alle zusammen den „Reichtum“ unserer Stadt ausmachen: „Alte und Junge, Deutsche und Ausländer, Behinderte und Nicht-Behinderte, Menschen mit besonderen Begabungen, wie jene Iserlohnerin, die Dudelsack spielt (eine ausgesprochene Männerdomäne!), oder jenen Iserlohner, der Musik macht, indem er mit Löffeln auf seinem Körper trommelt.“ Oft nutze er die Sendung, um neben dem Menschen auch ein Projekt vorzustellen: „Es überrascht immer wieder, wie viele soziale und kulturelle Projekte es in einer Stadt wie Iserlohn gibt: Da unterstützt eine kleine Gruppe ein Kinderkrankenhaus in Weißrussland, andere geben eine Blindenzeitung auf Tonkassetten heraus.“

Eine seiner außergewöhnlichsten Aufnahmesituationen war, als er mit Dr. Theo Bergenthal über die Kunst am Stadtbahnhof sprach: „Dr. Bergenthal ereifert sich über das Banausentum in Iserlohn, dass man Tony Cragg nicht in unserer Stadt haben will. Im Hintergrund wettern die Götter. Und unterm Tisch machte sein Hund so lange Theater, bis er rausgeworfen wurde.“ Wenn man genau hinhört, ist seine Herkunft aus Sachsen unverkennbar. Der 1938 in Leipzig geborene Holm Roch erzählt von seiner frühen Leidenschaft für das Medium Hörfunk: „Schon als Kind wollte ich Kinderfunk machen. Am liebsten wäre ich Toningenieur geworden. Aber dazu hätte ich zwei Instrumente beherrschen müssen. Und ich bin ziemlich unmusikalisch. Also wurde aus diesem Berufswunsch nichts, und ich habe dann eine ganz andere berufliche Richtung eingeschlagen, habe Theologie studiert und bin Pfarrer geworden“, berichtet der Radio-Enthusiast. „Ich habe viel Zeit vor dem Radio verbracht. Als es später auf den Ruhestand zuging, habe ich Kontakt zum Bürgerradio gefunden.“

Dr. Holm Roch war lange in der Familienbildung der Westfälischen Landeskirche aktiv. „Dort bin ich auch auf den Förderverein Lokalfunk gestoßen. Dort konnte ich die Begeisterung aus Kindertagen endlich befriedigen und Radio für jedermann machen.“ Dr. Holm Roch engagierte sich viele Jahre als FÖLOK-Geschäftsführer und als Vertreter der Veranstaltergemeinschaft von Radio MK.

Dr. Roch arbeitete zehn Jahre im Schuldienst und besitzt eine große Sammlung aus Schulfunksendungen und eine ständig wachsende Sammlung von Hörspielen.

Er verlebte seine Kindheit während des Krieges und in der Nachkriegszeit im kleinbürgerlichen Beamtenmilieu in Leipzig. Nach dem Abitur hatte er zunächst an einer Ingenieurschule Polygraphie mit dem Schwerpunkt auf Reproduktionsfotografie studiert. „Beim Retouchieren musste ich fleißig zeichnen“, erinnert er sich. Dieses besondere Talent kultivierte er in vielen Jahrzehnten.

Seit seiner Jugend engagierte sich Holm Roch in der kirchlichen Jugendarbeit. Im Alter von 20 Jahren floh er in den Westen und wurde als politischer Flüchtling anerkannt. Er fühlte sich aber nie als ein „richtiger Wessi“, eher als „ein Zwischenwesen“.

Er studierte Theologie in Bonn und Mainz und promovierte dann an der Ruhr-Universität in Bochum zum Thema „Naive Frömmigkeit der Gegenwart. Eine kritische Untersuchung der Schriften Werner Heukelbachs“ (Marburg 1969). „Ich habe aber nicht abgeschrieben“, betont Dr. Roch mit Blick auf den jetzt entlarvten Plagiator zu Guttenberg.

Holm Roch arbeitete zunächst als Gemeindepfarrer in Essen, wo er ähnliche Plattenbauten wie im Osten der Republik vorfand. Nächste Station war von 1976 bis 1986 Koblenz: Dort hatte er zwei Stellen, eine halbe als Studentenpfarrer und eine halbe als Schulpfarrer bzw. Religionslehrer an einem Gymnasium. Ab 1986 übernahm er bei der Westfälischen Landeskirche eine neue Herausforderung als landeskirchlicher Pfarrer für Familienbildung. Daneben nahm er einen Lehrauftrag für Sozialphilosophie und Sozialethik an der Evangelischen Fachhochschule in Bochum an. Das war mit einer starken Reisetätigkeit im Land verbunden. Dr. Holm Roch arbeitete von 1996 bis 2001 in der Erwachsenenbildung des Kirchenkreises und machte Bildungsprogramme für Eltern- und Kindgruppen. Das ist auch ein Feld, was ihn besonders mit seiner Frau Erika verbindet, die er übrigens beim Eishockeyspiel in Bad Nauheim kennen lernte. Die Gemeindepädagogin ist Mitbegründerin des Prager-Eltern-Kind-Programms – ein Konzept für die Gruppenarbeit mit Eltern und ihren Kindern im ersten Lebensjahr. „Es ist schön, mit jemanden zusammenzuleben, wenn es auch eine berufliche Verbindung gibt“, erzählt der Herr Pastor mit Nachdruck. „Das ist wie eine Arbeitsgemeinschaft.“

Sie betreibt mit ihrem Mann einen kleinen „Verlag für die ganz kleinen Menschenkinder und ihre Eltern“. „Ein Pfarrer darf kein Gewerbe haben. Es ist eine Briefkastenfirma“, erklärt er, dass er schon lange eine Nähe zu Gedrucktem und zur Grafik besitzt. Hier erschien auch sein Büchlein „Mit Familien unterwegs. Freizeiten erfolgreich planen und durchführen“, Broschüren über Spiele und Bewegungen für Familien mit Kindern und Kalender mit Zeichnungen. Im Eigenverlag ist zudem seine fachliche Anleitung „Praxisbericht aus der Arbeit des Bürgerradios“ erschienen.

Seit zehn Jahren ist Dr. Holm Roch im Ruhestand, der für ihn immer noch eine Menge Aktivitäten auf vielen Feldern bereithält. Der heute 72-jährige Pfarrer engagiert sich seit 2005 im Seniorenbeirat für die Belange der älteren Menschen: „Das ist mir wichtig, etwas für das Gemeinwesen zu tun.“ Seine Schwerpunkte sind die seniorengerechte Stadt, der Verbraucherschutz und die Seniorenzeitung. Roch ist auch Mitglied im Redaktionsteam der Bunten Iserlohner Seniorenseite (BISS) der Heimatzeitung und dort beliebt und bekannt für seine bissigen Cartoons und Kommentare. „Ich habe einen wohlwollend-bissigen Humor und kann herzhaft lachen. Das ist auch grundsätzlich wichtig im Beruf. Ich war als Kind schon gefürchtet für dumme Bemerkungen“, verrät er mit einem breiten Grinsen. Und setzt selbstkritisch hinzu: „Diese Bissigkeit hat mit dem Alter zugenommen. Das musste ich als Pfarrer unterdrücken.“

Satirisch-ironische Texte verfasst der Iserlohner außerdem in seinem täglichen Tagebuch im Internet. „Jeden Morgen nach dem Frühstück schreibe ich meine Gedanken zum Tage auf. Dann habe ich schon früh etwas Kreatives getan.“ Und seine kurzen Texte sind ganz besonders lesenswert. „Das Weitschweifige ist nicht meine Sache. Ich habe schon in der Schule immer kurze Aufsätze geschrieben. Sie waren so kurz, dass ich fast bei der Mittleren Reife durchgefallen wäre. Das kurz angebundene, das ist Teil meiner Person.“

Beleuchtet von Cornelia Merkel (Text) und Michael May (Foto)

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