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Weihnachten verändert sein Gesicht

15.12.2011 | 17:37 Uhr
Weihnachten verändert sein Gesicht
Ein Miet-Weihnachtsmann mit Kostüm und Echthaarperücke. Foto: Norbert Millhauer/DAPD

Nur noch ein paar Tage bis zum Heiligabend. Die Menschen eilen durch die beleuchteten Straßen und Geschäfte. Habe ich alles? Die letzten Geschenke gekauft, die Gans bestellt und den Braten beim Metzger? Viele haben einen kleinen Marathonlauf vor sich um den Einkaufszettel abzuarbeiten. Dabei fängt das Weihnachtsspektakel schon im August an. Spekulatius und Weihnachtsdeko liegen bereit, letzteres als immer bunter werdender Kitsch aus Asien. Spitzenreiter in dieser Kategorie ist ein „weißer Plastikbaum“ in einem Iserlohner Kaufhaus, der mit grellbunten Kugeln und Figuren behängt ist. „Merry Christmas“, Amerika lässt grüßen. Den Sankt Nikolaus hat das Coca-Cola-Imperium schon zum „Weihnachtsmann“ degradiert und das Christkind zur Fantasiefigur. Bei einer Umfrage, „Warum feiern wir das Weihnachtsfest?“, kamen erschreckende Antworten heraus: Die viel gepriesene deutsche Weihnacht wird so langsam zum Auslaufmodell.

Glücklicherweise gibt es aber noch Orte, besonders im ländlichen Bereich, die den Sinn des Weihnachtsfestes in Krippenspielen und feierlichen Konzerten verbreiten. In Kindergärten und Grundschulen sind die Kinder noch mit Freude dabei. Kirchen und Hilfsorganisationen sammeln für die Bedürftigen dieser Welt. Die Helfer vor Ort sind für diese Menschen wie ein Geschenk des Himmels. Sie sehen mit eigenen Augen was das Wort „Brot“ für sie bedeutet. Auf dem Parkett der Eitelkeiten sonnen sich viele Gut-betuchte um bei einer Spendengala zu glänzen. Da ist der eine Euro, gespendet von Menschen mit kleinem Einkommen viel mehr wert, da er von Herzen kommt.

In unserer Wohlstandsgesellschaft steht das „Wollen und Haben“ an erster Stelle, während für viele Mitmenschen das „Wünschen und Hoffen“ bleibt. Wo bleibt der Zauber der Weihnacht, wenn schon viele Wochen vor dem Fest der Weihnachtsbaum leuchtet und die Werbung immer mehr Kinderwünsche weckt? Dabei gibt es die größten Geschenke für die Familie zum Nulltarif: Geborgenheit, Zeit zum Zuhören und Erzählen, sowie Liebe und Verständnis. In Erinnerung an viele bescheidene, aber zauberhafte Weihnachten meiner Kindheit, wünsche ich allen Lesern ein zufriedenes und schönes Weihnachtsfest.

Erika Reichel

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