Untergrüner Schmiedekunst
17.11.2010 | 19:03 Uhr 2010-11-17T19:03:00+0100
Iserlohn.Es war purer Zufall, dass wir die Untergrüner Straße entlang fuhren. Wie’s halt so kommt. Aber als wir nun schon mal da waren, wollte ich vor unserem Duisburger Besuch mit den Schmiedearbeiten von Eduard Balbach angeben.
„Nach so was muss man lange suchen“, protzte ich. Der Sonntag war sonnig (machte dem Namen alle Ehre) und Wixberg und Hegenscheid waren abgearbeitet. Nun durch die Untergrüne nach Hause, beim Schmiedekünstler vorbei. „Halt doch einfach mal an, Schatz“, empfahl meine Frau, die immer gute Ideen hat, liebevoll. Rangefahren, ausgestiegen und sich vorsichtig umgesehen. Auf fremdem Grundstück ist höfliches Abwarten gefragt.
Es dauerte auch nicht lange und der russische Teddybär kam uns entgegen, mit krausem Bart, strubbeligem Haar und bloßem Oberkörper (na und!?). Lachend. Das Eis war sofort gebrochen. Natürlich kannte ich ihn, leider bisher nicht persönlich. Ob wir denn mal bitteschön … die wunderbaren Schmiedearbeiten … „Na klar“, meinte Ede, wie er sich selber nennt, und schon hatte er den Schlüssel in der Hand.
Die kleine Kapelle ist ein Traum. Und Eduard Balbach, dieser tiefgläubige Mensch mit enormer Ausstrahlung, die sich in seinen Schmiedearbeiten wiederspiegelt, erzählte. Es störte ihn scheinbar nicht, dass wir unangemeldet seinen Sonntagnachmittag in Beschlag nahmen. Das alles hier wiederzugeben würde diese Kolumne sprengen, das sollte sich jeder selbst anschauen. In dieser Kapelle, die für evangelische, katholische und russisch-orthodoxe Gläubige eingesegnet ist, wurden schon Ehen geschlossen.
Er redete, war nicht zu bremsen, und man sah, wie es ihn freute, Leuten, die er gar nicht kannte, die schmiedeeisernen Kunstwerke zu erklären. Schließlich sang er sogar noch für uns: Die 1. Strophe von „Heilig ist der Herr“ aus einer Schubert-Messe, und auf meinen Wunsch hin sogar noch „Das Glöckchen“ auf russisch. Eine spontane, unerwartete Begegnung, von der ich noch lange schöne Erinnerungen haben werde.
Übrigens … stets dran denken: Das Glas ist immer halbvoll, niemals halbleer.
Bis die Tage … Wolfram Cosmus
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