Ein berührender Film über Alzheimer
15.10.2010 | 20:17 Uhr 2010-10-15T20:17:00+0200
Iserlohn.In der Reihe Seniorenkino im CineStar lief der Film „An ihrer Seite” im Rahmen der Iserlohner Aktionswochen Demenz 2010.
Julie Christie (bekannt geworden als Lara in dem Klassiker „Dr. Schiwago“) spielt auf eine berührende und eindrucksvolle Weise eine etwa 70-jährige Frau, die an Alzheimer erkrankt. Sie gibt uns eine Ahnung, einen Ausschnitt von einer unheimlichen und unheilbaren Krankheit, die dem Menschen alles raubt, was ihn ursprünglich ausmacht: seine Persönlichkeit, seine Erinnerungen und sein Wissen.
Fiona ist seit 40 Jahren mit Grant (Gordeon Pinsent) verheiratet. Sie leben an einem See in einem idyllischen Haus und schnell zeigt sich, dass bei Fiona „etwas nicht stimmt”. Sie stellt die gespülte Bratpfanne in den Kühlschrank.
Im Schnelldurchlauf (und in wunderschönen Bildern) zeigt der kanadische Film vor allem die Veränderungen in der Beziehung zwischen zwei Menschen.
Man will — wie bei jeder schweren Krankheit — an der Seite des geliebten Menschen bleiben und ist doch genau genommen ewig weit weg von ihm, weil er gedanklich in einer anderen Welt lebt.
Noch im Besitz ihrer geistigen Kräfte beschließt Fiona, in ein spezielles Altenheim zu ziehen, bevor sie ihrem Mann zur Last wird.
Laut Heimregel darf ein neuer Bewohner die ersten 30 Tage keinen Besuch haben, um ihm die Eingewöhnung zu erleichtern. Nach dieser Zeit hat sich ihre Krankheit verschlechtert, und sie erkennt ihren Mann nicht mehr.
Diese Veränderung zu erleben, ist für den nicht erkrankten Partner eine Herausforderung und ein schwerer Weg, der zu gehen ist. Auch wenn der Film mit einem „Happy End” endet (Fiona erkennt ihren Mann wieder), wird das doch nur eine kurze Episode bleiben.
Beim Ehemann spürt man in allen Szenen die Ängste, seine Frau zu verlieren, und das nicht nur einmal . . .
Wenn man — nach vorsichtigen Schätzungen — davon ausgeht, dass allein in Iserlohn bis zu 1500 Menschen an einer Form der Demenz erkrankt sind, und wenn wir registrieren, dass die Menschen immer älter werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass die im Film geschilderte Problematik immer öfter in den realen Beziehungen auftauchen wird.
Hier werden Familienstrukturen, Selbsthilfegruppen und Gesprächskreise zu dieser Erkrankung immer wichtiger.
Grundlage des eindrucksvollen Spielfilms war übrigens die Kurzgeschichte „Der Bär kletterte über den Berg” von Alice Munro.
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