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Der Mann mit der Fliege

15.12.2011 | 17:15 Uhr
Der Mann mit der Fliege
Die goldene Eule für ehrenamtliches Engagement erhielt Friedhelm Arno Berthold von Katrin Brenner und Eva Kingreen. Foto: Wronski

Iserlohn/Hennen.Näher kennen gelernt habe ich Friedhelm Arno Berthold vor einigen Jahren, als ich mit ihm ein Interview für das Bür­gerradio machte.

Von der Außenaufnahme ins Studio zurückgekehrt, hörte ich mir das Ergebnis an und war verblüfft, denn die Aufnahme war übersteuert. Dieser Mann brachte mit seiner Stimme einen unglaublichen Schalldruck zustande.

Kein Wunder, wenn einer von Kindesbeinen an Blas­instrumente spielt! Aber auch sonst schien mein Gegenüber nicht gerade von der zimperlichen Sorte zu sein, sondern ein Mensch, der weiß, was er will und der sich damit auch durchsetzen kann.

In Hennen ist Friedhelm Arno Berthold so bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund”, und die Projekte und Aktionen, die er im Laufe der Jahre angestoßen hat „gehen auf keine Kuhhaut”. Sicher hat auch seine auffällige Erscheinung zur Bekanntheit beigetragen: Er trägt eine Fliege statt einer Krawatte.

Nun hat der Seniorenbeirat ihm die „Goldene Eule“ verliehen, als Dank und Anerkennung für sein langjähriges Engagement zugunsten seiner Mitbürger. Immer wieder hat Friedhelm Arno Berthold wichtige Funktionen im Gemeinwesen übernommen, beispielsweise als Vorsitzender des Heimat- und Kulturvereins und als Ortsheimatpfleger.

Er hat seine Kirchengemeinde über viele Jahre hinweg in der Kreissynode, im Kreissynodalvorstand und in der Landessynode der Westfälischen Kirche vertreten und vieles mehr.

Neben diesen langfristigen Aufgaben hat er sich um viele kleine Dinge gekümmert. Da muss beispielsweise ein Kirchenführer für die schöne, alte Johanneskirche in Hennen angefertigt werden – wer macht's? Herr Berthold. Oder es ist ein Interview für den Gemeindebrief zu führen – wer macht's? Herr Berthold. Die Aufzählung solcher „Kleinigkeiten“ ließe ich noch lange fortsetzen.

Die besondere Liebe von Friedhelm Arno Berthold gilt der Blasmusik. Vor über zehn Jahren hat er den „Ruhrtaler Rentner Posaunenchor” begründet und leitet ihn noch immer – mit nun bald 78 Jahren.

Zu diesem Rentner-Blasorchester gehören über 30 Männer und auch einige Frauen. Einmal im Monat treffen sie sich im Gemeindezentrum in Hennen, um miteinander zu musizieren. Die meisten dieser Musikanten sind deutlich über 60 Jahre alt, die älteste Teilnehmerin ist 84.

Auch die Instrumente überdecken eine weite Spanne von der Trompete und der Posaune übers Waldhorn und das Tenorhorn bis zum exotischen Euphonium. So eine gemischte Gruppe über viele Jahre zusammenzuhalten, das allein ist schon verdienstvoll genug. Die Mitglieder machen aber nicht nur für sich selbst Musik, sie gehen auch im Altersheime und Pflegeeinrichtungen, manchmal sogar in einen Kindergarten, um die Menschen dort mit ihrer Musik zu erfreuen. Eine vorbildliche Kombination von Eigeninteresse und Zuwendung zu anderen!

Eine Kostprobe seiner Leidenschaft gab Friedhelm Arno Berthold gleich nach der Preisverleihung, indem er eine Trompete aus dem mitgeführten Köfferchen holte und den gesamten Seniorenbeirat zum Mitsingen eines Adventsliedes aufforderte.

BISS gratuliert ihm herzlich zur Verleihung der Goldenen Eule. Dass sie ausgerechnet einen Tag nach dem „Tag des Ehrenamtes” verliehen wurde, war kein Zufall, sondern Absicht. Mit diesem Preis soll ja gerade das ehrenamtliche Engagement zugunsten von anderen gewürdigt werden.

Friedhelm Arno Berthold war nicht der einzige Kandidat für diese Ehrung. Insgesamt wurden zwölf Vorschläge für mögliche Preisträgerinnen und Preisträger eingereicht, und es war keine leichte Aufgabe, daraus einen einzelnen „Gewinner” auszuwählen. Schließlich ist jeder dieser Kandidaten mit guten Gründen vorgeschlagen worden.

Dass der Preis an Friedhelm Arno Berthold ging, sagt also wenig über die Verdienste der anderen Kandidaten, im Gegenteil: Die verschiedenen Vorschläge zeigen, auf welch unterschiedliche Weise und mit welch hohem persönlichem Einsatz Bürger und Bürgerinnen in Iserlohn für ältere Menschen ehrenamtlich tätig sind. Sie alle haben sich um unsere Stadt verdient gemacht und unseren Dank verdient.

Dass nur einer die „Goldene Eule“ gewinnen konnte, liegt in der Natur der Sache. Im nächsten Jahr wird es ein anderer sein.

Deshalb bittet der Seniorenbeirat alle, deren Vorschlag diesmal nicht zum Zuge gekommen ist, ihn im kommenden Jahr, wenn wieder eine „Goldene Eule” vergeben wird, zu wiederholen.

Holm Roch

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