Berlin ist eine Reise wert
17.11.2010 | 19:35 Uhr 2010-11-17T19:35:00+0100
Iserlohn. Seit geraumer Zeit sammle ich Glücksmomente. Sie erhellen den manchmal grauen Alltag auf angenehme Weise.
Kürzlich reiste ich im Zug mit anderen Iserlohner Gemeindemitgliedern zur Partnergemeinde Elias am Prenzlauer Berg in Berlin, um mit ihr das hundertjährige Bestehen zu feiern. Wir starteten in Hamm, weil von dort aus die Fahrt, was Zeit und Preis anging, am günstigsten war. Pünktlich --- 15 Minuten vor Abfahrt des IC --- trafen alle ein. Zwei Ehepaare waren stolz, einen Stellplatz auf dem Parkdeck gefunden zu haben. Doch an der Information mussten sie erfahren, dass am Sonntag, unserem Rückreisetag, der Zugang verschlossen sein würde. Nun war guter Rat teuer, denn in 12 Minuten einen neuen Parkplatz zu finden und die Autos umzusetzen, war nicht möglich. Da fiel mein Blick auf die große Anzeigetafel. Dort war zu lesen, dass der IC nach Berlin 15 Minuten Verspätung hat! Oftmals verärgert über die Verspätungen, konnten wir jetzt unser Glück kaum fassen! In Ruhe konnten wir die Autos umsetzen. Pünktlich trafen wir am Hauptbahnhof Berlin ein. Beim Aussteigen tat ich mich mit meinem Koffer etwas schwer. Das bemerkte ein junger Mann und bot sich freundlich an, mir den Koffer herauszureichen. Dankbar nahm ich das Angebot an. Welch ein Glück!
Weiter ging es mit der S-Bahn. Sie war zur Abendzeit rappelvoll. Mühsam suchte ich nach einem Halt. Das bemerkte ein aufmerksamer Mann, stand auf und bot mir mit einladender Geste seinen Sitzplatz an. Ich zögerte einen kleinen Moment, weil es ja heutzutage kaum noch üblich ist, für ältere Menschen aufzustehen. Dann nahm ich dankbar und freudig Platz und war so aus einer misslichen Lage befreit. Welch ein Glück!
Der Samstagvormittag stand zur freien Verfügung. Mit Ehemann und Tochter besuchte ich das frisch restaurierte, entzückende Schloss Schönhausen. Leider begann die Führung so spät, dass uns dafür keine Zeit blieb. Mit einem hörbaren Seufzer begab ich mich zum Ausgang. Die Aufsicht bemerkte es und sagte: „Kommen Sie, ich zeige Ihnen anhand des Planes, wie das Schloss jetzt aufgeteilt ist und welche Räume aus historischen Gründen so geblieben sind, wie die DDR-Regierung sie einst einrichtete, als sie das Schloss zu Repräsentationszwecken vierzig Jahre nutzte!“ So wurde der Besuch doch noch besonders schön! Welch ein Glück!
Wegen der knappen Zeit wollten wir das Mittagessen in einem Schnellimbiss (Verzeihung, ich muss ja wohl Fast-Food-Restaurant schreiben) einnehmen. Nur ein Zweiertisch war noch frei. Gerade wollten wir uns zum Gehen wenden, da sagt doch das junge Paar am Vierertisch nebenan: „Kommen Sie, wir tauschen!“ Beide schnappten sich Rucksack und Plastikbeutel und wechselten die Plätze. Wir waren bass erstaunt, dankten besonders herzlich und ließen uns freudig nieder: Trotz der knappen Zeit mussten wir nicht aufs Essen verzichten. Welch ein Glück!
Am Sonntagabend fuhren wir zurück, mit Sorge im Herzen, ob wir auf dem Hauptbahnhof mit den verschiedenen Bahnsteig-Ebenen und den unzähligen Gleisen unseren Zug erreichen würden. Aber wir wurden von vier Gemeindemitgliedern nicht nur sicher dorthin begleitet, sondern auch noch mit den entsprechenden Fahrkarten für Straßen- und S-Bahn versorgt. Welch ein Glück!
Als ich während der Rückfahrt noch einmal alles Revue passieren ließ, konnte ich freudig zustimmen: Berlin ist eine Reise wert! Nicht nur wegen seiner Sehenswürdigkeiten!
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