Aufregende Drehtage
01.04.2009 | 20:04 Uhr 2009-04-01T20:04:00+0200
Iserlohn/Schwerte. „Und bitte” - mehrere Male am Tag fiel dieser Begriff an verschiedenen Orten in Schwerte und Umgebung. Im Rahmen eines großen Projektes der Ruhrakademie wurden nämlich Filme gedreht. Acht Ultrakurzfilme mit je 100 Sekunden Laufzeit sind dabei entstanden.
ZEUS-Reporter Robin Uhlmann verfolgte das Treiben vor und hinter den Kameras.
Angefangen hat alles im November. Das dritte Semester Film/Regie sitzt noch nichts ahnend in der Vorlesung des Dozenten Daniel Walta. Nach mehreren Wochen voller Unterricht und Folien-Präsentationen entsteht der Plan für ein Großprojekt: komplett mit Kameraleuten, Beleuchtern, echten Filmkameras, Schauspielern und natürlich alles top durchgeplant. Für die Studenten, die sonst in weitaus kleineren Dimensionen kalkulieren mussten, eine riesige Gelegenheit.
Nachdem durch eine Schauspielübung entschieden wurde, welche acht Studenten die Regieposten kriegen werden, ging es an die konkrete Planung. Gemeinsam wurden Drehbücher geschrieben, Schauspielagenturen kontaktiert, Sponsoren gewonnen und Drehorte gesucht. Der Drehtermin Mitte Februar war schon festgesetzt und die Zeit wurde immer enger.
Dann war es endlich so weit: Am Vormittag des 8. Februar fiel die erste Klappe in der Sparkasse Schwerte. Der Film über einen etwas tollpatschigen Bankräuber läutete die intensive Drehwoche ein. Entgegen aller Erwartungen lief relativ wenig schief und man konnte direkt am ersten Drehtag auf ein großes Potenzial aller Beteiligten zurückgreifen. Die Motivation war bei allen Teilnehmern riesengroß und man war einfach froh und aufgeregt, Teil dieses Projektes sein zu können.
Tag 2: Dreh in der Ruhrakademie. Es wurde die Geschichte „Ringkampf” gedreht. Ein Mann verliert seinen Ehering während einer Pokerpartie beim Junggesellenabschied und bringt damit die anstehende Hochzeit in Gefahr. Schon hier machen sich erste Ausfall-Erscheinungen beim Filmteam breit: Für einige war die Nacht zu kurz. Dann auch noch Komplikationen am Set: Die Distanz zwischen Cateringbereich und Set macht sich bemerkbar wie auf einem großen Schulhof. Gerüchte machen die Runde.
Tag 3: Die Story: Ein Pater bereitet mit seinem Messdiener den anstehenden Gottesdienst vor. Der Junge erzählt dabei viel von seinem Elternhaus, und das ist alles mehr als verstörend. Geduldig hört der Pater zu, wird aber zunehmend gereizter. So die Geschichte „Der Tag, an dem Gandhi starb”. In der St. Marien Kirche in Schwerte wurde der dritte Film gedreht. Eine kleine Besonderheit am sonst eher unauffälligen Dreh war der Einsatz eines Kinderschauspielers. Aufgrund der Auflagen des Jugendamtes musste der Zeitplan straff eingehalten werden. Letztlich war auch dieser Dreh erfolgreich, wenn auch sehr stressig.
Tag 4: Weiter ging es mit den Kindern. Ein als Weihnachtsmann verkleideter Einbrecher wird auf seinem Beutezug von einem kleinen Mädchen, das nicht einschlafen kann, überrascht. Der Mann in rot muss nun erklären, warum er die Geschenke wegnimmt und nicht verteilt. Für diesen Film wurde Schwerte erstmals verlassen. In mühevoller Arbeit dekorierten die Studenten ein Musterhaus in Kamen zum klischeehaften Familienhaus zur Weihnachtszeit um.
Tag 5: Völlig auf Siebziger-Retro getrimmt war der fünfte Film. Am ersten Schultag öffnet ein Junge ganz stolz seine Schultüte, findet darin aber eine böse Überraschung. An der Schwerter Grundschule, die auch als Set diente, wurde in den Wochen vor dem Dreh auch ein Casting durchgeführt. Anstatt Kinderschauspieler zu nehmen, entschied man sich für Kinder aus der Schule. Die Wahl hat sich gelohnt, denn alle Zwerge, die im Film vorkommen, haben richtig gute Arbeit geleistet. Für eine Szene mit den Eltern wurde am Abend sogar in Iserlohn gedreht.
Tag 6: Erneut in einem Musterhaus in Kamen wurde „Harte Kost” aufgenommen. Während eines Abendessens bei einer kleinen, betuchteren Familie kommt plötzlich ungebetener Besuch ins Haus. Bis spät in die Nacht wurde gedreht und auch hier musste darauf geachtet werden, dass das Kind der Familie nicht zu lange am Set verweilt. Trotz aller Komplikationen, die beim Dreh auftraten, ist dennoch ein gutes Endprodukt dabei herumgekommen.
Tag 7: Nach einem Tag Pause (und das auch noch am Valentinstag!!!) ging es weiter mit der Geschichte einer alten Frau. Nach dem Aufstehen befindet sich ihre Tochter im Raum und will ihr Medizin geben. Doch es scheint, als würden sich die Personen gar nicht kennen. Gedreht wurde im Heim gegenüber des Schwerter Bahnhofs. Neben kleineren Allüren der Schauspieler kam auch noch ein Feueralarm hinzu. Plötzlich liefen Feuerwehrleute in voller Montur durch die Flure. Ein paar Zimmer weiter ist etwas angebrannt, und das löste den Alarm aus. Nach dem kurzen Schock konnte es dann aber weitergehen.
Tag 8: Der letzte Drehtag, und man konnte vollends ausgeschlafen ans Set kommen. Gefilmt wurde nämlich erst am Abend, dafür aber bis zum Morgengrauen. In der letzten Geschichte geht es um einen Polizisten, der nachts einen betrunkenen Fahrer anhält. Wie sich herausstellt, ist eben jener Fahrer aber der Sohn des Ordnungshüters. Für alle anwesenden Leute am Set war es leicht unangenehm, in der Kälte mit Regen zu drehen. Für die Dramaturgie hingegen war es ein absolutes Plus. Mit der letzten Klappe war es dann auch geschehen. Erleichtert wurde abgebaut, und dann ging's für alle Beteiligten ab nach Hause.
Acht Drehtage haben bei allen ihre Spuren hinterlassen, doch eigentlich sind alle froh, diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen. Denn so wird es später im Job aussehen. Nun haben die Studenten eine Ahnung, was sie erwartet. In den kommenden Wochen werden die Filme noch nachbearbeitet. Wenn im Sommer wieder zum Tag der offenen Tür an der Ruhrakademie eingeladen ist, kann man sich die kurzen Streifen zum ersten Mal öffentlich anschauen.
Um diesen Artikel jetzt im selben Stil zu beenden, wie er begonnen hat, greife ich auf das Kommando am Ende eines jeden Takes zurück: „Vielen Dank!”
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