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Zwölfjähriger Marius lebt nach Transplantation mit der Lunge von Mama und Papa

12.09.2012 | 18:38 Uhr
Zwölfjähriger Marius lebt nach Transplantation mit der Lunge von Mama und Papa
Vater Lars Schmidt während der Pressekonferenz der Medizinischen Hochschule Hannover neben seiner Frau Anja (v.l.), seinem Sohn Marius und seiner Tochter Nele. Foto: dapd

Hannover/Sauerland.  Dem zwölfjährigen Marius aus dem Sauerland wurden als erstem Menschen in Deutschland erfolgreich Lungenteile seiner Eltern implantiert. Für Lars und Anja Schmidt stand immer fest: „Wir wollen das. Es gab nicht den leisesten Zweifel. Wir sind stolz und froh, unserem Kind helfen zu können.“ Seine Chance, lange mit diesem Organ zu leben, ist groß.

In Deutschland ist zum ersten Mal erfolgreich eine Lunge von lebenden Spendern transplantiert worden. Ein heute zwölfjähriger Junge aus dem Hochsauerlandkreis erhielt von seinem Vater und seiner Mutter jeweils einen Lungenlappen. Knapp fünf Monate nach der bislang einmaligen Operation in Hannover geht es dem Jungen und seinen Eltern so gut wie nie zuvor. Seine Chance, lange mit diesem Organ zu leben, ist groß.

Freitag, der 13. Diesen Tag im April wird Anja Schmidt (42)* niemals vergessen. Mit einem Rettungshubschrauber hatten Ärzte ihren Sohn Marius (12) in eine Hannoveraner Spezialklinik fliegen lassen. Der Zustand des schwer an der Lunge erkrankten Jungen hatte sich kritisch zugespitzt. Ein Spenderorgan für den kleinen Patienten aus dem Sauerland war trotz intensiver Suche nicht gefunden worden. „In diesem Moment sind die Ärzte auf unseren Vorschlag eingegangen“, erinnert sich Anja Schmidt. Es begann eine dramatische Rettungsaktion.

Gemeinsam mit ihrem Mann Lars (43) hatte die Mutter von Marius angeboten, einen Teil ihrer Lunge zu spenden, um so ihrem Sohn das Überleben zu ermöglichen. Eine Operation, die es so in Deutschland noch nie zuvor gegeben hatte.

An Mukoviszidose erkrankt

Rückblende. Im Säuglingsalter war bei Marius „Mukoviszidose“ diagnostiziert worden. Je älter er wurde, umso mehr schränkte die unheilbare Stoffwechselkrankheit Marius Leben ein. Morgens musste er eineinhalb Stunden inhalieren, schmerzhaft den durch die Krankheit zähflüssigen Schleim abhusten, Tabletten nehmen, abends wieder eineinhalb Stunden am Inhalator sitzen. „Wir haben mit dieser Krankheit gelebt – Tag und Nacht“, sagt Lars Schmidt*.

Marius mit seinen Eltern Anja (l.) und Lars sowie seiner Schwester Nele.Foto: Focke Strangmann

Bis Anfang dieses Jahres. Da verschlimmerte sich die Situation des Jungen rapide. Er brauchte ein Sauerstoffgerät, das ihm bei der Atmung half. Immer öfter musste Marius im Krankenhaus stationär behandelt werden. In den letzten Wochen kam er an eine Herz-Lungen-Maschine. Eine Organtransplantation wurde immer dringender. Doch: Die Warteliste ist lang – und von Woche zu Woche, von Tag zu Tag ging es dem Jungen schlechter. Der erlösende Anruf von der Transplantationsklinik kam nicht. „Im vorigen Jahr hatten wir von der Möglichkeit einer Lebend-Spende gehört“, berichtet Marius Mutter. Sie boten diesen Schritt der Klinik in Hannover an – doch die Ärzte zögerten zunächst.

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    Seite 4: Lebend-Spende ist nur für Kinder möglich

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Kommentare
13.09.2012
13:31
Zwölfjähriger Marius lebt nach Transplantation mit der Lunge von Mama und Papa
von meuer4 | #5

Respekt, das hätten viele nicht getan! Für die Zukunft wünsche ich ihnen alles erdenklich Gute.

Leider wird wimmel | #4 wahrscheinlich Recht behalten. Der Organhandel ist absolut verwerflich!!!!

13.09.2012
12:25
Zwölfjähriger Marius lebt nach Transplantation mit der Lunge von Mama und Papa
von wimmel | #4

Toll, aber eigentlich für Eltern doch auch selbstverständlich.
Organspenden für Kinder und Verwandte sollten auch erlaubt sein, nicht aber der Handel mit Menschenteilen. Das kann keiner in den Griff bekommen, wer sich sein Leben kaufen kann, wird es auch tun, koste es was es wolle.
Es sollte immer noch gelten, vor dem Tot sind alle gleich.

13.09.2012
09:56
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

13.09.2012
09:15
Ein wirklich bewundernswertes Opfer ...
von Partik | #2

... der Eltern. Meine Hochachtung.

Persönlich finde ich allerdings, dass in diesem Fall das Familienleid nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben wird. Auch wenn der Junge jetzt Fußball spielt - schon bald wird wegen der immer noch vorhandenen Krankheit das Gleiche von vorne los gehen.

Man kann sich vorstellen, welche Qual das für den Jungen sein wird, wenn er merkt, dass seine neue Lunge wiederum ihre funktion nach und nach einstellt. Dazu eventuelle (wenn auch irrationale, aber eben vorhandene) Schuldgefühle, nichts aus dem Opfer seiner Eltern gemacht zu haben.

Ein Leben voller Einschränkungen, ewige Krankenhausaufenthalte, eine trotzdem ausfallende normale Jugend, Aussicht auf eine baldige neue Transplantation, derbe Nebenwirkungen durch die massenhaften Medikamente usw.

In so einem Fall weiß man wirklich nicht, ob man lachen oder weinen soll. Es ist jedoch erstaunlich, welche Umstände viele Menschen in Kauf nehmen, um ein paar Jahre Leben abzutrotzen ...

13.09.2012
09:02
Zwölfjähriger Marius lebt nach Transplantation mit der Lunge von Mama und Papa
von tegtmeier | #1

Tolle Familie, tolle Eltern! Meine herzlichsten Wünsche für ne möglichst gesunde Zukunft. Un wenn de Marius ganz lange lebt, kanner vieleich ma de Schale auf Schalke feiern. Toi Toi Toi.

2 Antworten
Zwölfjähriger Marius lebt nach Transplantation mit der Lunge von Mama und Papa
von OmenEstNomen | #1-1

*schmunzel

Zwölfjähriger Marius lebt nach Transplantation mit der Lunge von Mama und Papa
von Otto99 | #1-2

Das hab ich auch verstanden tegtmeier

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