Zwei neue Behandlungsmethoden bei Lungenkrebs

Diagnose Lungenkrebs - mehr als 50.000 Patienten in Deutschland bekommen das im Jahr zu hören.
Diagnose Lungenkrebs - mehr als 50.000 Patienten in Deutschland bekommen das im Jahr zu hören.
Foto: dpa
Mehr als 50.000 Deutsche erkranken jedes Jahr an Lungenkrebs, der tödlichsten Krebs-Form. Neue Therapien versprechen bessere Heilungschancen.

Essen.. Krebs ist nach wie vor ein Tabuthema. Dabei bekommt ihn statistisch gesehen fast jeder dritte Deutsche – und jeder vierte Deutsche stirbt an Krebs. Mit über 50.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland zählt Lungenkrebs zu den häufigsten Krebsarten. Darüber hinaus ist es die Tödlichste: Nach fünf Jahren leben nur noch 21 Prozent der betroffenen Frauen und 16 Prozent der betroffenen Männer. Professor Martin Schuler, Direktor der Inneren Klinik (Tumorforschung) am Universitätsklinikum Essen, stellt zwei neue Behandlungsmethoden vor, die eine bessere Prognose versprechen.

Behandlung von Lungenkrebs

„Wir unterscheiden zwei Hauptarten von Lungenkarzinomen: Das Kleinzellige, das vor allem bei Rauchern auftritt und das Nicht-Kleinzellige“, erklärt Martin Schuler. Die kleinzelligen Karzinome, 15 Prozent der Fälle, seien extrem aggressiv und bilden bereits in frühen Stadien Metastasen aus; sie „streuen“. „Die wirksamste Behandlungsmöglichkeit ist eine Chemotherapie in Kombination mit Bestrahlung.“ Behandlungsziele sind in den meisten Fällen, die Lebensqualität zu erhalten und das Leben des Patienten zu verlängern.

Bei nicht-kleinzelligen Karzinomen (65 Prozent) stehen die Heilungschancen besser: Wenn der Tumor nicht gestreut hat, wird das betroffene Gewebe in einer Operation entfernt. Martin Schuler, der in dem dem Klinikum angeschlossenen Westdeutschen Tumorzentrum mit Experten aus verschiedenen Fachrichtungen zusammenarbeitet, rät Patienten: „Lassen Sie sich in einem zertifizierten Lungenkrebszentrum behandeln, um von dem dort vorhandenen Know-how und der langjährigen Erfahrung zu profitieren.“ Für jeden einzelnen Patienten wird eine Behandlung gefunden, die sinnvoll ist.

Neue Methoden

„Ein neuer Ansatz ist die zielgerichtete Therapie“, sagt der Arzt. Hierbei handelt es sich im Grunde um eine personalisierte Behandlung, bei der das Tumorgewebe eingehend untersucht wird. „Tumore weisen bestimmte Genmutationen auf, gegen die Wirkstoffe gezielt eingesetzt werden können.“ Vor allem bei Adenokarzinomen, der häufigsten Unterart des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses (40 Prozent), konnten in Forschungen eine ganze Reihe „behandelbarer“ Mutationen nachgewiesen werden. „Jedes Jahr werden weitere solcher Marker gefunden, so dass es Sinn macht, weiter zu forschen und gezielt Medikamente zu entwickeln“, betont Schuler. Bei rund 70 Prozent der Tumoren lassen sich Genmutationen nachweisen. Zum Teil gibt es bereits zugelassene Wirkstoffe.

Bei der Chemotherapie werden Patienten mit Infusionen behandelt, bei der neuen Therapieform werden meist Tabletten eingesetzt, was dem Patienten mehr Flexibilität und weniger Zeit im Krankenhaus ermöglicht. „Durch diese neue Behandlung gewinnen die Patienten im Schnitt ein Lebensjahr hinzu. Das ist schon beachtlich.“

Die zweite neue Therapieform ist eine Weiterentwicklung der gezielten Immuntherapie. Man weiß, dass die weißen Blutkörperchen, die der Immunabwehr dienen, von Tumoren durch bestimmte Eiweißstoffe gehemmt werden. Neu entwickelte Antikörper unterbrechen diese hemmende Signalübertragung vom Tumor an die Abwehrzellen. „Über Jahrzehnte hat man in diesem Bereich geforscht, ohne Fortschritte zu machen“, erklärt Schuler. Vor gut zwei Jahren sei jedoch bei der Behandlung des schwarzen Hautkrebses ein Durchbruch gelungen: Immunaktivierende Antikörper halfen gegen den Krebs. „Neuere Studien zeigen, dass es auch im Zusammenhang mit Lungenkrebs positive Effekte durch diese Therapieform bei Patienten mit gestreuten Tumoren gibt.“ Der Experte geht davon aus, dass ein erstes Medikament noch in diesem Jahr in den USA für die Behandlung von Lungenkrebs zugelassen wird. Bis auch in Deutschland diese Medikamente verschrieben werden dürfen, dauere es dann meist nicht mehr lange.

Risikofaktoren / Warnzeichen

80 bis 85 Prozent der erfassten Lungenkrebspatienten sind Raucher. Häufig kommen Begleiterkrankungen wie Herzerkrankungen oder chronische Bronchitis hinzu. „Wir haben aber auch zunehmend Patienten, die nie geraucht haben“, sagt Schuler. Inwieweit Passivrauch dafür verantwortlich ist, sei schwer zu erfassen. „Aus Asien wissen wir, dass dort Frauen von stark rauchenden Männern häufiger Lungenkrebs bekommen.“ Wer aufhört zu rauchen, hat nach ungefähr zehn Jahren ein ähnliches Risiko wie ein Nichtraucher. Auch wenn ein Krebs festgestellt wurde, verbessert der Nikotinverzicht die Prognose. Weitere nachweisbare Risikofaktoren könnten Asbest oder in extrem seltenen Fällen Schadstoffe sein. Weitaus häufiger verantwortlich sind nicht vererbte Mutationen. „Unser Körper erfährt sein Leben lang Mutationen, die Krebs auslösen können. Je älter wir werden, desto höher ist also die Wahrscheinlichkeit einer solchen Genveränderung.“

Forscher befassen sich derzeit verstärkt mit dem komplizierten Thema der Früherkennung: „Das Problem ist, dass es keine gute Lösung für Vorsorgeuntersuchungen bei Lungenkrebs gibt.“ Eine Lungenspiegelung zeige nur einen kleinen Ausschnitt und die Computertomographie sei nicht nur strahlenbelastend, sondern auch zu teuer.

Wichtig sei daher, auf Warnzeichen zu achten: ständiger Husten mit Auswurf, der an mehr als drei Monaten im Jahr auftritt, ein Auswurf mit braunen Fädchen oder eine Lungenentzündung, die länger als zehn Tage zum Abheilen braucht. „Grundsätzlich können aber auch unspezifische Symptome wie bei allen Krebsarten auftreten“, betont Martin Schuler. Dazu zählen Gewichtsverlust oder Abgeschlagenheit. „Wenn diese Symptome auftreten, ist der Krebs jedoch meist schon weit fortgeschritten.“

Die Kontaktdaten von Tumorzentren in der Nähe

Westdeutsches Tumorzentrum (WTZ), Universitätsklinikum Essen, (0201) 723-1614,
Mail: wtz@uk-essen.de, Internet: www.wtz-essen.de

Universitätstumorzentrum Düsseldorf (UTZ), Comprehensive Care Center, (0211) 81-08200, Mail: UTA@med.uni-duesseldorf.de, Internet: www.uniklinik-duesseldorf.de/UTZ

Tumorzentrum Emscher-Lippe GbR, Gelsenkirchen, (0209) 158 070, Mail:
b.hoehmann@st.augustinus.eu, Internet: www.tumorzentrum-emscher-lippe.de

Lungenkrebszentrum Herne-Bochum, Evangelisches Krankenhaus Herne, (02323) 4989 2212, Mail: thoraxzentrum-hotline@evk-herne.de, Internet: www.thorasxzentrum-ruhrgebiet.de.


Eine Übersicht über die Arbeit von Tumorzentren und weitere Informationen bietet die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren unter www.tumorzentren.de

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