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Zahnimplantate sind nichts für Ungeduldige

28.10.2012 | 17:59 Uhr
Gesunde Zähne – falls doch einmal Zahnersatz benötigt wird müssen Patienten, die sich für ein Zahnimplantat entscheiden, geduldig sein.Foto: Getty Images

Essen/Tübingen.   Es ist 47 Jahre her, da hat ein schwedischer Arzt einem Menschen erstmals ein Zahnimplantat aus Titan eingesetzt. Zwischen 800 000 und 1 000 000 künstlicher Zahnwurzeln werden heute jährlich allein in Deutschland implantiert – so Experten-Schätzungen. Hier gibt es Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was man wissen sollte, wenn man sich für diesen Zahnimplantatet interessiert, erklären Zahnarzt Dr. Jürgen Oberbeckmann, Experte für Implantologie an der Zahnklinik am Elisabeth-Krankenhaus in Essen, sowie Prof. Germán Gómez-Román, Implantologe an der Universitätsklinik Tübingen.

Was können Implantate leisten?

Sie können einen einzelnen Zahn ersetzen, aber auch als Befestigung und Stabilisierung von Brücken und Teilprothesen dienen, ebenso als Stabilisierung einer Vollprothese. „Soll etwa ein fehlender Zahn ersetzt werden, müssen für ein Implantat nicht noch zwei unter Umständen gesunde Nachbarzähne beschliffen werden, wie dies etwa für eine Brücke nötig ist“, erklärt Zahnmediziner Oberbeckmann.

Dentalhygiene
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Eine Studie der Privatuniversität Witten/Herdecke hat gezeigt:  Selbst wenn die Mehrheit der Deutschen  – nämlich 65 Prozent – zweimal täglich zur Zahnbürste greift, reinigt sich ein Großteil die Zähne  falsch. Die Folgen können mitunter eine kostspielige Behandlung beim Zahnarzt nach sich ziehen.

Über 1000 Bundesbürger zwischen 14 und 69 Jahren wurden durch das Meinungsforschungsinstitut Forsa online zu ihrer Zahnpflege befragt. 57 Prozent gaben an,  die Zähne in kreisenden Bewegungen zu putzen. Für Kinder bis zum Grundschulalter sei dies durchaus in Ordnung, „weil es eine einfache Technik ist“; für Erwachsene sei dies jedoch falsch, betont Professor Stefan Zimmer, Inhaber des Lehrstuhls für Zahnerhaltung an der Uni Witten/Herdecke.

Färbetabletten zeigen Beläge

Der Grund: „Eine kreisende Bewegung der Zahnbürste kann das Zahnfleisch verletzen, außerdem  Zahnbelag und Bakterien unter den Zahnfleischrand schieben, wo Entzündungen entstehen können.“ Dazu reinige diese Methode  nicht richtig. Zimmers Tipp: „Die Zähne senkrecht in einer Art Fege-Bewegung vom Zahnfleisch zu den Zähnen, also von Rot nach Weiß, bürsten.“ Hartnäckige Zahnbeläge könne man mit „rüttelnden Bewegungen der Bürste“ auf den Zähnen zu Leibe rücken. „Die Zahnbürste dabei schräg zum Zahnfleisch auf die Zähne setzen.“ Wer wissen will, wie lange er braucht, um  seine Zahnbeläge zu entfernen, sollte sich in der Drogerie oder Apotheke Färbetabletten kaufen, mit denen man diese sichtbar machen kann. „Dann putzen Sie die Farbe weg und gucken dabei einmal auf die Uhr.“

Professor Zimmer empfiehlt, die Zähne zweimal täglich zu reinigen – nach dem Frühstück und vor dem Zubettgehen –  jeweils für fünf Minuten. „Bei älteren Menschen, bei denen sich das Gebiss verändert hat, kann das natürlich länger dauern.“ Der Zahnmediziner rät auch, die Zähne zusätzlich mit Zahnseide, beziehungsweise Zahnzwischenraum-Bürstchen zu reinigen. „Täglich ist es optimal, dies reicht aber auch alle zwei Tage.“ Die saubersten Ergebnisse erziele man mit einer professionellen Zahnreinigung beim Zahnarzt. Zimmers Tipp für Eltern: „Bis zum neunten Geburtstag des Kindes sollten sie die Zähne nachputzen.“ Die gründliche Reinigung der Zahnzwischenräume etwa könne von kleineren Kindern nicht geleistet werden.

In einen zahnlosen Oberkiefer und einen zahnlosen Unterkiefer setzt er jeweils vier Implantate. „An ihnen wird dann das Gebiss befestigt. Da wackelt hinterher nichts mehr.“ Für Menschen, die vorher eine Zahn-Vollprothese hatten, die nicht richtig saß, eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität, so der Arzt.

Wie wird ein Implantat eingesetzt?

„Der Zahnarzt bohrt ein Loch in den Kiefer und schraubt eine künstliche Zahnwurzel hinein, die in den Kieferknochen einwächst. Zum Schluss wird darauf die künstliche Zahnkrone zementiert“, erläutert Oberbeckmann. Grundsätzlich könnten Implantate gesetzt werden, wenn das Kieferwachstum abgeschlossen ist, „also ab 18“.

Welche Materialien sind gut?

Für das Zahnimplantat hat sich Titan als bestes Material bewährt, so Oberbeckmann. „Für die Zahnkrone, die auf das Implantat zementiert wird, Metallkeramik und Zirkon.“ Ganz wichtig sei es, einen Zahnarzt zu wählen, der viel Erfahrung mit Implantaten hat. „Gehen Sie nicht zu jemandem, der das nur zehnmal im Jahr macht!“

Wie viel Zeit muss man einplanen?

„Sechs bis neun Monate können es werden. Ist, bevor ein Implantat gesetzt wird, noch ein Knochenaufbau notwendig, dauert es auch länger“, gibt der Tübinger Zahnmediziner Germán Gómez-Román zu bedenken. Denn: Das Implantat muss gesetzt werden, es muss einheilen und bekommt schließlich noch eine Krone.

Wie lange hält ein Implantat?

93 Prozent der Menschen haben ihr Implantat noch nach zehn Jahren, 85 Prozent sogar nach 20, weiß Professor Gómez-Román. Die Voraussetzungen seien: „eine sehr gute Mundpflege, eine gute Knochensubstanz und eine regelmäßige zahnärztliche Kontrolle“.

Ein Muss: Die Mundhygiene

Wer ein Zahnimplantat hat, muss die Mundhygiene ganz genau nehmen. Denn: Das Zahnfleisch kann sich dem sichtbaren Implantatteil im Mund nur anlagern und ist nicht mit ihm – wie bei einem richtigen Zahn – fest verwachsen. Es kann durch bakterielle Beläge zu Entzündungen des Zahnfleisches um den Implantathals herum kommen. Bakterien können am so genannten Implantatpfosten hinab in den Kiefer wandern und dort ähnliche Reaktionen verursachen, wie man sie von Zahnfleisch-Erkrankungen (Parodontitis) kennt. Jürgen Oberbeckmann: „Das kann noch Jahre nach Einsetzen des Implantats passieren.“ Absolut wichtig sei auch tägliches Zähneputzen und die tägliche Reinigung der Zähne mit Zahnzwischenraum-Bürstchen. Das weitere Pflege-Programm: Alle vier Monate zu einer professionellen Zahnreinigung beim Zahnarzt gehen. Zweimal jährlich ist ein Zahnarzt-Besuch – auch zur Implantat-Kontrolle – fällig.

Wer sollte aufs Implantat verzichten?

„Raucher sollten mit dem Rauchen aufhören, oder sich das Geld für ein Implantat sparen“, sagt Professor Germán Gómez-Román. Denn Nikotin erschwere die Einheilung des Implantats in den Kieferknochen und schädige das Gewebe. Außerdem gebe es ein erhöhtes Risiko, dass es zu Entzündungen rund um das Implantat komme. Auch Menschen mit einer nicht eingestellten Diabetes rät der Zahnarzt vom Implantat ab; Dr. Jürgen Oberbeckmann auch Patienten, die ständig Cortison bekommen.

Wie teuer wird es?

Im Schnitt zwischen 2500 und 3000 Euro pro Implantat. Oberbeckmann: „Darin sind die zahnärztlichen Leistungen und die Laborkosten enthalten.“ Müsse, bevor ein Implantat gesetzt werde, noch der Knochen aufgebaut werden, würde es teurer.

Zahngesundheit

Der Tipp beider Ärzte: Bevor man sich für ein Implantat entscheidet, sollte man den Heil- und Kostenplan des Zahnarztes bei der Kasse einreichen und klären, welche Kosten sie übernimmt – egal ob es sich um eine gesetzliche oder eine private Kasse handelt. Oberbeckmann: „Gesetzlich Krankenversicherte haben einen Anspruch auf einen Festzuschuss der Kasse für die Krone, aber nicht für die Implantat-Behandlung.“

Jutta Bublies



Kommentare
30.10.2012
00:44
Zahnimplantate sind nichts für Ungeduldige
von nussknacker | #1

Implantate sind toll!
Nur können die Preise um 300% variieren, nichts geht über Ärzte, die dieses täglich vornehmen und nicht nur 1 x im Monat! Erfahrung ist alles!

Noch ein Tipp: Rauchen gefährdet das Implantat, deshalb haben Nichtraucher weniger Probleme beim Einwachsen!

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