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Wohlstandskrankheiten

Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen in China nimmt zu

12.10.2012 | 05:45 Uhr
Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen in China nimmt zu
Die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen in China nähert sich dem Niveau der westlichen Industrieländer. Foto: Getty

Peking  Mit zunehmendem Wirtschaftswachstum steigt auch die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen in China. Mittlerweile gehen fast 40 Prozent der Todesfälle auf derartige Erkrankungen zurück. Auch andere "Wohlstandskrankheiten" wie Diabetes sind auf dem Vormarsch. Noch mangelt es an Aufklärung - selbst bei den Ärzten.

Alle zehn Sekunden stirbt in China ein Mensch an Herzinfarkt oder Schlaganfall. Wie bei uns sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen dort inzwischen die Todesursache Nummer eins. Das zeigt eine Studie chinesischer Forscher, die diese am Donnerstag beim Internationalen Kongress für Kardiologie in Peking vorstellten.

Als Hauptursache für diese Entwicklung sehen die Mediziner den Lebensstil der Chinesen, der sich durch das rasante Wirtschaftswachstum in den letzten 30 Jahren drastisch gewandelt hat. Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck hätten rapide zugenommen, würden aber meist nur unzureichend behandelt. "Als Folge sterben jedes Jahr drei Millionen Chinesen an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung", sagt Studienleiter Dayi Hu, Leiter des Herzzentrums an der Pekinger Universität.

Es fehlt an Aufklärung

40 Prozent aller Todesfälle in China gingen inzwischen auf diese Zivilisationskrankheit zurück. Das Land nähere sich damit auch in Bezug auf die Gesundheitsprobleme seiner Bevölkerung den westlichen Industrieländern immer weiter an. "Prävention hatte im chinesischen Gesundheitssystem bisher keine Priorität", erklärt Hu. In den letzten 20 bis 30 Jahren seien nur die Endstadien von Herz-Kreislauf-Erkrankungen behandelt worden. Es fehle sowohl bei den Ärzten als auch in der breiten Bevölkerung an Aufklärung und Wissen über Risikofaktoren für diese Krankheit.

Wie die Forscher berichten, ist das jährliche Pro-Kopf-Einkommen in China in den letzten gut 30 Jahren um fast das 80-Fache gestiegen - von 381 Yen im Jahr 1978 auf 29.748 Yen im Jahr 2010. Während vor 30 Jahren nur rund 18 Prozent der chinesischen Bevölkerung in der Stadt lebten, seien es heute gut 50 Prozent.

Behandlungen sind nicht ausreichend

Mangelnde Bewegung und ungesunde Ernährung führten dazu, dass heute bereits Kinder zunehmend übergewichtig seien. Zudem sei die Zahl der Raucher in China drastisch auf 350 Millionen gestiegen. Jeder zweite Mann rauche Zigaretten oder andere Tabakerzeugnisse.

An Bluthochdruck und Diabetes - beides Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen - leiden inzwischen auch in China immer mehr Menschen. Bei der Stadtbevölkerung habe Diabetes Typ 2 allein in den letzten fünf Jahren um mehr als 50 Prozent zugenommen, sagt Hu. Inzwischen gebe es 92 Millionen Zuckerkranke im Land. Weil die Behandlung nicht ausreichend sei, würden in China 16 Mal so viele Diabetiker wegen Komplikationen ins Krankenhaus eingeliefert als beispielsweise in den Niederlanden.

Ärzte sind schlechtes Vorbild

"Die Anzahl der Betroffenen ist riesig, aber Maßnahmen finden kaum statt", sagt Dayi Hu. Auch bei der Behandlung des Bluthochdrucks hinke China hinterher, konstatiert der Mediziner. Nur ein Drittel der Betroffenen wisse überhaupt, dass sein Blutdruck zu hoch ist - in den USA seien es 80 Prozent. Nur sechs Prozent der chinesischen Bluthochdruck-Patienten würden außerdem adäquat behandelt und erreichten wieder halbwegs normale Werte, während dies immerhin der Hälfte der betroffenen US-Amerikaner gelinge.

Als einen der Schlüsselfaktoren für diese Werte sehen die Forscher auch das schlechte Vorbild der chinesischen Ärzte: "Die Hälfte der männlichen Mediziner raucht und viele sind übergewichtig", erklärt Hu. Selbst Kardiologen, die es besser wissen müssten, hätten oft einen ungesunden Lebensstil. "Meiner Überzeugung nach wird es keine gesunde Bevölkerung geben, solange es keine gesunden Ärzte gibt", konstatiert der Studienleiter. (dapd)


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