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Zahl der Arbeitnehmer mit Depressionen und Burnout steigt

20.07.2011 | 15:00 Uhr
Zahl der Arbeitnehmer mit Depressionen und Burnout steigt
Risikofaktor Betriebsklima: Die Zahl der Arbeitnehmer mit Erkrankungen auf Grund von psychischen Belastungen ist in den letzten Jahren rapide gestiegen. Bild: Stephan Glagla

Hannover/Berlin.  Laut einer Krankenkassen-Studie steigt die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen wie Depressionen und Burnout. Ein Hauptfaktor: Schlechtes Betriebsklima. Männer werden häufiger krank als Frauen

Arbeitnehmer in Deutschland fehlen häufiger aufgrund psychischer Erkrankungen und wegen Verhaltensstörungen. Das ergab eine Untersuchung der Krankenkasse KKH-Allianz. So stieg der Anteil von Krankheiten wie Depressionen oder Burnout bei Krankschreibungen von 13 Prozent im Jahr 2009 auf 14,3 Prozent im erstes Halbjahr 2011, wie die KKH-Allianz am Dienstag in Hannover mitteilte.

Regionale Unterschiede

Insgesamt betrug die Fehlquote der Beschäftigten im ersten Halbjahr 4,49 Prozent; 0,24 Prozentpunkte mehr als im Vorjahreszeitraum. Deutliche Unterschiede bei den Fehlzeiten gab es zwischen den Bundesländern. Den höchsten Krankenstand verzeichnete im ersten Halbjahr 2011 mit durchschnittlich zehn Tagen der Stadtstaat Berlin.

In Bayern fehlten die Beschäftigten hingegen an nur 6,6 Tagen im Beruf. Bundesweit blieben Arbeitnehmer zwischen Januar und Ende Juni durchschnittlich an 8,1 Tagen wegen Krankschreibungen zu Hause.

Männer häufiger krank als Frauen

Der Anteil der Männer, die eine starke oder sogar sehr starke gesundheitliche Gefährdung sehen, ist mit rund 20 Prozent deutlich höher als bei den Frauen (knapp 14 Prozent), wie aus einer Studie des Robert-Koch-Instituts für das Jahr 2010 hervor geht (Download unter www.rki.de).

Doch auch von den Befragten, die ihre Gesundheit nur mäßig oder gar nicht von ihrer Arbeit beeinträchtigt sehen, klagen viele über Belastungen im Job. Rund vier von zehn Beschäftigten stehen bei der Arbeit unter erheblichem Zeit- und Leistungsdruck, jeweils gut jeder dritte Befragte verweist auf lange Arbeits- und Wegezeiten sowie schwierige Arbeitsbedingungen durch Lärm, Hitze oder Kälte am Arbeitsplatz.

Belastungsfaktor Betriebsklima

Der größte Risikofaktor ist allerdings ein schlechtes Betriebsklima . Zwar klagt nur jeder zwanzigste Befragte über Stress mit Kollegen oder Vorgesetzten. Der Zusammenhang zwischen häufigen Konflikten am Arbeitsplatz und negativen Folgen für die Gesundheit ist aber stärker ausgeprägt als bei jedem anderen Belastungsfaktor, wie die Studienautoren herausfanden. (dapd)



Kommentare
11.08.2011
14:48
Zahl der Arbeitnehmer mit Depressionen und Burnout steigt
von rejms | #3

Auch ich bin aus meinem alten Job (9 Jahre) ausgestiegen. Hätte ich das nicht gemacht, säße ich wahrscheinlich jetzt in der Psychatrie! In einem Job, der sich Callcenter nennt, ist man nicht nur das A....loch von den Kunden sondern auch von den Vorgesetzten. Nur hören will das keiner! Stattdessen wird verlogene Werbung gemacht. Und das ist in anderen Unternehmen sicher nicht anders! Gelernt hatte ich mal was anderes (kaufm. Beruf) und würde gerne wieder in dem Bereich arbeiten, aber mit 43 gehört man ja schon zum alten Eisen! Lieber eine 20jährige mit 30 Jahren Beruferfahrung, die aussieht wie ein Modell, aber wie ein Kerl arbeitet!
Ganz besonders die Akademiker, die von der Uni kommen, von der Arbeit keine Ahnung haben, noch nie einen Handschlag getan haben, aber uns erzählen wollen, wie man zu arbeiten hat.
Auch das macht depressiv!

03.08.2011
08:51
Zahl der Arbeitnehmer mit Depressionen und Burnout steigt
von GinaTinchen | #2

Auch ich gehöre zu der Ü50-Gruppe, arbeite seit 39 Jahren in einem Beruf, für den ich gut qualifiziert bin und der mir Freude macht mit nur wenigen Krankheitstagen. Das Arbeitsumfeld sorgt inzwischen dafür, daß ich nichtsdestoweniger derzeit nicht in der Lage bin, meiner Arbeit nachzugehen. Unmengen von Energien werden verschwendet für immer neue Ist-Aufnahmen, Entwicklung von neuen Konzepten, Einführung derselben - bevor diese Phase abgeschlossen ist, beginnt bereits unter neuen Vorgesetzten das gleiche von vorn, ohne daß auch nur ein Projekt jemals die Chance erhalten hätte, zu reifen. Junge Leute werden häufig nicht ausreichend ausgebildet - die Oberläche ist vorhanden, aber das Wissen um Zusammenhänge, Folgen für andere Arbeitsbereiche ist nicht erwünscht. Nicht die Qualifikation ist ausschlaggebend für die Besetzung von Arbeitsplätzen, sondern häufig genug die Nase, das Geschlecht, die Kastenzugehörigkeit. Unmengen von Formalitäten erschweren es, etwas fertig zu bekommen. Fehlende, widersprüchliche, falsche Informationen und Anweisung tragen ebenso dazu bei. Aufträge aus dem Ausland zeigen deutlich erkennbar die deutsche Mutterfirma als verlängerte Werkbank der asiatischen Tochterfirma (weil billiger?). Wenn ich Tag für Tag das Gefühl habe, einen aussichtslosen Kampf zu führen, bei dem unsere Kunden weniger wichtig sind, als Hirarchien, Formalismus, aufgeblähte Strukturen - wo soll die Freude an der Arbeit herkommen?

27.07.2011
13:34
Zahl der Arbeitnehmer mit Depressionen und Burnout steigt
von street66 | #1

Wann werden die Menschen endlich wach? Wann übernehmen wir wieder Verantwortung und unternehmen mehr gegen Mobbing und Stalking....auch die Tragödie in Oslo wäre so evtl. vermeidbar. Jeder ist gefragt.

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