Wirkt Sport erst ab 30 Minuten? Die zehn größten Lauf-Irrtümer

Mit dem Frühlingswetter hat für viele Menschen die Laufsaison begonnen. Doch manche Lauf-Irrtümer sorgen bei Sportlern für Verunsicherung.
Mit dem Frühlingswetter hat für viele Menschen die Laufsaison begonnen. Doch manche Lauf-Irrtümer sorgen bei Sportlern für Verunsicherung.
Foto: imago
Spätestens mit dem Frühlingswetter hat die Laufsaison für viele begonnen. Doch manche Irrtümer zum Laufen verunsichern Sportler. Braucht man nach 800 Kilometern neue Schuhe? Macht Laufen immer schlank? Zählt Sport erst ab 30 Minuten? Alles Humbug. Lauf-Papst Achim Achilles räumt mit Vorurteilen auf.

Essen.. Einige Mythen zum Thema Laufen halten sich hartnäckig. Mit Hilfe von Lauf-Papst Achim Achilles (47) räumen wir Halbwahrheiten aus dem Weg.


Bloß nicht auf Asphalt laufen
Quatsch! Fünf Kilometer auf der Straße haben noch niemanden umgebracht. Gerade im Sommer kann selbst Waldboden ähnlich hart sein, wenn er ausgedörrter ist als jede Wüste. Asphalt hat sogar Vorteile: Der Fuß kann sich besser abdrücken. In ein Pfund Butter zu treten, wäre anstrengender. Grundsätzlich gilt beim Boden: Abwechslung macht’s.


Wer geht, verliert
Unsinn! Besonders Anfänger machen oft den Fehler, dass sie zu viel wollen und Gas geben, bis der Arzt kommt. Das sind dann die, die pumpen wie ein Maikäfer. Für Neulinge gilt: zunächst minutenweise abwechselnd laufen und gehen, Intervalle langsam steigern.


Nach 800 Kilometern sind die Schuhe hinüber
Ein Märchen der Sportartikelindustrie! Am besten ist: Höre auf deinen Körper! Wenn der Knöchel drückt oder die Achillessehne zwickt, muss ein neues Paar her. Wer sicher gehen will, sollte sich zwei Paar gönnen und abwechselnd einsetzen. Das ist gut für die Schuhe und gut für die Gelenke.

Bringt der Morgenlauf mehr?

Unter 30 Minuten muss man gar nicht erst anfangen
Falsch! Der Körper ist dankbar für Bewegung. Er freut sich über jede Stufe, die wir der Rolltreppe vorziehen und ist begeistert über jede Sekunde, in der wir unseren Puls über das Ruhepuls-Maß treiben.


Morgens zu laufen, ist ideal
Der frühe Vogel kann uns mal! Zwar belegen einige Studien, dass beim Laufen vor dem Frühstück am meisten Fett verbrannt wird, weil die Speicher leer sind und Reserven angegriffen werden, aber das ist nicht für jeden gut. Wer sich morgens quält und nur aus dem Bett kommt, wenn ein Lastenkran ihn zieht, der sollte später joggen. Auf die Ansage der inneren Stimme hören!


Laufen macht schlank

Nicht immer! Die Zauberformel lautet: Ich muss mehr Kalorien verbrauchen, als ich aufnehme. Und Laufen macht leider nicht nur fit sondern auch hungrig. Pro Stunde verbraucht der Läufer ungefähr sein Körpergewicht mal zehn in Kalorien. Heißt: Eine 70-Kilo-Mann lässt 700 Kalorien auf der Strecke. Er sollte sich dafür aber nicht unbedingt mit Currywurst, Pommes und Cola belohnen – dann wären 1000 Kalorien wieder drauf.

Ist Dehnen gut gegen Muskelkater?

Je mehr ich trinke, umso besser
Nicht unbedingt! Untersuchungen beim Boston-Marathon haben gezeigt, dass Läufer überwässert waren. Der Überschuss an Flüssigkeit hatte einige an den Rand einer Ohnmacht gebracht, weil der Mineraliengehalt durcheinander geraten war. Tipp: Trinken, sobald sich Durst meldet. Nur Kamele können Vorräte in Höckern sammeln.


Dehnen killt Muskelkater
Nein! Gegen Dehnen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, der Trendsport Yoga beispielsweise basiert auch auf Dehnübungen. Aber für Läufer könnten Stabilisierungsübungen nützlicher sein. Klassiker wie Liegestütze oder Sit-ups helfen, eine labberige Körpermitte zu stabilisieren.


Ohne Pulsuhr läuft gar nichts
Irrtum! Abgesehen von Zahlenmenschen, die jeden Schritt dokumentieren und sich so motivieren, können Läufer auf eine Pulsuhr verzichten. Gerade geübte Sportler wissen auch so, in welchem Bereich sie trainieren. Können sie sich locker unterhalten, laufen sie im Wohlfühlbereich. Achilles empfiehlt: „Dreimal pro Woche laufen. Ein Mal schneller als üblich, ein Mal länger als üblich, ein Mal so wie es Spaß macht.“


Die Schuhe sollten so stark gedämpft sein wie Luftkissen
Blödsinn! In Läuferkreisen erfreuen sich aktuell leichte, eher wenig gedämpfte Schuhe großer Beliebtheit. Viele Sportmediziner sagen: „Der Fuß ist ein lernendes System und wird dumm, wenn er nicht gefordert wird.“ Achim Achilles rät zur Abwechslung: „Auch mal zehn Minuten barfuß über Rasen laufen.“

Der Experte:

Achim Achilles ist ein Pseudonym. Hinter dem Namen verbirgt sich der Journalist und Fernseh-Moderator Hajo Schumacher. Der 47-Jährige ist Herausgeber des Medienmagazins „V.i.S.d.P.“ und schreibt launige Lauf-Kolumnen bei „Spiegel Online“. Als Achim Achilles hat Schumacher etliche Bücher verfasst, die in Läufer-Kreisen Kult-Status besitzen, darunter sind Titel wie der „Achilles Laufkalender“, „Der Lauf-Gourmet: Schlanker, schneller, satter“ oder auch „Achilles’ Verse: Lerne Laufen ohne Leiden“. Schumacher gilt als ambitionierter Freizeitläufer, der weiß, wovon er schreibt. Seine Marathonbestzeit liegt bei 4:06 Stunden. Er lebt in Berlin.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE