Wie Sie gestärkt und glücklicher ins neue Jahr starten

Positiv denken: Wer sich in Erinnerung ruft, was er 2014 alles geschafft hat, stärkt sich aus Sicht der Experten für die Herausforderungen des nächsten Jahre.
Positiv denken: Wer sich in Erinnerung ruft, was er 2014 alles geschafft hat, stärkt sich aus Sicht der Experten für die Herausforderungen des nächsten Jahre.
Foto: Getty Images/iStockphoto
Was wir bereits wissen
Das Jahresende naht – und wir wollen fröhlich nach vorne auf 2015 blicken. Experten erklären, wie man auch an dunklen Tagen Mut für Kommendes schöpft.

Essen/Wuppertal.. Nur langsam wird es seit der Wintersonnenwende Tag für Tag heller – da fällt es nicht immer leicht, guten Mutes auf den Beginn des Jahres 2015 zu blicken. Doch gerade nach einem anstrengenden Jahr möchten wir genau das: eine aussichtsreiche Perspektive haben. Dr. Philipp S. Holstein, Arzt und Therapeut, sowie Julia Döring, Psychologische Psychotherapeutin in der Dr. Becker Klinik Juliana in Wuppertal, geben Tipps dazu.

Trübe Gedanken vertreiben

Der trübe Gedanke gehört nicht zwangsläufig zur dunklen Jahreszeit – das meint Philipp S. Holstein, Arzt, Therapeut und Buchautor. Zwar fahre der Dezember schweres Geschütz auf – mit vielen Feiertagen, in denen die Differenz zwischen Erwartung und Realität deutlich wird. „Erschwerend kommt hinzu, dass Gedanken gerne die Farbe der Umgebung annehmen – und das ist in einem dunklen und eher farblosen Monat kein Vorteil. Da kann zusätzliches Licht, ob künstlich oder natürlich, körperlich und seelisch das Wohlbefinden steigern.“ Das meint auch Psychotherapeutin Julia Döring und rät, sich möglichst viel draußen zu bewegen, auch wenn die Wolken tief hängen. Hilfreich kann eine Lichttherapie sein, bei der die Patienten im Abstand von zirka 80 Zentimetern vor einer Leuchte sitzen, die möglichst 10 000 Lux stark sein sollte. Vor allem ist es nach Meinung von Holstein klug, die Zeit am Jahresende als Chance zu begreifen: Man könne seelisch und physisch „ausmisten“. Sich fragen, was man ins nächste Jahr mitnehmen will und was weg soll.

Depression oder Winterblues?

Experten wie Julia Döring unterscheiden zwischen dem Winterblues, bei dem man immer mal wieder ein Stimmungstief hat, und einer echten Depression, die sich auch zu anderen Zeiten verstärken kann. Philipp S. Holstein: „Depressionen sind ernst zu nehmende Erkrankungen, die sich häufig gut behandeln lassen. Wer befürchtet, daran zu leiden, sollte rasch ärztliche und therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.“ Zu den Anzeichen gehört laut Julia Döring eine über mehr als zwei Wochen gedrückte Stimmung, Antriebsschwäche und Lust- und Freudlosigkeit. Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie Appetitveränderungen kommen hinzu. Der Winterblues trägt auch diese Züge, lässt sich aber verscheuchen – vor allem, wenn man unter Menschen geht, Tageslicht tankt und Hobbys pflegt.

Positive Bilanz ziehen

Wer jetzt in den Mittelpunkt seiner Überlegungen stellt, was er 2014 alles geschafft hat, welche Herausforderungen und Krisen er meistern konnte, der macht es aus Sicht der Psychotherapeutin richtig. Julia Döring: „Es gilt, persönliche Stärken herauszufinden und sich zu fragen, was man in 2015 fortführen möchte.“ Philipp S. Holstein ergänzt Fragen, die man sich stellen könne: „Was hat mir gefallen? Was nicht? Wovon will ich weniger? Und wovon mehr?“ Sein Rat: Nicht irgendeinem Wunschbild des „Glücks“ hinterher laufen und die vielen kleinen Glücklichkeiten verpassen, die das Leben so schön machen.

Ratgeber für Betroffene und Angehörige

Die Last der guten Vorsätze

Zwei Gründe lassen Julia Döring am Sinn guter Vorsätze zweifeln: „Erstens nimmt man sich meist zu viel vor – wie zum Beispiel, nach jahrelanger Qualmerei mit dem Rauchen aufzuhören. Und das passiert zweitens in einer Zeit, in der die Menschen oft nicht viel Energie haben.“ Auch Philipp S. Holstein lehnt das Konzept der „guten Vorsätze“ ab. Er fragt provokant: „Fragen Sie sich doch lieber mal, warum Sie es noch nicht gemacht haben. Das hat einen Grund. Denn der richtige Zeitpunkt lässt sich nicht erzwingen.“ Julia Döring rät, lieber in kürzeren Abständen kleinere Projekte anzugehen – sich etwa in den nächsten Monaten eine Stunde pro Woche Zeit für sich zu nehmen: „Das ist lange nicht so unerreichbar wie der Vorsatz, möglichst schnell wieder in die 20 Jahre alte Jeans zu passen. Dann lieber planen, erst einmal drei Kilo abzunehmen und gleich da­mit anfangen.“

Glücksformel für 2015

Warum nicht den Jahreswechsel als Gelegenheit sehen, generell zu überlegen: Auf welche Inhalte und Werte kommt es mir im Leben an? So findet sich nach Ansicht von Julia Döring die persönliche Glücksformel – vor allem, wenn man sich vorstellt, auf welches Jahr man zurückblicken möchte, wenn man Ende 2015 wieder in der gleichen Situation ist. Die passende Frage dazu lautet ihrer Meinung nach: „Was für ein Mensch will ich gewesen sein?“ Philipp S. Holstein bringt es anders auf den Punkt: „Ich gebe ungern Ratschläge, was daran liegt, dass ein und derselbe selten für alle passt. Einen hätte ich aber doch: Wenn’s mal eng wird: weiteratmen!“

Das Jahr kann starten

Wenn das Jahr beginnt, kommt’s drauf an, konkret zu werden. Julia Dörings Tipp: Sich Hilfe holen, nicht alles allein schaffen wollen – so weiß die Ernährungsberaterin Rat, wie man ein paar Kilo verlieren kann. Philipp S. Holstein dazu: „Schauen Sie sich an, wie Sie andere behandeln: Wenn es einem Freund nicht gut geht, dann versuchen Sie, Verständnis aufzubringen. Sie geben ihm Zeit, sich wieder zu fangen. Sie kochen etwas Schönes, versuchen, ihm den Rücken freizuhalten. Sie erklären ihm, dass sicher alles gut wird und suchen Argumente, warum das so ist. Und nun denken Sie darüber nach, ob es nicht klug sein könnte, sich selbst wie einen Freund zu behandeln.“