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Wie das Schnarchen endlich aufhört

13.01.2013 | 16:39 Uhr
Wie das Schnarchen endlich aufhört
Wenn der Partner schnarcht, kann das den anderen um den Schlaf bringen.Foto: Getty Images

Düsseldorf.  60 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen über 60 Jahre schnarchen, heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin. Warum das so ist, wann die Geräuschkulisse harmlos ist und wann nächtliches „Sägen“ behandelt werden muss. Hier die wichtigsten Fakten.

Wer schnarcht, kann die Lautstärke eines vorbeifahrenden Lastwagens erreichen. Kein Wunder, dass der Bettnachbar streikt und oft lieber getrennt schläft. In Deutschlands Betten werden – bildlich gesprochen – nachts ganze Wälder abgesägt: 60 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen über 60 Jahre schnarchen, heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin. Das ist nicht nur störend, sondern kann auch gefährlich werden, wenn es etwa zu Atemaussetzern kommt. Warum Menschen schnarchen und was man dagegen unternehmen kann.

Wieso schnarcht man?

Bei Schnarchern sind die Atemwege mehr oder weniger stark blockiert. Die Geräusche entstehen durch flatternde Bewegungen von Teilen des weichen Gaumens und des Zäpfchens durch den starken Luftzug der Atmung. Behandelt werden muss das Schnarchen nicht unbedingt. Es sei denn, es handelt sich um eine sogenannte Schlaf-Apnoe, bei der kurze Atemstillstände gefährlich werden können.

Ursachen-„Forschung“

Die erste Anlaufstelle ist meist der Hals-Nasen-Ohrenarzt. In der Regel zieht dieser nach einer ersten Diagnose einen Schlafmediziner oder Lungenfacharzt zu Rate, um mit einem Schlafscreening festzustellen, ob beim Schnarchen der Atem stockt. Die Schlafscreening-Untersuchung ermöglicht es dem Arzt zwischen einem „harmlosen“ Schnarchen und einer Schlaf-Apnoe zu unterscheiden. Mit einem Gerät werden hierbei während des Schlafens zu Hause verschiedene Werte ermittelt – darunter die Schnarchgeräusche, die Herzfrequenz, Schlafposition und die Tätigkeit der Atemmuskulatur.

Eine Untersuchung im Schlaflabor kann weitere Erkenntnisse über die Gründe für das Schnarchen liefern, ebenso eine Somnoskopie. „Diese muss man sich ähnlich wie eine Magenspiegelung vorstellen“, erklärt der Düsseldorfer HNO-Arzt Dr. Rainer Frerich. Der Patient bekommt eine Narkose, dann wird ein Endoskop in die Nase eingeführt. Mit dessen Hilfe erkennt der Mediziner, ob und weshalb die Atmung eingeschränkt oder der Rachen eingeengt ist.

Häufige Gründe für das Schnarchen

„Bei rund 30 Prozent der Fälle ist die Nasenatmung behindert“, sagt HNO-Arzt Frerich. Das heißt: Die Nasenscheidewand ist verkrümmt oder sogar perforiert, der Betroffene leidet unter Polypen oder einer Verdickung der Nasenmuscheln. Ein weiterer Grund für das Schnarchen oder eine Schlaf-Apnoe ist ein übergroßer Zungengrund. „Aufstoßen, also der sogenannte Reflux, kann zum chronischen Anschwellen der Zunge führen“, erklärt Frerich.

Schnarchen wird oft auch durch das Erschlaffen der Muskulatur im Rachenraum verursacht. „Daraufhin sind die Atemwege verschlossen“, so der Düsseldorfer Lungenfacharzt und Schlafmediziner Dr. Charles Lange.

Das Thema Alkohol

Wer Alkohol trinkt, senkt die Anspannung der Muskeln (den Muskeltonus) und dämpft die Atemaktivität. So erschlafft das Gewebe im Rachen leichter als sonst und gerät durch den Atem in Schwingungen.

Zu viele Kilos

Fett wird nicht nur an sichtbaren Stellen wie etwa am Bauch gespeichert, sondern auch im Rachenraum. Die Folge: Atemwege können sich verengen, das Schnarch-Risiko steigt. Daher kann es hilfreich sein, einige Kilos abzuspecken.

Wenn Kinder schnarchen

Bei Kindern sind es häufig die geschwollenen Rachenmandeln oder Polypen, die das Atmen behindern. Eltern sollten einen HNO-Arzt fragen, ob operiert werden muss.

Wann sollte operiert werden?

So vielfältig wie die Ursachen für das Schnarchen sein können, so groß ist die Auswahl an Behandlungs- und Operations-Möglichkeiten. Krumme Nasenscheidewände können durch Operationen begradigt werden. Nasenmuscheln und ein übergroßer Zungengrund schwellen mit Hilfe einer Radiowellen-Therapie ab. Ein zu weicher Gaumen lässt sich straffen, geschwollene Rachenmandeln können entfernt werden. Bevor man sich für eine OP entscheidet: Immer einen zweiten Arzt fragen!

Was leisten „Schnarcherschienen“?

„Schnarcherschienen“ (oder „Protrusionsschienen“) werden individuell angepasst. „Sie bringen den Unterkiefer in eine vorgerückte Position. Dadurch kann die Zunge nicht in den Rachen rutschen und die Atmung behindern“, erklärt der Düsseldorfer Zahnarzt Dr. Hansjörg Lammers.

Wie hilft eine Atemmaske?

Eine Atemmaske, CPAP-Maske genannt, bläst den Schläfer mit einem leichten Luftzug an. So entsteht ein geringer Überdruck in den Atemwegen. Auf diese Weise wird verhindert, dass die entspannten Muskeln den Rachenraum verengen.

Was übernehmen die Kassen?

Wer nicht unter einer Schlaf-Apnoe, Atemaussetzern im Schlaf, leidet, sondern „nur“ das Schnarchen abstellen möchte, muss eine endoskopische Untersuchung selbst zahlen und mit Kosten ab 300 Euro rechnen. HNO-Arzt Frerich: „Wenn eine Nasenoperation medizinisch notwendig ist, übernimmt das die Krankenkasse.“ Die Anpassung einer Schlafmaske im Schlaflabor und das Gerät selbst kosten 1500 bis 5000 Euro. Die Kosten für die Anpassung der Maske und das Gerät übernimmt die Kasse, wenn die Schlaf-Apnoe nachgewiesen ist.

Patienten-Informationen zum Schnarchen und zur Schlaf-Apnoe findet man auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): www.dgsm.de

  • Sabine Krüger: Schnarchen oder das Konzert der geschluckten Kröten und wie man sie zum Schweigen bringt. Die Anti-Schnarch-Therapie für Männer, Frauen, Kinder. Hübner-Verlag, 2010, 11,90 Euro

Natascha Plankermann



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