Wenn Albträume die Nacht zur Qual machen

Ständige Albträume können auch zur psychischen Belastung werden.
Ständige Albträume können auch zur psychischen Belastung werden.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Neben den schönen Träumen werden viele Menschen auch immer wieder von Albträumen eingeholt. Warum es sie gibt und wie man sie abwehren kann.

Düsseldorf.. Wenn wir schlafen, läuft unser Gehirn trotzdem auf Hochtouren. Gerade in der sogenannten REM-Phase (Rapid-Eye-Movement) sind die Träume – und auch die Albträume – besonders aktiv. Denn jetzt kann unser Gehirn intensiv Geschichten spinnen. Bislang findet die Behandlung von Albträumen in der Psychotherapie keinen großen Anklang, auch wenn ständige Albträume ein echter Stressfaktor sind.

Viele Studien haben sich schon mit den Inhalten von Albträumen beschäftigt. Die Ergebnisse der Wissenschaftler waren allerdings recht unterschiedlich. Mal standen zwischenmenschliche Konflikte und die Angst vor dem Tod im Vordergrund der Träume, andere Auswertungen zeigten dann eher die Angst vor dem Fallen oder vor dem Gelähmtsein. Der Grund für die verschiedenen Ergebnisse könnte daher rühren, dass Albträume einfach sehr individuell sind und auch nur durch eine anschließende Befragung festgehalten werden können. Und jeder weiß: Häufig erinnern wir uns nur an kleine Ausschnitte unserer Träume oder vermischen sie auch mit anderen Träumen und realen Erlebnissen.

Die beste und einfachste Methode, um die Albträume festzuhalten, sieht Dr. Annika Gieselmann, Psychotherapeutin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Psychotherapeutischen Institutsambulanz der Universität Düsseldorf, im Tagebuchführen. „Neben dem Bett sollte ein Notizbuch liegen, so dass man direkt morgens früh seine Erinnerungen aufschreiben kann.“ Dort sei die Wahrscheinlichkeit noch am größten, dass die Träume lebhaft und vollständig sind.

Schlafen Albträume einordnen

Die Albtraumforschung unterscheidet zwischen den idiopathischen und posttraumatischen Albträumen. „Die idiopathischen entstehen aus dem Nichts heraus, ohne das eine Ursache bekannt ist, während die posttraumatischen eine direkte Folge traumatischer Ereignisse sind“, sagt Annika Gieselmann.

Bis vor kurzem war ein Entscheidungskriterium für „richtige“ Albträume, dass der Betroffene nachts davon aufwachen müsse. „Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass Albträume besonders schlimm sind, wenn man nachts von ihnen aufgeweckt wird“, sagt Gieselmann. Dieses Kriterium wurde jedoch aus dem neuen Klassifikationssystem herausgestrichen. Abzugrenzen vom Aufwachen durch Albträume ist das so genannte nächtliche Aufschrecken (Pavor nocturnus). „Hier wacht man nachts auf, hat Panik, kann sich aber nicht an die Träume erinnern.“ Meistens schreien Betroffene kurz vor der Aufwachphase und sind schweißgebadet – können sich jedoch nicht oder nur bruchstückhaft an die Szenerie erinnern.

Ursachen für Albträume

Warum wir überhaupt unter Albträumen leiden – manche nur ab und an – andere regelmäßig, hat unterschiedliche Gründe. Belastende Lebenssituationen sind eine Ursache, aber es scheint auch eine Veranlagung in der Familie zu geben. „Häufig leiden kreative, empfindsame Menschen unter Albträumen“, sagt Annika Gieselmann. Auch Frauen sind häufiger betroffen. Bei Kindern kommen Albträume besonders oft vor. Das Gehirn stecke noch in der Entwicklung „da werden schon mal Signale fehlgeleitet“, erklärt die Expertin.

Die Geschichte neu schreiben

Albträume sind zunächst nichts Krankhaftes, sie können aber zu einer schweren Belastung werden. „Ausschlaggebend ist, ob der Betroffene einen Leidensdruck durch die Albträume verspürt“, sagt Annika Gieselmann. Jede Woche einen Albtraum zu haben, sei schon sehr häufig. Eine starke Belastung könne ein Grund für immer wiederkehrende Albträume sein.

Die Herangehensweise in der Therapie hängt stark von der genauen Ursache des Albstraums ab. So suchen Psychoanalytiker nach tief verborgenen Gründen für die Albträume und betreiben eine Traumdeutung. Die Verhaltenstherapie, die auch Annika Gieselmann und ihre Kollegen in Düsseldorf praktizieren, geht nicht so weit. „Natürlich gibt es aktuelle Ursachen, belastende Situationen, die auch im Schlaf so verarbeitet werden. Uns geht es in der Behandlung aber vor allem um den Umgang mit der aktuellen Situation.“

Eine Therapie, die sich durchgesetzt hat, ist die sogenannte Imagery Rehearsal Therapy (IRT). Der Ansatzpunkt: Diese Therapie versucht, den Albtraum umzuschreiben, indem die Geschichte, die zum Albtraum führt, neu geschrieben wird, bis sie nicht mehr so belastend ist. „Man findet Erklärungen für merkwürdige Geräusche oder Bilder und schafft so das Schreckhafte ab“, sagt Annika Gieselmann.

Betroffene können diese Therapie auch zuhause allein ausprobieren. Dazu sollten sie den veränderten, neu erfundenen Traum auf ein Tonband sprechen und sich dreimal täglich anhören. „Der neue Traum wird dann nicht zwangsläufig so nachts wiedergegeben, aber man lernt, Einfluss zu nehmen.“ Bei unterschiedlichen Albträumen geht es darum, bestimmte Albtraumfamilien herauszufiltern und jeweils einen Traum neu zu schreiben.