Welche Gefahr von Zecken ausgeht – auch in NRW

Ein Winzling, aber ein gefährlicher. Auch in NRW können Zecken Borreliose übertragen.
Ein Winzling, aber ein gefährlicher. Auch in NRW können Zecken Borreliose übertragen.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Mit einem Biss können Krankheiten wie Borreliose übertragen werden. Wichtig ist, die Zecke möglichst schnell zu entfernen, um Schlimmeres zu verhindern.

Essen.. Sie sitzen im Gras und warten darauf, sich bei uns einzunisten. Bemerken wir die Zecken nicht rechtzeitig, dann droht Unheil: Sie können Krankheiten übertragen, die schwer bis teilweise gar nicht behandelbar sind. Aber es gibt auch eine Impfung gegen die Folgen eines Zeckenbisses.

Sind Zeckenbisse gefährlich?

„Nein, sie sind vor allem unangenehm und jucken“, sagt Professor Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie an der Essener Uniklinik. Kein Wunder, denn die Zecke beißt einerseits zu, andererseits schiebt sie noch eine Art Stachel hinterher. Dittmer warnt: „Gefährlich sind die Krankheiten, die diese Tiere übertragen können.“ Deren Erreger hat die Zecke bei Nagetieren wie Mäusen aufgenommen und gibt sie weiter.

Welche Krankheiten sind das?

Sie heißen Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME, Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute). Beide können sich zunächst an grippeähnlichen Symptomen zeigen, das bedeutet Muskel-, Kopf- und Gliederschmerzen. „Allerdings hat man weder einen Husten noch läuft die Nase. Und die Anzeichen verschwinden wieder“, erklärt Ulf Dittmer. Ein Alarmzeichen für die Borreliose ist zudem ein roter Ring, der sich nach dem Biss um die Wunde herum bildet. Wer dieses Anzeichen bemerkt (auch nachdem die Zecke schon abgefallen ist), sollte nach den Worten des Virologen unbedingt zum Arzt gehen: „Sonst geht man das Risiko von Langzeitfolgen ein.

Infektionsrisiko Der Erreger nistet sich in den Gelenken ein und verursacht Entzündungen, die selbst mit Antibiotika kaum zu behandeln sind.“ Geheilt werden kann derjenige, dessen Infektion innerhalb der ersten vier Wochen nach dem Zeckenbiss mit Antibiotika therapiert wird. Gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) hingegen gibt es kein spezifisches Medikament.

Warum ist FSME so riskant?

„70 Prozent der Menschen, die von einer infizierten Zecke gebissen werden, spüren keine Symptome“, erläutert Ulf Dittmer. „30 Prozent haben nach ein bis zwei Wochen vorübergehend Kopf- und Gliederschmerzen, fühlen sich abgeschlagen.“ Bei einem Drittel von ihnen treten laut dem Experten die gefürchteten Beschwerden auf: eine Hirnhautentzündung, eine Entzündung des Hirns oder des Rückenmarks. Der Patient bekommt Krampfanfälle und Lähmungserscheinungen, kann ins Koma fallen. Mit einer Impfung kann der FSME vorgebeugt werden. Das Robert Koch-Institut empfiehlt sie selbst für Kinder unter drei Jahren, wenn sie sich in einem Risikogebiet aufhalten. Zugelassen ist die Impfung ab dem ersten Lebensjahr.

Wo leben „gefährliche Zecken“, die diese Krankheiten übertragen?

„In Nordrhein-Westfalen können rund 40 Prozent aller Zecken Borreliose übertragen“, sagt Virologe Dittmer. Zu den Risikogebieten für FSME gehören nach Angaben des Robert Koch-Instituts Baden-Württemberg und Bayern, Südhessen und das südöstliche Thüringen. Laut Ulf Dittmer finden sich Zecken, die das FSME-Virus übertragen, auch im Lahn-Dill-Kreis, in Österreich und in der Schweiz.

Was tun, wenn man ein Tier entdeckt?

Wichtig ist es, die Zecke schnell zu entfernen. Idealerweise hat sie sich noch nicht festgebissen. Oder man schafft es, sie von der Haut abzulösen, bevor sie ihren Mageninhalt entleert hat. „Das tut die Zecke nämlich, bevor sie unser Blut aufsaugt – dadurch kommen wir mit den Krankheitserregern in Kontakt“, sagt Ulf Dittmer. Glücklicherweise hat man etwas Zeit, dies zu verhindern. Denn die Zecke sucht sich über Stunden eine feuchte, warme Körperstelle (etwa die Achselhöhle), bevor sie zubeißt. Und auch dann dauert es noch mehrere Stunden, bis sie die Krankheitserreger ausscheidet.

Wie entfernt man die Zecke?

„Die Tiere sind zäh, deshalb am besten durch den Abfluss spülen“, rät Virologe Dittmer. Hat sich das Tier festgebissen, eine Zeckenzange oder Pinzette auf die umgebende Haut drücken und es vorsichtig herausziehen. Das geht auch mit einer speziellen, scheckkartengroßen Karte (in der Apotheke erhältlich). Mit ihr lässt sich die Zecke von der Haut herunterschieben. „Die Zecke sollte möglichst vollständig entfernt werden“, betont Dittmer.

Muss man zum Arzt gehen, wenn man gebissen wurde?

Direkt nach dem Zeckenbiss lässt sich nicht feststellen, ob man von einem Virus infiziert ist. „Der Hausarzt kann die Diagnose erst stellen, wenn der Körper Antikörper gegen die Krankheitserreger gebildet hat.“ Zeigt sich ein auffallender roter Ring um den Biss, sollte man auf jeden Fall eine Blutprobe nehmen lassen – dann liegt der Verdacht auf Borreliose nahe. Gegebenenfalls wird gleich die Antibiotika-Therapie eingeleitet. Dittmer: „Gegen Borreliose gibt es keine Impfung wie gegen FSME, sie muss immer wieder neu behandelt werden.“

Kann man Zeckenbissen vorbeugen?

Insektenschutzmittel helfen nach Worten von Ulf Dittmer gut gegen Zecken. „Damit sollte man die Beine und den unteren Teil der Hose besprühen.“ Grundsätzlich empfiehlt er lange Hosen und Wanderschuhe mit hohem Schaft, wenn man durchs Gras oder an Büschen entlang läuft. Denn dort hocken die Zecken und lauern auf ihre Opfer.