Was bei Darmentzündungen hilft - und wie man sie vermeidet

Divertikel im Darm können zu heftigen Schmerzen führen.
Divertikel im Darm können zu heftigen Schmerzen führen.
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Meist sind Divertikel, kleine Ausstülpungen im Darm, harmlos. Wer jedoch einmal eine Entzündung durchgemacht hat, kämpft häufig immer wieder dagegen.

Essen.. „Sackartige Ausstülpungen der Darmwand“ – das klingt unschön und zeigt: Auch unsere inneren Organe verlieren mit zunehmendem Alter an Zugkraft. Doch zunächst sind Divertikel nicht schlimm, es ist keine Krankheit, die einer Behandlung bedarf. „Meist ist eine Divertikulose ein reiner Zufallsbefund, der den Menschen noch keine Beschwerden bereitet“, sagt Dr. Andreas Schäfer, leitender Arzt der Abteilung für Gastroenterologie am Alfried Krupp Krankenhaus Essen. Besonders bei älteren Menschen treten Divertikel häufig auf, wahrscheinlich, weil das Bindegewebe nachlässt und sich damit der Darm stärker nach außen wölbt.

Ballaststoffe als Prophylaxe

Divertikel finden sich in den meisten Fällen im Sigma. Das ist der Teil des Darms kurz vor dem Enddarm. Hier wird der Stuhl gespeichert und Flüssigkeit noch mal entzogen. „Damit sich die Divertikel nicht so schnell entzünden, ist es wichtig, den Stuhl weich zu halten – Verstopfung ist absolut ungünstig“, sagt Andreas Schäfer. Das Problem: Kot kann sich bei Verstopfung leichter in den Divertikeln festsetzen und zu Entzündungen führen.

„Deswegen raten wir auch schon Menschen mit einer Divertikulose ballaststoffreich zu essen“, sagt Schäfer. Noch vor einiger Zeit wurde Patienten geraten, Körner und Nüsse zu meiden. Man nahm an, dass sich diese Lebensmittel in den Ausstülpungen festsetzen und zu Entzündungen führen können. Davon ist man heute nicht mehr überzeugt. Studien konnten nicht nachweisen, dass Körner eine Entzündung begünstigen.

Diagnose mit Ultraschall

Blähungen und eher unspezifische Beschwerden sind typische Symptome einer Divertikelkrankheit. „Häufig findet man hier eine Überschneidung zum Reizdarmsyndrom“, sagt der Gastroenterologe. Patienten mit Reizdarmsyndrom verspüren oftmals schon Beschwerden, auch wenn die Divertikel noch nicht richtig entzündet sind. Mit erhöhten Entzündungswerten, starken Bauchschmerzen, Durchfall und Verstopfung im Wechsel, wartet bei vielen Patienten eine Divertikulitis auf.

Gesundheit Häufig zeigen sich beim Abtasten des Unterbauches im linken Bereich ein Druckschmerz und eine walzenförmige Verhärtung. Jetzt sind die Divertikel entzündet und machen sich deutlich bemerkbar. Um die richtige Diagnose zu stellen, steht eine Blut- und Ultraschalluntersuchung als erstes auf dem Plan. „Zeigt sich im Ultraschall, dass auch umliegendes Gewebe mitbetroffen sein könnte, sich zum Beispiel ein Abszess gebildet hat, dann sollte man zur genauen Abklärung auch noch ein CT oder MRT machen“, sagt Andreas Schäfer.

Therapieempfehlungen

Die Therapie einer Divertikulitis richtet sich stark danach aus, welche Beschwerden der Patient hat, ob er schon häufig entzündete Divertikel hatte und inwieweit sich die Entzündung ausweitet. Die Behandlung dieser Erkrankung hat sich in den letzten Jahren jedoch insgesamt verändert. So wurde vor einiger Zeit noch viel eher ein Antibiotikum verschrieben – auch bei leichten Verläufen – und zu einer Operation des Dickdarms geraten, wenn ein Patient mehr als drei Entzündungsschübe hatte.

„Heute verschreiben wir erst ein Antibiotikum, wenn der Betroffene starke Schmerzen hat und hohe Entzündungswerte zeigt“, sagt Andreas Schäfer. Zudem muss der Patient auch bei einer Antibiotikagabe nicht zwingend stationär bleiben, solange das Medikament gut anschlägt und keine Komplikationen zu erwarten sind.

Auch die Nahrungskarenz mit Flüssigkeitszufuhr über die Vene soll heute nur noch bei einer schweren Entzündung der Standard sein. „Wenn der Patient die Behandlung ambulant durchführen kann, spricht nichts gegen eine leichte, verträgliche Kost während der akuten Phase“, so Schäfer. Eine Operation wird bei einer Divertikulitis jedoch nötig, wenn es zu Komplikationen kommt. „Das ist der Fall, wenn ein Darmverschluss droht, Divertikel platzen und es zu einem Durchbruch kommt.“ Auch Abszesse, die sich neben dem Darm bilden und durch eine Drainage nicht behandelt werden können, seien Grund für eine Operation.

Organ Wer einmal an einer Divertikulitis erkrankt ist, der bekommt sie oft auch weitere Male. „Es gibt Menschen, die bis zu dreimal jährlich wiederkommen und wieder einen akuten Schub haben.“ Nicht selten wünschen sich solche „Dauerkandidaten“ eine Operation, um endlich Ruhe zu haben. Medikamente, die zuverlässig einer Entzündung vorbeugen, gebe es aktuell nicht, so Schäfer. Die einzige Prophylaxe sei eine gesunde ballaststoffreiche Ernährung, viel Bewegung und das Vermeiden von Übergewicht.

Zahl der Patienten steigt

Zwischen 28 und 45 Prozent der Gesamtbevölkerung haben laut aktueller Leitlinie eine Divertikulose. Mehr als 60 Prozent der über 70-Jährigen haben Divertikel im Darm. Gerade in den westlichen Ländern steigt die Anzahl.

Zudem sind immer mehr jüngere Patienten betroffen. Mögliche Gründe für die Zunahme sind die Lebens- und Ernährungsgewohnheiten: wenig Ballaststoffe, viel rotes Fleisch, keine ausreichende Bewegung, Tabak- und Alkoholkonsum.