Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Forschung

Warum Zecken manche Menschen als Wirte bevorzugen

11.04.2012 | 08:45 Uhr
Zecken können gefährliche Krankheiten wie die Gehirnentzündung FSME oder Borreliose übertragen.Foto: dapd

Berlin.  Manche Menschen werden häufig von Zecken gestochen, andere nie oder selten. Wissenschaftlern ist es bisher nicht gelungen, die Ursache dafür zu finden. Möglicherweise spielt der Geruch eine Rolle. Da die Tiere gefährliche Krankheiten übertragen können, ist generelle Vorsicht geboten.

Einige Menschen werden dauernd von Zecken gestochen, andere gar nicht oder selten. Eine wissenschaftliche Erklärung dafür steht noch aus, möglicherweise liegt es am Geruch. Denn Zecken lassen sich bei der Suche nach einem Wirtstier für ihre Blutmahlzeit von drei Reizen leiten: Bewegung, Wärme und chemotaktische Faktoren, also vor allem Duftstoffe, wie Christine Klaus vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Jena im dapd-Interview sagt.

Weil die Spinnentiere gefährliche Krankheiten wie Gehirnentzündung FSME oder Borreliose übertragen können, ist in jedem Fall Wachsamkeit oberstes Gebot. Gegen FSME, die vor allem in bestimmten Risikogebieten auftritt, kann man sich mit einer Impfung schützen. Bei Borreliose schützen Vorsichtsmaßnahmen wie die Verwendung zeckenabweisender Mittel oder das Tragen langer Hosen im Wald und auf der Wiese.

Klaus, Wissenschaftlerin im Nationalen Referenzlabor für durch Zecken übertragene Krankheiten am FLI, rät zu Gelassenheit: "Man muss sich mit den Zecken arrangieren wie mit jedem anderen Risiko auch." Denn Zecken gebe es seit vielen hundert Jahren, und "es wird sie immer geben", sagt sie.

Für die Zecke sei der Kontakt mit einem Menschen in der Regel allerdings nicht zuträglich: Der Mensch trage die Zecke mit in seine Wohnung, dort könne sie wegen mangelnder Luftfeuchtigkeit in der Regel nicht überleben, trockne aus, falle ab und lande im Staubsauger. "Der Mensch ist für die Zecke eine Fehlentscheidung", sagt Klaus. Ähnliches passiere, wenn die Zecke über ein Haustier in die Wohnung gelange. Übrigens können sich auch Hunde und Katzen mit FSME oder Borreliose infizieren.

Zecken verkraften Frost bis minus 20 Grad

Zecken benötigen zum Überleben bestimmte Temperaturen, eine hohe Luftfeuchtigkeit und ausreichend Wirtstiere für ihre Blutmahlzeit - Mäuse, Igel, Füchse oder andere Waldsäugetiere, wie Klaus erklärt. Ob der Winter mild oder weniger mild verlaufen sei, spiele nur eine Nebenrolle: Zecken verkraften Frost bis minus 20 Grad locker; ab fünf bis sechs Grad plus steigt ihre Aktivität.

In bestimmten Gegenden Deutschlands können die Zecken den FSME-Erreger übertragen - vom Robert-Koch-Institut (RKI) definierte Risikogebiete liegen vor allem in Bayern und Baden-Württemberg sowie in einigen Regionen im südlichen Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der FSME-Erkrankungen relativ stabil geblieben, wie RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher sagt: 2011 wurden 423 Fälle registriert, im Jahr zuvor 260, 2009 waren es 313 Fälle. 2008 erkrankten 289 Menschen an FSME, 2007 waren es 239, 2006 und 2005 546 beziehungsweise 432 Menschen.

Hohe Dunkelziffer bei Borreliose

Bei Borreliose ist es komplizierter: Die Infektion, die meist das Nervensystem des Menschen betrifft, ist in den meisten westlichen Bundesländern keine meldepflichtige Krankheit. In den Jahren 2004 bis 2010 wurden aus Ostdeutschland beim RKI zwischen 4.000 und 6.000 Fälle gemeldet. Allerdings dürfte die Dunkelziffer hoch sein, weil Borreliose oft erst spät diagnostiziert wird. Zwischen 5 bis 40 Prozent der Zecken können mit Borrelien infiziert sein. Impfen lassen kann man sich nicht, eine Infektion schützt nach einer gewissen Zeit auch nicht vor einer Neuansteckung.

Dass sich die Zecken angesichts des Klimawandels in den vergangenen Jahren besonders ausgebreitet haben könnten, lasse sich so eindeutig nicht sagen, betont Klaus. Studien aus Schweden legten die Vermutung nahe, dass es eine Verbreitung in Richtung Norden gegeben haben könnte. Tschechische Forscher hätten Zecken in hohen Lagen über 1.000 Meter nachgewiesen. Es gebe aber nicht immer verlässliche Vergleichsdaten früherer Jahre. Dies gelte besonders für die Frage, ob die Zahl der Zecken insgesamt zugenommen habe, erklärt die Wissenschaftlerin.

Gesundheitsirrtümer

 

Kommentare
11.04.2012
09:33
Diese Biester kommen nicht nur von unten,
von vantast | #1

da sie bei mir häufiger in Brusthöhe waren, dabei konnten sie nicht von unten gekommen sein, weil sie das Gummiband der Unterhose nicht überwinden können. Also auch oben abschließen!

Funktionen
Aus dem Ressort
Es juckt! - Was bei Hauterkrankungen hilft
Gesundheit
Hauterkrankungen machen vielen zu schaffen. Zum einen stören Juckreiz und Brennen rein körperlich, gleichzeitig leidet die Psyche darunter, wenn...
Fragen an den Arzt am besten aufschreiben
Gesundheit
Arztbesuche sind besonders anstrengend, wenn man sehr krank ist. Fragen, die man an das Personal hat, können einem in einer solchen Situation schnell...
Bottroper Bergmann (27) postet Gesundes in seinem Food-Blog
Kochen
Ein gesunder Burger? Ja, das geht. Der Bottroper Bergmann Daniel Molitor bietet als "Health Nut" regelmäßig seine sportlichen Rezepte auf Facebook an.
Neue Hoffnung im Kampf gegen Augenerkrankungen
Medizin
Chirurgen tüfteln immer ausgefeiltere Verfahren aus, um Augenkrankheiten zu operieren. Doch nicht jede Behandlung ist für jeden Patienten geeignet.
Das Evangelische Krankenhaus Witten tütet Arzneien ein
Medikamente
Um das Thema Sicherheit bei der Arzneimitteltherapie ging es auf einem Kongress, zu dem das Evangelische Krankenhaus eingeladen hat.
Fotos und Videos
article
6542470
Warum Zecken manche Menschen als Wirte bevorzugen
Warum Zecken manche Menschen als Wirte bevorzugen
$description$
http://www.derwesten.de/gesundheit/warum-zecken-manche-menschen-als-wirte-bevorzugen-id6542470.html
2012-04-11 08:45
Gesundheit, Medizin, Zecken, Forschung, Duft, Geruch, Anfälligkeit, Borreliose, FSME, Gehirnentzündung
Gesundheit