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Warum Körper und Seele ein Team sind

02.06.2013 | 15:19 Uhr
Männer haben Probleme damit, sich psychische Beschwerden einzugestehen.Foto: Getty

Bochum/Düsseldorf.   Sprüche wie "Da kommt einem die Galle hoch" oder "Da bleibt einem ja die Luft weg" zeigen: Körper und Seele sind eng miteinander verbunden. Ein Psychiater und Psychotherapeut sowie ein Vorsorgemediziner und Kardiologe erklären, wie der Körper die Seele beeinflusst - und umgekehrt.

Körper und Seele sind ein Team. Beide können aus dem Lot geraten, wenn es einem schlecht geht. Redewendungen wie „Ich habe eine schwere Last zu schultern“, „Das liegt mir schwer im Magen“ oder „Da bleibt einem ja die Luft weg“ – bringen dies zum Ausdruck. Dass Gefühle den Körper beeinflussen, merkt man, wenn das Herz vor Aufregung rast, die Hand zittert oder man vor Scham errötet. Wie der Körper die Seele beeinflusst – und umgekehrt – erklären der Psychiater und Psychotherapeut Prof. Georg Juckel, Direktor des LWL-Universitätsklinikums der Ruhr-Universität Bochum, und Prof. Dietrich Baumgart, niedergelassener Vorsorgemediziner und Kardiologe in Essen und Düsseldorf.

Negativer Stress und die Psyche

„Über die Auswirkungen von Stress auf Körper und Seele gibt es relativ viele Studien“, betont Vorsorgemediziner Baumgart. In Stress-Situationen schütte der Körper Stresshormone wie Cortisol oder Adrenalin aus. „Der Herzschlag beschleunigt sich, Stoffwechsel-Funktionen werden heruntergefahren, die Blutfette und Blutzuckerwerte im Blut gehen hoch.“ Dies sei alles nicht schlimm, wenn Stress ab und zu auftrete. „Problematisch wird es, wenn der Körper dauerhaft auf Stress reagieren muss. Dann kann es zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen. Auch Angstzustände, Burn-Out-Syndrome, Depressionen oder das Entstehen eines Tinnitus sind stark stressabhängig“, betont Baumgart.

Schwere Krankheiten und ihre möglichen seelischen Folgen

„Schwere Erkrankungen wie etwa ein Herzinfarkt, ein Schlaganfall oder Krebs können die Seele natürlich auch in Mitleidenschaft ziehen, etwa zu Depressionen führen“, weiß Psychiater Juckel. Dahinter könnten Gefühle der Hoffnungslosigkeit stehen oder die Angst, der Krankheit ausgeliefert zu sein.

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Absolute Hoffnungslosigkeit. Das Gefühl, nie wieder ein Licht am Ende des Tunnels sehen zu können. Das eigene Leben scheint sinnlos. So beschreiben Depressive oft ihre Gedankenwelt. Ihr Leiden wird häufig übersehen. Dabei gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten.

„Auch umgekehrt ist es so: Seelische Belastungen, wie etwa Ängste, können sich körperlich niederschlagen. Denn Angst ist ein Zustand, den man körperlich fühlt: Betroffene schwitzen, bekommen feuchte Hände, einen schnellen Herzschlag.“ Dies komme dadurch, dass ein Gedanke oder ein Gefühl, das Angst mache, tief gelegene Hirnzentren – etwa das große Angstzentrum im Gehirn (Amygdala) – aktiviere.

Wenn die Seele krank ist und sich der Körper meldet

Laut Juckel gehen Experten davon aus, „dass etwa jeder dritte Patient, der in eine Arztpraxis oder eine somatische Klinik mit körperlichen Beschwerden kommt, primär ein seelisches Problem hat oder aber das körperliche von einem seelischen Problem begleitet wird“. Dietrich Baumgart bemängelt, dass sich ärztliche Diagnosen viel zu oft nur auf die körperlichen Merkmale von Krankheits-Symptomen beziehen. „Findet sich nicht auf Anhieb eine klare Diagnose, folgt für die Patienten nicht selten ein Gang von Facharzt zu Facharzt.“

Wenn der Rücken oder der Kopf schmerzen

Auch bei immer wiederkehrenden Kopf- und Rückenschmerzen, für die sich keine körperliche Ursachen finden lassen, sollte laut Baumgart darüber nachgedacht werden, ob hierfür Stress ein Grund sein könnte. „Denn eine starke seelische Belastung führt schnell zu einer Verspannung der Muskulatur – und somit schließlich zu Schmerzen.“ So hätten auch oft Magen-Darm-Probleme psychische Ursachen. „Seelische Belastungen vermindern den Säureschutz des Magens. So kann es zu Magenschmerzen kommen.“ Natürlich müsse aber erst immer vom Arzt geklärt werden, ob hinter den Beschwerden nicht doch eine körperliche Erkrankung stecke.

Männer und ihr Problem mit der Psyche

Männer haben ein größeres Problem als Frauen zu erkennen, dass es einen Zusammenhang zwischen seelischen Problemen und körperlichen Beschwerden geben kann, so Prof. Georg Juckel. Der Psychiater nennt das Stichwort „Männer-Depression“. „Da kommen Männer zu mir, die haben Schmerzen, nehmen ab, haben schwere Schlafstörungen, Kopfschmerzen und so weiter. Wenn man sie fragt, ob ihre Stimmung verändert ist, sagen die ,nöö’.“ Alles was seelisch sei, werde hierbei abgewehrt. Juckel: „Es handelt sich aber um eine Depression, die sich körperlich zeigt. Da werden dann viele High-Tech-Untersuchungen umsonst gemacht. Es dauert sehr lange, bis die Betroffenen verstanden haben: Das ist die Psyche! Solche Männer bestehen zunächst darauf, körperlich krank zu sein.“

Was man für seine seelische Gesundheit tun kann

Herumgesprochen hat sich, dass Sport und Bewegung ganz wichtig für das seelische Wohlbefinden sind. Seit den 80er Jahren sei etwa bekannt, dass Jogging gegen Depressionen helfen könne, sagt Juckel. „Laufen, Schwimmen, Rad fahren – Ausdauersport ist prima. Dabei wird Serotonin ausgeschüttet!“ Und dies ist mehr als nur ein Gute-Laune-Hormon. Serotonin beeinflusst zahlreiche Funktionen im Körper – von der Darmtätigkeit bis hin zum Schlaf-Wach-Rhythmus.

Jogging für Hirn und Seele

Wichtig fürs körperliche und seelische Wohlbefinden seien aber auch ausreichender Schlaf und eine gute Ernährung. Juckel: „Man weiß etwa, dass Omega-3-Fettsäuren, wie sie in fettem Fisch wie Lachs oder Hering reichlich vorkommen, auch gut für das Nervensystem sind.“

Work-Life-Balance

Arbeit und Freizeit müssen in einem vernünftigen Verhältnis stehen, so dass man immer wieder Erholungszeiten hat, betonen die Mediziner. „Das, was man heute gerne Work-Life-Balance nennt.“ Psychiater Georg Juckel warnt: „Wenn Pausen nicht mehr erholsam sind, freie Wochenenden oder die Ferien, wenn man sich nur noch zur Arbeit schleppt – dann läuft was schief!“

Entspannungs-Techniken

Es gebe Menschen, die sehr gut auf Autogenes Training ansprechen und dabei merken, „man kann sich gedanklich nicht nur hoch-, sondern auch runterdrehen. Alle Entspannungs-Verfahren, auch die Progressive Muskelentspannung oder eine Meditation funktionieren so“, erklärt der Bochumer Professor. Sehr wichtig sei hierbei die Erkenntnis: „Ich kann mental meine psychischen Zustände beeinflussen!“

Jutta Bublies


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