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Virengefahr im Trinkwasser der Ruhr

05.03.2012 | 19:16 Uhr
Virengefahr im Trinkwasser der Ruhr
Problemfall Hochwasser: Wenn Kläranlagen überlaufen, kann mit Fäkalien belastetes Wasser in die Ruhr gelangen. Foto: Blossey

Essen.   Experten warnen in einem Bericht an die Landesregierung vor der Gefahr von Viren und Darmkeimen im Trinkwasser der Ruhr. Fazit: Entlang der Ruhr, aus der Millionen Menschen trinken und in die das Abwasser von Industrie und Haushalten rauscht, reichen die Verfahren zur Überwachung des Trinkwassers nicht mehr aus.

Die derzeitige Technik in Kläranlagen und Wasserwerken entlang der Ruhr reicht nicht aus, um Viren, Darmkeime und andere Krankheitserreger vollständig aus dem Trinkwasser von Millionen Menschen zu entfernen. Davor warnen Wissenschaftler in einem Bericht an die Landesregierung. „Wir wiegen uns in falscher Sicherheit“, sagte Prof. Martin Exner, Chef der deutschen Trinkwasserkommission.

Exner warnte, dass die üblichen Verfahren zur Überwachung der Hygiene veraltet seien. Bei Viren fehle es an Wissen und Analyseverfahren. Es könne nicht sicher attestiert werden, ob Trinkwasser frei von Krankheitserregern sei. „Dies ist mit erheblichen Risiken für die öffentliche Gesundheit verbunden und daher nicht mehr akzeptabel.“

Aus Sicht der Experten müssen insbesondere Wasserwerke an der mittleren Ruhr von Dortmund bis Mülheim mit mehrstufigen Sicherheitsbarrieren ausgerüstet werden. Auch sollten in Kläranlagen feinere Filter installiert werden. „Wir haben uns in der Vergangenheit sehr stark nur auf Risiken durch chemische Schadstoffe konzentriert“, kri­tisiert Exner.

Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) will die Wasserversorger nun schneller zu Investitionen bewegen. In den kommenden zwei Wochen sollen in Gesprächen Fristen zur Nachrüstungen ausverhandelt werden.

Horrorvision wurde 1993 in Milwaukee Wirklichkeit

Es ist der Alptraum der Wissenschaftler: Krankheiten, die durch das Trinkwasser übertragen werden. 1993 wurde in Milwaukee eine Horrorvision Wirklichkeit. In der Industriestadt im Norden der USA schmuggelte sich ein tückischer Darmparasit durch ein Leck im Filtersystem der Kläranlagen und verseuchte das Trinkwasser der Millionstadt. 400 000 Menschen kämpften tagelang mit Durchfall, Fieber und Bauchkrämpfen, 70 starben.

Milwaukee ist weit weg, doch das Thema brennt auch hier in NRW.

Seit ein paar Wochen nun liegt im Umweltministerium von NRW ein Expertenbericht über den Stand der Trinkwasseraufbereitung an der Ruhr vor. Das Papier birgt Zündstoff und dürfte in der Wasserwirtschaft heftige Diskussionen auslösen. Erstmals warnen Experten die Behörden vor Gefahren durch Viren, Bakterien oder Parasiten im Wasser – vom klassischen Darmkeim bis hin zu den tüc­kischen Noroviren, die Brechdurchfall und Schlimmeres auslösen können. Fazit: Entlang der Ruhr, aus der Millionen Menschen trinken und in die das Abwasser von Industrie und Haushalten rauscht, reichen die Verfahren zur Überwachung des Trinkwassers nicht mehr aus.

„Wir müssen davon ausgehen, dass jedes Oberflächenwasser und insbesondere Flussgewässer wie die Ruhr, in die Abwässer eingeleitet werden, mit Viren und anderen Krankheitserregern belastet werden“, sagt Prof. Exner. Er ist Kopf der Expertenkommission, die Umweltminister Remmel nun eindringlich mahnt: Zwar besage die Trinkwasserverordnung, dass Wasser für den menschlichen Gebrauch frei von Krankheitserregern sein müsse. Das aber könne so nicht mehr garantiert werden: „Aus hygienisch-medizinischer Sicht ist das mit Risiken für die öffentliche Gesundheit verbunden und daher nicht akzeptabel.“

Kommentare
08.03.2012
16:49
Virengefahr im Trinkwasser der Ruhr
von hickhack | #17

Das darf ja jetzt alles nicht wahr sein und regt mich wirklich auf. Bis kürzlich wurde in den Medien noch ständig propagiert, dass unser Trinkwasser...
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Virengefahr im Trinkwasser der Ruhr
Virengefahr im Trinkwasser der Ruhr
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2012-03-05 19:16
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