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Väter haben weniger Testosteron im Blut

13.09.2011 | 05:45 Uhr
Väter haben weniger Testosteron im Blut
Väter produzieren weniger Testosteron als kinderlose Männer. Das hat jetzt eine Studie eines internationalen Forscherteams bewiesen. Foto: imago

Washington.  Väter produzieren weniger Testosteron als andere Männer - zeigt eine neue Studie. Männer mit viel Testosteron neigten eher zu potenziell gesundheitsschädlichem Verhalten wie Drogenmissbrauch, Alkoholismus oder sexueller Promiskuität.

Wenn ein Mann Vater wird, verändert dies seinen Hormonhaushalt offenbar dramatisch: Sein Körper produziert dann mehr als ein Viertel weniger Testosteron als zuvor, wie ein internationales Forscherteam jetzt im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichtet. Besonders ausgeprägt sei dieser Effekt bei Vätern, die sich aktiv und mindestens drei Stunden täglich um den Nachwuchs kümmerten. "Das stützt die Hypothese, dass die direkte Interaktion mit dem Kind die Ausschüttung von Testosteron hemmt", sagen die Wissenschaftler

In ihrer Studie hatten die Forscher zunächst die Hormonwerte von 465 männlichen Singles auf den Philippinen bestimmt. 4,5 Jahre später überprüften sie deren Familienstand und die Hormonwerte erneut. Dabei stellten sie zwei Zusammenhänge fest: Zum einen lebten Männer mit anfänglich hohem Testosteronwert später besonders häufig in einer festen Beziehung und waren Vater. Zum anderen lagen ihre Testosteronwerte bei der zweiten Überprüfung um bis zu 26 Prozent unter dem ursprünglichen Wert. "Frühere Studien konnten nicht klären, ob wirklich die Vaterschaft selbst den Testosteronspiegel senkt oder ob die Männer wahrscheinlicher Vater werden, die ohnehin weniger von diesem Geschlechtshormon besitzen", sagen Christopher W. Kuzawa von der Northwestern University in Evanston und seine Kollegen.

Vaterschaft senkt den Hormonspiegel

Jetzt habe man erstmals belegt, dass die Vaterschaft selbst diesen Effekt ausübe. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass auch Männer einen Hormon- und Gehirnstoffwechsel entwickelt haben, der auf fürsorgliche Elternschaft reagiert", schreiben die Forscher. Das stütze die Hypothese, dass Väter sich auch schon bei unseren Vorfahren an der Versorgung des Nachwuchses beteiligt hätten. Zwtl.: Testosterongehalt beeinflusst auch die Gesundheit. Nach Ansicht der Forscher haben die neuen Erkenntnisse auch eine gesundheitliche Bedeutung: Sie könnten möglicherweise erklären, warum verheiratete Männer und Väter seltener an bestimmten Krankheiten leiden. So sei bekannt, dass hohe Testosteronwerte das Risiko für Prostatakrebs und erhöhte Blutfettwerte steigerten, sagen die Wissenschaftler.

Männer mit viel Testosteron neigten zudem eher zu potenziell gesundheitsschädlichem Verhalten wie Drogenmissbrauch, Alkoholismus oder sexueller Promiskuität. Jetzt habe sich gezeigt, dass Familienväter die meiste Zeit ihrer fruchtbaren Jahre eher niedrige Testosteronwerte aufwiesen. "Unsere Ergebnisse deuten daher auch auf wahrscheinliche Gesundheitseffekte der Vaterschaft hin", schreiben die Forscher. Das Geschlechtshormon Testosteron gilt als das "Männlichkeitshormon" schlechthin. Es soll die Libido fördern, den Muskelaufbau, die Aggressivität und letztlich auch die Attraktivität der Männer für potenzielle Partnerinnen.

Unterschiede sind signifikant

Auch Kuzawa und seine Kollegen fanden in ihrer Studie erneut einen Zusammenhang zwischen Testosteronwerten und dem Erfolg bei der Partnersuche. Von den Männern mit hohen Werten dieses Hormons hätten beim zweiten Test signifikant mehr einen Partner gehabt als bei den Männern mit niedrigen Testosteron-Anfangswerten, berichten sie. Wurden die Männer dann Vater, sank das Testosteron im ersten Lebensjahr des Kindes besonders stark, wie die Forscher beobachteten. Der Unterschied zu den Nichtvätern sei auch bei Berücksichtigung anderer Faktoren wie Alter, Stress oder Schlafqualität signifikant groß gewesen. (dapd)

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