Übermäßiges Schwitzen kann behandelt werden

Schweißflecken auf engem Raum: Das ist auch für Unbeteiligte mitunter unangenehm.
Schweißflecken auf engem Raum: Das ist auch für Unbeteiligte mitunter unangenehm.
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Was wir bereits wissen
Der Körper muss schwitzen, um sich abzukühlen. Doch manchmal ist die Schweißproduktion zu hoch. Ärzte können Betroffenen helfen. Sofern die Ursache geklärt ist.

Düsseldorf.. Dichtes Gedrängel in der Bahn. Die einzige Möglichkeit sich festzuhalten, ist die Schlaufe über dem Kopf. Die Arme gehen nach oben, die Schweißtropfen laufen am Arm herunter, das Hemd schmiegt sich klamm an den Rücken. Gerade im Sommer ist dieses Szenario nicht ungewöhnlich. Wir müssen schwitzen, um unseren Körper abzukühlen. Es gibt aber auch Menschen, die schwitzen nicht nur heftig bei Anstrengung oder Hitze, sondern in vielen anderen Situationen. Übermäßiges Schwitzen wird auch Hyperhidrose genannt. Doch wie kommt es dazu?

Botenstoff Acetylcholin

Fast überall in der Haut sind Schweißdrüsen, besonders viele in den Handinnenflächen, den Fußsohlen und auf der Stirn. Gesteuert wird das Schwitzen über das vegetative Nervensystem, genauer dem sympathischen Nervengeflecht. Wenn unsere Körpertemperatur über dem Soll-Wert liegt, gibt der Botenstoff Acetylcholin das Kommando an die Drüsen: „Produziere Schweiß“.

Verbraucher So führen jedoch nicht nur Hitze und Sport zu einer erhöhten Schweißproduktion, auch Stress lässt uns schwitzen. Wer kennt nicht die nassen Hände vor einer Prüfung. Zu einer Belastung wird es, wenn Betroffene ständig klatschnasse Hände haben oder an der Stirn die Schweißperlen nur so laufen. Taschentücher werden zum ständigen Wegbegleiter, so mancher hat Angst vor körperlicher Nähe, weil er sich schämt.

Die Suche nach der Ursache

„Betroffene, die zu uns in die Sprechstunde kommen, haben meist schon eine ganze Reihe an Untersuchungen hinter sich“, sagt Dr. Peter Arne Gerber, Leitender Oberarzt der Hautklinik am Düsseldorfer Uniklinikum. Denn übermäßiges Schwitzen kann ganz verschiedene Ursachen haben. „Meistens steht als erstes die Untersuchung der Schilddrüse an“, sagt Gerber. Um mögliche Störungen im Hormonhaushalt aufzudecken.

In der Hyperhidrose-Sprechstunde an der Uniklinik Düsseldorf, kann auch die Schweißmenge genau bestimmt werden. Dabei kommen zwei Methoden zum Einsatz: die Gravimetrie und der Jod-Stärke-Test. „Bei der Gravimetrie wird ein Filterpapier auf das betroffene Areal gegeben und nach einer gewissen Zeit mit einer Feinwaage gewogen“, so Dermatologe Gerber. Beim Jod-Stärke-Test (Minor-Test) werden die Körperstellen, die besonders vom Schwitzen betroffen sind, mit einer Jodlösung eingerieben und anschließend mit einem Stärkepulver bestäubt. „Wo übermäßig Schweiß abgesondert wird, färbt sich das Gemisch blauschwarz.“

Geruch Grundsätzlich unterscheidet man bei der Hyperhidrose zwischen einer primären und sekundären Form. „Bei der primären Hyperhidrose wird eine familiäre Häufung beschrieben.“ Hier ist das übermäßige Schwitzen dann nicht Folge einer anderen Erkrankung. Die genaue Ursache dafür ist bislang aber noch nicht klar. Bei einer sekundären Hyperhidrose tritt das Schwitzen als Begleiterscheinung auf. Dafür kommen viele verschiedene Krankheiten in Frage. Von Schilddrüsenfunktionsstörungen bis hin zu Infektionskrankheiten und schweren Erkrankungen wie Krebs.

Behandlungsmethoden

Die Behandlung geht laut Peter Arne Gerber stufenweise vor sich. „Üblich ist zunächst die Behandlung mit Aluminiumchlorid.“ Es wird als Lösung auf die Haut aufgetragen und verstopft die Schweißdrüsen. Aluminiumchlorid hat Schlagzeilen gemacht, weil es in Verdacht steht krebserregend zu sein. Nicht umsonst werben immer mehr Hersteller von Deos mit einer aluminiumchloridfreien Rezeptur. Dermatologe Geber kann seinen Patienten auch keine hundertprozentige Sicherheit geben, weist aber darauf hin, dass die Studien umstritten seien, vor allem was die kritische Dosis und die Übertragbarkeit von Tierversuch auf Mensch anbelange.

Eine weitere konservative Behandlungsmethode ist die Iontophorese. Hier wird mit schwachem Gleichstrom in einem Wasserbad gearbeitet. „Dadurch wird die Reizübertragung gestört“, so Gerber. Die Nebenwirkungen seien gering, möglich sei bei kleinen Stromschwankungen der so genannte Weidezauneffekt, also leichte Stromhiebe, die sich wie ein Kribbeln zeigen. Um einen wirklichen Erfolg zu spüren, wird empfohlen das Wasserbad regelmäßig anzuwenden.

Wenn diese Maßnahmen die Schweißbildung nicht mindern, kommt noch eine Behandlung mit Botox in Frage. Botox ist nicht nur gegen Falten wirksam, das Gift des Bakteriums Clostridium botulinum, hemmt auch die Freisetzung von Acetylcholin und blockiert damit die Bildung von Schweiß. „Bis zu sechs Monate hält die Wirkung an, die Abstände können auch länger werden, wenn die Behandlung schon mehrfach wiederholt wurde“, sagt Gerber. „Nebenwirkungen sind selten, es kann passieren, dass sich Blutergüsse an den Injektionsstellen bilden.“

Letzter Ausweg OP

Die Kosten für die Behandlung sind hoch, die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nicht immer – es hängt teils vom Schweregrad der Hyperhidrose ab. Vor der ersten Behandlung sollte jeder Patient deshalb einen Antrag auf Kostenerstattung bei seiner Versicherung stellen.

Wenn alle konservativen Behandlungen nicht helfen, gibt es auch diverse operative Maßnahmen. An der Hautklinik in Düsseldorf sei man mit diesen Maßnahmen zurückhaltend, sagt Gerber. So gibt es die Möglichkeit Schweißdrüsen abzusaugen oder ganz zu entfernen, bis hin zu einer Sympathikus -Blockade, bei der die Nerven operativ blockiert werden. Das sei alles aber nicht ohne Risiko.