Trockene Augen – eine ernst zu nehmende Erkrankung

Trockene Augen sind eines der häufigsten Augenleiden. Das Auge brennt und ist gerötet, weil die Oberfläche nicht mehr vollständig befeuchtet ist.
Trockene Augen sind eines der häufigsten Augenleiden. Das Auge brennt und ist gerötet, weil die Oberfläche nicht mehr vollständig befeuchtet ist.
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
Die Ursachen sind vielfältig: Umwelteinflüsse, Hormone, Medikamente. Doch die Beschwerden können meist gut behandelt werden.

Düsseldorf/Münster.. Unsere Augen müssen einiges wegstecken: trockene Klimaanlagenluft im Büro, das Gebläse im Auto, Starren auf den Monitor. Und so ganz folgenlos bleibt die unnatürliche Umgebung ohne Frischluft bei vielen nicht.

Der Tränenfilm, der bei trockenen Augen nicht mehr ausreichend produziert wird, hat eine Schutzfunktion für die Hornhaut des Auges. Ist er vermindert, können Viren und Bakterien leichter eindringen und Entzündungen verursachen.

Neben der Schutzfunktion versorgt der Tränenfilm die Hornhaut mit wichtigen Nährstoffen und Sauerstoff. Wird sie auf Dauer stark unterversorgt, kann auch das zu Schäden führen.

Formen der Trockenheit

„Augenmediziner unterscheiden zwischen der hypovolämischen Form des trockenen Auges, bei der zu wenig Tränenflüssigkeit produziert wird, und der hyperevaporativen Form, bei der aufgrund der gestörten Zusammensetzung der öligen Schicht die Tränen zu rasch verdunsten“, sagt Professor Gerd Geerling, Leiter der Augenklinik an der Uniklinik Düsseldorf.

Augenerkrankung Die äußerste Schicht des Tränenfilms bildet die Lipidschicht. Dieser dünne Fettfilm stabilisiert den Tränenfilm und sorgt dafür, dass er nicht schnell verdunstet.

Die mittlere Schicht besteht aus einer Art Salzlösung. Sie befeuchtet und sorgt dafür, dass Fremdkörper weggespült werden können. Sie kann durch äußere Reize beeinflusst werden, zum Beispiel beim Zwiebelschneiden.

Die dritte Schicht, die direkt an die Hornhaut grenzt, ist die Muzinschicht. Sie vermindert den Abperleffekt, indem sie dafür sorgt, dass die von Natur aus wasserabstoßende Hornhautoberfläche überhaupt erst benetzbar wird.

Brennen und Juckreiz

Es scheint paradox, aber nicht immer zeigt sich ein trockenes Auge auch trocken. „Ganz im Gegenteil: Bei manchen Menschen tränt das Auge ständig“, sagt Nicole Eter, Direktorin der Augenklinik am Uniklinikum Münster. Durch ständiges Tränen versucht es, die Reizungen an der Oberfläche wegzuspülen und die fehlende Flüssigkeit zu kompensieren.

Weitere Hauptsymptome sind brennende Augen, ein Gefühl, als seien kratzige Fremdkörper im Auge, Rötungen und starker Juckreiz. Manchmal sind die Augenlider auch morgens verklebt und es liegt ein Schleier über den Augen – das Sehvermögen kann dadurch eingeschränkt sein.

Hormone als Ursache

Umwelteinflüsse sind nur eine mögliche Ursache. Auch Störungen am Auge, wie zum Beispiel eine Lidrandfehlstellung, können verantwortlich sein. Daneben gibt es Allgemeinerkrankungen wie Rheuma, Schilddrüsenfunktionsstörungen oder Diabetes, die trockene Augen hervorrufen können. Woran viele Betroffene nicht denken: Manche Medikamente können in die Produktion der Tränenflüssigkeit eingreifen. Dazu gehören Betablocker, Beruhigungsmittel, Antihistaminika oder die Pille.

Wie Augen getestet werden Frauen sind generell häufiger betroffen, vor allem nach den Wechseljahren. Dann fällt die Produktion von Östrogenen und Gestagenen stark ab, das beeinflusst die Schleimhäute – auch am Auge. „Der Versuch der Forschung ist es, eine Creme oder Tropfen mit männlichen Sexualhormonen herzustellen, die auch direkt am Gewebe wirken“, sagt Gerd Geerling.

Die richtigen Kontaktlinsen

Auch wenn es vielen Menschen naheliegend erscheint: Kontaktlinsen mit hohem Wasseranteil müssen nicht unbedingt gut sein, wenn man unter trockenen Augen leidet. „Wenn dem Auge vor allem Wasser fehlt, dann trocknen weiche Kontaktlinsen eher zusätzlich aus, weil sie dem Tränenfilm Wasser entziehen“, sagt Gerd Geerling. Zudem müssen Betroffene beachten, dass möglichst künstliche Tränen ohne Konservierungsmittel bei weichen Linsen verwendet werden sollten.

Harte Kontaktlinsen hingegen sind wiederum schwierig, weil sie viel Tränenflüssigkeit brauchen, um beim Lidschlag auf dem Film beweglich zu sein. Andererseits übernehmen Kontaktlinsen auch eine gewisse Schutzfunktion. So werden sie auch in der Therapie des trockenen Auges verwendet. Diese speziellen Linsen sind größer als die gängigen und schützen den Tränenfilm.

Künstliche Tränen

Beschwerden durch trockene Augen schränken zwar ein, insbesondere bei der Bildschirmarbeit. Sie sind in der Regel aber gut behandelbar. Trockene Augen müssen benetzt werden, damit der Film wieder seine Funktion aufnehmen kann. Die erste Wahl in der Therapie sind deswegen künstliche Tränen. Fehlt dem Auge vorrangig Fett, Wasser oder, was seltener vorkommt, Schleim?

„Tränenersatzflüssigkeiten gibt es auch in Gelform, hier hält die Wirkung länger an“, sagt Nicole Eter. Wichtig sei es, die Tropfen wirklich konsequent zu nutzen. „Es gibt Patienten, denen empfehle ich, stündlich das Auge zu benetzen“, so Augenärztin Eter. Dazu kommen in der Therapie oftmals noch entzündungshemmende Medikamente. „Entzündungen am trockenen Auge sind sehr oft Ursache oder zumindest die Folge“, sagt Gerd Geerling. Deswegen müsse hier auch eine Behandlung erfolgen.

Ein Trend, der in der Therapie seit einigen Jahren aufflammt, sind die Omega-3-Fettsäuren. Nicole Eter empfiehlt ihren Patienten bislang noch keine Einnahme. Erste Hinweise auf eine positive Wirkung hätten sich zwar abgezeichnet, jedoch fehlen bislang Studien, die einen positiven Effekt beweisen.