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Studien zu Krebs-Stammzellen spalten die Forschergemeinde

07.10.2012 | 08:45 Uhr
Studien zu Krebs-Stammzellen spalten die Forschergemeinde
Bei den jüngsten Experimenten wurden Mäusen markierte Krebszellen von Hirntumoren injiziert.

New York.  Studien belegen, dass es Krebs-Stammzellen gibt, die für die erneute Ausbreitung von Tumoren verantwortlich sind. Sollte sich diese Theorie bestätigen, müsste neue Therapien entwickelt werden, mit denen nicht nur die Tumore, sondern auch die den Krebs reproduzierenden Stammzellen bekämpft werden.

Tumoren können womöglich eigene Stammzellen entwickeln und damit überwunden geglaubte Krebserkrankungen immer wieder aufs Neue zum Ausbruch bringen. Diese Theorie ist nicht neu, ist aber dieser Tage wieder verstärkt in die wissenschaftliche Diskussion geraten. Beflügelt wird der aktuelle Streit der Mediziner durch drei neue Studien von Forschern aus den USA, Großbritannien und den Beneluxstaaten.

Sollte sich die Theorie bestätigen, müsste die Medizinforschung neue Therapien entwickeln, um nicht nur die Tumoren zu bekämpfen. Auch deren gefährliche Hinterlassenschaft – die Krebs reproduzierenden Stammzellen – müssten dann lokalisiert und abgetötet werden. Die Studienergebnisse wurden in den Fachmagazinen "Nature" und "Science" veröffentlicht.

Experimente mit Mäusen nähern sich menschlichen Bedingungen an

Für gesundes Körpergewebe ist bekannt, dass Stammzellen alle möglichen anderen Arten von Zellen reproduzieren können. Die neuen Studien legen den Schluss nahe, dass es auch originäre Krebsstammzellen gibt. In der Vergangenheit basierte die Erkenntnis auf Experimenten mit genmanipulierten Mäusen, deren Immunsystem ausgeschaltet wurde. Diesen wurden menschliche Krebszellen aus Darm und weiblicher Brust eingepflanzt.

Bei den jüngsten Experimenten wurden Mäusen markierte Krebszellen von Hirntumoren injiziert. Anschließend wurden die daraus resultierenden Karzinome mit Chemotherapie , wie sie auch beim Menschen zum Einsatz kommt, bekämpft. Mehrheitlich schlug die Behandlung an, und die bösartigen Wucherungen konnten beseitigt werden. Offensichtlich hätten die ausgelöschten Tumoren aber zwischenzeitlich die vorher markierten Zellen reproduziert. So kam es bei den meisten Mäusen erneut zum Ausbruch von Krebs.

"Der wahre Feind ist gefunden"

Luis Parada, vom Southwestern Medical Center in Dallas, ist fest davon überzeugt, damit den "wahren Feind" die Krebsstammzelle gefunden und nachgewiesen zu haben. Erste nicht repräsentative Beobachtungen und Untersuchungen bei Menschen hätten ähnliche Resultate geliefert. Die beiden vergleichbaren, aber unabhängig in Großbritannien und den Beneluxstaaten durchgeführten Mausmodelle würden die Ergebnisse untermauern, urteilt Jeffrey M. Rosen, anerkannter Krebsspezialist an der Universität von Houston, der an keiner der Studien beteiligt war.

Professor Scott Kern von der Johns Hopkins Universität in Baltimore bleibt jedoch skeptisch gegenüber der Stammzellen-Theorie. Dies müsse uneingeschränkt und repräsentativ am Menschen nachgewiesen würde. Bis dahin sei unklar, ob sich in der Humanmedizin der Fokus der Therapieentwicklung gegen den Krebs tatsächlich massiv verschieben müsse. (dapd)



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