Studie rügt unsinnige Untersuchungen vor Operationen

Vor kleineren Operationen werden häufig unsinnige Untersuchungen vorgenommen.
Vor kleineren Operationen werden häufig unsinnige Untersuchungen vorgenommen.
Foto: Getty
Was wir bereits wissen
Eine Studie der Universität Witten/Herdecke kommt zu dem Ergebnis, dass vor kleineren Operationen häufig unsinnige Untersuchungen vorgenommen werden. Oftmals würden körperliche Untersuchungen und medizinische Befragungen ausreichen. Eine Online-Entscheidungshilfe soll Ärzten jetzt helfen, übeflüssige Untersuchungen zu vermeiden.

Witten/Herdecke.. Vor kleineren Operationen werden häufig unsinnige Untersuchungen vorgenommen. Zu diesem Schluss kam Professor Andreas Sönnichsen von der Universität Witten/Herdecke. In der von ihm geleiteten Studie, an der auch österreichische und schwedische Wissenschaftler teilnahmen, ging es um Routine-Untersuchungen vor kleineren Operationen in den Bereichen Orthopädie, Hals-Nasen-Ohren oder Allgemeinchirurgie.

Für seine Arbeit wurde Sönnichsen jetzt mit dem David-Sackett-Preis ausgezeichnet, den das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (DNEbM) vergibt. Rund 1500 Patienten waren in die Studie einbezogen. Bei zwei Dritteln hätten körperliche Untersuchung und medizinische Befragung vor der Operation ausgereicht. Dennoch gab es insgesamt 3.380 weitergehende Tests. Dazu zählten großes Blutbild, Leberwerte, Gerinnungsparameter, Elektrolyte, EKG und Thorax-Röntgen.

Unnötige Kosten und unnötige Eingriffe

"In einem nahezu evidenzfreien Raum wird unstrukturiert allerlei Routine-Diagnostik vor solchen Eingriffen durchgeführt, die aber keinen Nutzen bringt und zumeist viel zu umfangreich ist", sagte Sönnichsen und verwies auf unnötige Kosten. Selbst zufällig entdeckte Befunde hätten meist keinen Einfluss auf die Operation, heißt es aus der Wissenschaftler-Gruppe.

Sie entwickelte eine Online-Entscheidungshilfe namens PROP für Ärzte. Damit werden Untersuchungsdaten, Operationsschwere, Patientenalter und Geschlecht von Patienten gesammelt. Das Programm schlägt dann sinnvolle präoperative Untersuchungen vor. Vor der PROP-Einführung habe es 3,4 unnötige Tests pro Patient gegeben, danach nur noch 0,6, heißt es. (dapd)