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Streik

Streik der niedergelassenen Ärzte soll noch im September starten

13.09.2012 | 12:06 Uhr
Die niedergelassenen Ärzte wollen im Honorarstreit mit den Krankenkassen mit einem Streik ein Zeichen setzen und in den kommenden Wochen ihre Praxen teilweise geschlossen halten. Foto: dapd

Berlin.  Die 130.000 niedergelassenen Ärzte wollen mit Praxisschließungen und Warnstreiks gegen das aus ihrer Sicht zu magere Ergebnis der Honorarverhandlungen protestieren. Die Streiks sind noch im September vorgesehen.

Patienten müssen sich bundesweit auf lange Wartezeiten beim Arzt oder verschlossene Praxistüren einstellen. Eine Mehrheit von 75 Prozent der 150.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten sprach sich bei einer Urabstimmung für Praxisschließungen aus, wie Organisatoren am Donnerstag in Berlin mitteilten. Die Mediziner wollen damit gegen die aus ihrer Sicht zu magere Honorarsteigerung protestieren. Kommt es bei einer neuen Verhandlungsrunde mit den Krankenkassen am Samstag zu keiner Einigung, sollen die Aktionen noch im September starten. "Wir sind kampfbereit", sagte der Sprecher der Allianz Deutscher Ärzteverbände, Dirk Heinrich.

Noch höher als die Bereitschaft zu Praxisschließungen fiel die Zustimmung zu Protestmaßnahmen insgesamt aus, für die 96 Prozent der befragten Mediziner votierten. Es war das erste Mal, dass die rund 30 Berufsverbände zu einer solchen Urabstimmung aufgerufen hatten. An der Aktion beteiligten sich den Angaben zufolge knapp die Hälfte aller Mediziner (49 Prozent). "An der enormen Beteiligung innerhalb so kurzer Zeit zeigt sich das hohe Protestpotenzial der Ärzteschaft", sagte Heinrich. Die von den Kassen durchgedrückte Anhebung der Honorare um gerade mal 0,9 Prozent sei eine "Kampfansage an die Praxisärzte".

Vor zwei Wochen waren die Ärztevertreter im Schlichtungsgremium mit ihrer Forderung nach einem Plus von 3,5 Milliarden Euro gescheitert. Stattdessen verständigten sich die Kassenvertreter gemeinsam mit den unparteiischen Mitgliedern auf ein Plus für 2013 von 270 Millionen Euro. Die Ärzte begründen ihre weitaus höhere Forderung nach einer Steigerung um elf Prozent damit, dass es seit 2008 keinen Ausgleich für die gestiegenen Preise und die Inflation gegeben habe.

Erste Nadelstich-Aktionen

Video
Berlin, 03.09.12: Nur 270 Millionen statt der geforderten 3,5 Milliarden Euro – die niedergelassenen Ärzte gehen aus Protest gegen das Schlichtungsergebnis der Honorarverhandlungen auf Konfrontation zu den Krankenkassen und drohen mit Praxis-Streiks.

Komme es bei den Verhandlungen am Samstag zu keiner Einigung, würden die Verbandsspitzen Anfang nächster Woche über Praxisschließungen noch in diesem Monat entscheiden, kündigte Heinrich an. "Dafür haben wir jetzt nicht nur den Rückhalt, sondern auch das Mandat." Vergangene Woche waren Nachverhandlungen allerdings geplatzt.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, sprach von entscheidenden Gesprächen und appellierte an die Kassenseite, "ihrer Verantwortung gerecht zu werden". Die ambulante Versorgung müsse vor dem Hintergrund des medizinischen Fortschritts und der älter werdenden Bevölkerung zukunftsfest gemacht werden.

Seit dieser Woche laufen bereits erste "Nadelstich"-Aktionen gegen die Krankenkassen. Dabei werden von den Medizinern Anfragen nur noch eingeschränkt beantwortet und Bonushefte nicht mehr abgestempelt. Auch verschickten die aufgebrachten Ärzte Tausende "Protest-Faxe" an die Kassen und ihre Verbände und legten so Telefonleitungen lahm.

Neue Verhandlungen am Samstag

Bei den Verhandlungen am Samstag soll es allerdings nicht um den für den Preis der ärztlichen Leistung entscheidenden Orientierungswert gehen, sondern um eine Verständigung darüber, welche Menge an Leistungen künftig bezahlt werden soll. auch dies wirkt sich auf die Vergütung aus. Der Chef des Hartmannbundes, Klaus Reinhardt, nannte es nicht entscheidend, ob die notwendigen Mittel durch eine Anhebung des Orientierungswertes oder auf eine andere Art und Weise zur Verfügung gestellt würden. Der Ball liege jetzt im Feld der Krankenkassen.

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) warnte vor schwerwiegenden Folgen  (rtr)



Kommentare
14.09.2012
09:51
Streik der niedergelassenen Ärzte soll noch im September starten
von Juelicher | #10

Der Artikel suggeriert, dass eine klare Mehrheit die Kampfmaßnahmen für richtig halten. Warum die WAZ dies tut - nicht zum ersten Mal im Zusammenhang mit diesem Thema -, ist mir nicht klar!
Es wurden 103.000 Mediziner (von 130.000) angeschrieben. Von diesen hat sich nur die Hälfte an der Abstimmung beteiligt. Von diesen waren rund 75 % für Streikmaßnahmen etc. - dies entspricht rund einem Viertel!
Offenbar gehen auch vielen Ärzten die dreisten u. offensichtlich weit überhöhten Forderungen zuweit. Wie soll insbesondere ein Facharzt, der kaum Hausbesuche macht, bei Öffnungszeiten von 25 oder weniger Std. pro Woche bitteschön auf 14 od. 16 Std-Arbeitstage kommen? Das sind ähnliche Märchen, wie man sie auch von Politikern, vielen anderen Selbständigen, Lehrern etc. immer wieder hört. Man kann diese Legenden auftischen, weil sich das Gegenteil schwer beweisen lässt.
Die Mediziner in meiner Nachbarschaft kamen jedenfalls sehr pünktlich nach Praxisschluß nach Hause!

14.09.2012
07:09
Streik der niedergelassenen Ärzte soll noch im September starten
von Kalutti | #9

Es ist nur eine Minderheit der Ärzte die hier streiken wollen und es sind wahrscheinlich genau die Ärzte, die im Porsche-Targa vorfahren.
Aber es ist auch ein schweres Schicksal wenn man seinem Kind zum 18 Geburtstag nur noch einen gebrauchten Kleinwagen schenken kann. *Ironie aus*

14.09.2012
00:54
Streik der niedergelassenen Ärzte soll noch im September starten
von 1932 | #8

Vorneweg ich bin kein Arzt,aber es geht wieder einmal eine Hetzjagd los,diese typische Deutsche Eigenschaft.Schublade auf reiche Ärzte rein,Schublade zu.
Guckt euch mal auf dem Land um,die haben einen 14-16 Std. Arbeitstag, geöffnet wird um 8:00 in der Mittagspause,werden Hausbesuche gemacht,dann bis 17:00 gearbeitet und bis 18:00-20:00 Hausbesuche,danach Büro bis zu 2 Stunden.
Samstag-Sonntag Büro oder Fortbildung und da ich als Privatpatient ja die Rechnung bekomme sehe ich ja was die verdienen und da bekommt er noch den 2,5 Satz.Ich Wette mit euch allen,ihr würdet den Job keine 2 Tage machen,dann würdet ihr wieder euren Bürosessel vollpupsen.
Es gibt sicherlich noch Ärzte die Millionäre werden,dass sind die,die Eure Frauen mit Botox behandeln,aber der gemeine Hausarzt gehört nicht dazu.

3 Antworten
Streik der niedergelassenen Ärzte soll noch im September starten
von Mirage | #8-1

dann sollten sich diese gebeutelten Hauslandärzte ENDLICH an die wenden, dies verbockt haben. An IHRE KV, die die Umverteilung der Pfründe vornimmt. Aber dazu sind sie ja zu feige, weil sie mit den Vorsitzenden der jeweiligen KV ja per Du sind und sich das nicht verspielen wollen....Da ist es ja einfacher , die Patienten und einfachen ( btw. mit zeitlich befristeten Verträgen ausgestatteten) Kassenangestellten ( jaha, nix mehr Festanstellung, da gibt es inzwischen schon seit knapp 10 Jahren jede Menge ZEITARBEITER) zu knechten. Also genau die, die sich nicht wehren können bzw dürfen.*bah*

Streik der niedergelassenen Ärzte soll noch im September starten
von piedro | #8-2

Ganz Ehrlich...Diese Aufstellung ist totaler quatsch...Ich kenne einige niedergelassene Ärtze, auch auf dem Land, und keine einziger von denen hat die von ihnen beschrieben Arbeitszeiten. Es gibt viele Selbstständige in unserer Gesellschaft und keiner von denen kann mal eben sein Einkommen um 13 % erhöhen..Das ist Wahnsinn.

Mal sehen was die lieben Ärzte sagen würden wenn ihre unterbezahlten Paxismitarbeiter 13% mehr fordern würden! Ich glaube seine Heiligkeit in Weiß wäre "not amused"!!!

Streik der niedergelassenen Ärzte soll noch im September starten
von 1932 | #8-3

Komisch,jeder kennt einen der einen kennt,immer das gleiche...

13.09.2012
20:59
Streik der niedergelassenen Ärzte soll noch im September starten
von Ruhrius | #7

Dann lasst die doch ruhig mal streiken, die unverschämten Krieg-den-Hals-nicht-voll´s. Für die Streikzeit sollen die halt kein Geld bekommen. Na und - bis auf akute Notfälle kann die Masse der Patienten auch mal ein paar Tage oder Wochen warten. Wir sprechen von der Verarmung ganzer Bevölkerungsteile, und diese Klientel ist sich für nichts zu schade.

13.09.2012
17:22
Hippokrates dreht sich im Grab um.
von creck | #6

Ob die Pharmaindustrie so schnell eine geeignete Anzahl von Schinkenröllchenseminaren auf die Beine stellen kann, damit die "streikenden" Ärzte eine angemessene Betätigung finden, ist fraglich.
Die Studenten-Jobvermittlung hat jedoch für das Engagement von Berufsdemonstranten und Jubelpersern vor Ende der Semesterferien bereits grünes Licht signalisiert.

13.09.2012
15:40
Streik der niedergelassenen Ärzte soll noch im September starten
von fogfog | #5

der überschuss der krankenkassen hat die gier der ärzte noch angestachelt. es muss doch eine möglichkeit geben an die gelder der versicherten zu kommen.
mal ein paar ärzte pleite gehen lassen geht ja leider nicht da jeder noch so schlechte arzt
von den versicherten alimentiert wird. lasst sie streiken dann werden viele leute merken das es auch mal ohne monatlichen arztbesuch geht.

13.09.2012
15:16
Streik der niedergelassenen Ärzte soll noch im September starten
von MichaP | #4

Warum wenden sich die Ärzte nicht mal an ihre KBV? Da werden üppige Vorstandsgehälter gezahlt und das Geld ungerecht verteilt und niemand kümmerts.

13.09.2012
14:39
Es wäre schön ...
von Partik | #3

... wenn die Krankenkassen sich dieses mal nicht beeindrucken lassen würden.

Dafür würde ich auch akzeptieren, die entsprechenden Unbequemlichkeiten in Kauf nehmen.

Dummerweise wird das aber wieder so ablaufen, dass nach 1-2 Wochen Chaos die Krankenkassen dann wie immer mit einer theatralischen Geste einlenken, weil man ja die Kunden nicht so leiden sehen könne oder ähnliches.

Sollen die Ärzte doch mal solange streiken, bis sie von selber wieder ihrem Eid nachkommen, oder bis ihr Golfclub die neue Jahresgebühr in Rechnung stellt.

Solange die Ärzte wissen, dass sie mit einem Streik über ein paar Tage keine besonderen Umsatzeinbußen haben, kommt nächstes Jahr der nächste Streik, um zig Prozent mehr abzunaschen.

Klar, dass der Streik pünktlich zum Quartalsende kommt. Da hat man die Quartalsgebühren bereits im Sack, und weiß, dass die Patienten brav zum nächsten Quartal wieder auf der Matte stehen.

13.09.2012
13:50
Streik der niedergelassenen Ärzte soll noch im September starten
von Pit01 | #2

Es sollte nicht in Vergessenheit geraten, dass die Ärztevertreter selbst mit den Kassen die Honorare bzw. Verteilung ausgehandelt haben. Dieses jetzt die Patienten spüren zu lassen finde ich unfair. Sollen sie doch ihren Standesvertretern den Tritt in den Allerwertesten verpassen. Da treffen sie die Richtigen. Oder sind es neue Begehrlichkeiten um an den Topf der hohen Krankenkassenüberschüsse zu gelangen?

13.09.2012
13:32
Streik der niedergelassenen Ärzte soll noch im September starten
von Mirage | #1

Protestfaxe die den einfachen Angestellten das Leben bzw. Arbeiten zur Hölle machen. Also denen die nix, aber auch GAR nix dafür können. Wär zumindest fair dem VORSTAND was zu faxen. Aber mal wieder dreschen die Halbgötter in Weiß auf die ein, die leichte Beute sind, und sich nicht wehren können/dürfen. Gratulation, ihr seid wahre Helden!

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