Das aktuelle Wetter NRW 2°C
Weltdiabetestag

Stevia als gesunde und kalorienarme Alternative zu Kristallzucker

14.11.2012 | 08:45 Uhr
Stevia ist eine gesunde Alternative zu Zucker und gilt gesundheitlich als weitgehend unbedenklich.Foto: gettythinkstock

Berlin/Bonn/Potsdam.   Jährlich verbraucht der Deutsche durchschnittlich 35 Kilo Zucker. Eine Alternative zu Zucker bietet das aus den lateinamerikanischen Stevia-Blättern gewonnene Süßkraut. Kalorienfrei und bis zu 300 mal süßer als Kristallzucker sollte es kein Freifahrtschein für den Genuss süßer Lebensmittel sein.

Rund 35 Kilo Zucker verspeisen die Einwohner Deutschlands Jahr für Jahr pro Kopf. Dabei sollten sie Zucker und mit Zucker gesüßte Lebensmittel oder Getränke nur gelegentlich verzehren, betont die Ernährungswissenschaftlerin Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. "Ein Weniger an Zucker - chemische Bezeichnung: Saccharose - bringt oft ein Mehr an Gesundheit, zum Beispiel bessere Zähne, eine schlankere Figur oder auch ein geringeres Risiko für Diabetes mellitus ."

Stevia ist bis zu 300 mal süßer als Zucker

Wer trotzdem reichlich Süßes genießen möchte, kann nicht nur zu industriellen Süßstoffen greifen, sondern seit einigen Monaten auch zu dem Süßkraut-Extrakt "Stevia" . Bis zu 300 mal süßer als Kristallzucker, kalorienfrei und trotzdem ganz "natürlich", das verspricht das aus den Blättern lateinamerikanischen Süßkrauts (auch: Honigkraut) gewonnene Stevia-Pulver.

Die Ureinwohner Paraguays und Brasiliens süßen seit Jahrhunderten mit Stevia-Blättern, berichtet Gisela Olias vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam. Auch in Japan sei Stevia-Pulver seit den 70er-Jahren weit verbreitet. In den EU-Staaten sei der Süßkraut-Extrakt allerdings erst seit Dezember 2011 als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen. "Seitdem gelten Bedenken, er könne beim Menschen Krebs erregen oder dessen Fruchtbarkeit beeinträchtigen, unter Wissenschaftlern als ausgeräumt."

Regelmäßiger Konsum kann den "Süßhunger" steigern

Unbegrenzt zu empfehlen sei Stevia allerdings ebenso wenig wie chemisch hergestellte Süßstoffe, erläutert Stefanie Gerlach von diabetesDE, der Deutschen Diabetes-Hilfe. Zwar habe der Süßkrautextrakt anders als Zucker so gut wie keinen Nährwert - weder für den Menschen noch für unliebsame Karies-Bakterien - und auch keinen Einfluss auf den Insulin- oder Blutzuckerspiegel. Aber regelmäßiger Süße-Konsum führe oft dazu, dass der "Süßhunger" der Betroffenen steige und sie nicht nur ihre Dosis vergrößerten, sondern auch die Gesamtmenge an süßen Nahrungsmitteln, die sie mit "gutem Gewissen" verzehrten.

Info
Weltdiabetestag

Der Weltdiabetestag wird seit 1991 begangen, seit 2007 ist er offizieller Tag der Vereinten Nationen. Zuvor wurde er von der Internationalen Diabetes-Föderation (IDF) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) organisiert. Der 14. November wurde gewählt, weil an diesem Tag Frederick G. Banting geboren wurde, der gemeinsam mit Charles Herbert Best 1921 Insulin entdeckt hat.

An dem Aktionstag finden weltweit Veranstaltungen zum Thema Zuckerkrankheit statt, die zentrale Veranstaltung in Deutschland wird am 18. November in Berlin organisiert, Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr ist Schirmherr. Mehr als 30 Experten werden im Internationalen Kongresszentrum (ICC) Vorträge halten.

Zuvor findet am 16./17. November die Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) statt. Nach dem Weltaidstag ist der Weltdiabetestag der zweite Aktionstag der Vereinten Nationen, der einer Krankheit gewidmet ist. Eine entsprechende Resolution verabschiedeten die UN Ende 2006. Hintergrund war die weltweit steigende Zahl von Diabetes-Patienten und der Wunsch, mehr Prävention zu betreiben. 

(dapd)

"Ein Kuchen bleibt aber ein Kuchen, mit viel Fett und wenig Gesundem, auch wenn er 'nur' mit Süßstoff oder Stevia gebacken wurde." Auch deshalb sei die oft als Empfehlung missverstandene Kennzeichnung "für Diabetiker geeignet" auf Produkten mit Zuckeraustausch- oder Süßstoffen inzwischen ein Auslaufmodell.

Süßstoffe und Stevia sind kein "Freifahrtschein"

Stevia-Süße verursache einen lakritzartigen, bitteren Nachgeschmack, denn sie rege auch die Bitterrezeptoren der Geschmacksnerven an. Ernährungswissenschaftlerin Olias beurteilt das Süßkraut deshalb zwar als wirksame, gesundheitlich unbedenkliche Alternative zu Zucker - "aber den vollen Zuckergeschmack kriegen Sie so nicht." Was das Essen anbelangt, gelte ohnehin: "Künstlich gesüßt heißt längst nicht immer kalorienarm oder gar gesund. Fette und Kohlenhydrate behalten ihren Nährwert - Stevia ist wie Süßstoff kein Freifahrtschein." (dapd)

Die Dickmacher

 



Kommentare
Aus dem Ressort
Im Herbst starten Pollenallergiker mit Hyposensibilisierung
Gesundheit
In den Herbst- und Wintermonaten können Pollenallergiker beschwerdefrei durchatmen. Doch sollten sie daran denken, dass ihnen im nächsten Frühjahr mit der Überreaktion des Körpers wieder eine große Belastung bevorsteht. Eine Therapie kann helfen.
Lieber gleich ganz aufhören - So gelingt der Rauchstopp
Gesundheit
E-Zigaretten sind laut dem Bundesverwaltungsgericht keine Arzneimittel. Damit dürfen sie weiter in Tabakläden verkauft werden. Als Ersatz für die normale 'Fluppe' sollten sie aber besser nicht dienen. Wer aufhören will, kann das auch anders schaffen.
Verbot abgelehnt - E-Zigaretten sind keine Arzneimittel
Bundesverwaltungsgericht
Die umstrittenen E-Zigaretten sind keine Arzneimittel. Das hat das Bundesverwaltungsgericht am Donnerstag verkündet. Wären diese sogenannten Liquids als Arzneimittel eingestuft worden, hätten sie nicht mehr wie bisher in Tabakläden oder im Internet verkauft werden dürften.
Lieber ganz aufhören - Tipps für angehende Nichtraucher
Gesundheit
Dass Rauchen ungesund ist, hat sich längst herumgesprochen. Die Hoffnung mancher Raucher, diesen Risiken durch das Umsteigen auf E-Zigaretten zu entgehen, hat sich nicht erfüllt: Auch sie gelten Krebsforschern zufolge als gesundheitlich bedenklich.
Wie Matthias Sammer nach MRSA-Infektion ums Leben kämpfte
Infektion
Mehr als 30.000 Patienten sterben Experten zufolge pro Jahr in Kliniken nach Infektionen mit multiresistenten Keimen. Auch Matthias Sammer kämpfte 1997 nach einer Routine-OP am Knie um sein Leben. Erst das letzte Antibiotikum schlug an. Jetzt erzählt er seine Geschichte - um aufzurütteln.
Umfrage
30.000 Patienten sterben jedes Jahr an einer Infektion mit multiresistenten Keimen . Wie fühlen Sie sich dabei?

30.000 Patienten sterben jedes Jahr an einer Infektion mit multiresistenten Keimen . Wie fühlen Sie sich dabei?

 
Fotos und Videos