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Hygienemangel

Spur der Keime – Mangelnde Klinik-Hygiene kann tödlich enden

11.03.2013 | 05:45 Uhr
Spur der Keime – Mangelnde Klinik-Hygiene kann tödlich enden
Ein Mangel an Hygiene in Krankenhäuser und Kliniken kann tödlich enden.Foto: Getty

Berlin.  Es ist wie eine Seuche: Tausende Patienten sterben in Deutschland jedes Jahr an Klinik-Infektionen – besonders betroffen sind Säuglinge, Schwerkranke und ältere Menschen. Hygiene-Berichte von Patienten und Pflegepersonal klingen mitunter haarsträubend. Liegt es am System?

Die Spur der Keime in deutschen Krankenhäusern ist lang, und manchmal endet sie tödlich: Mindestens drei Babys sind seit 2011 im Klinikum Bremen-Mitte auf der Frühchenstation gestorben. Rund 30 Todesfälle stehen seit 2010 am Uni-Klinikum Leipzig im Verdacht, auf das Konto eines multiresistenten Erregers zu gehen. Gleich zweimal geriet die Berliner Charité wegen Keimen in die Schlagzeilen. Warum sind deutsche Kliniken so anfällig für Krankenhausinfektionen?

"Achtung: Händedesinfektion". Beim Betreten der Frühchenstation im Berliner Virchow-Klinikum der Charité stolpern Besucher förmlich über diese hellgelbe, im Boden eingelassene Mahnung. Rechts neben der Tür fällt der Blick auf den Spender mit Desinfektionsmittel, halbvoll. "Wir haben den höchsten Verbrauch an der gesamten Charité, die Goldmedaille sozusagen", sagt Christoph Bührer, Direktor der Klinik für Neonatologie (Neugeborenenmedizin).

In blauer Schutzkleidung

"Die Eltern nehmen es damit sehr genau", berichtet Bührer. Nur einen Raum weiter liegen zwei winzige Frühchen. Eine junge Mutter steht neben einem Brutkasten, komplett in blauer Schutzkleidung, mit Mundschutz und Handschuhen. "Vorsorglich. Ich war letzte Woche etwas erkältet", sagt sie mit besorgtem Blick auf ihre kleine Tochter.

Freundlich und ruhig ist die Stimmung auf der Station. Die Erinnerung an die Wochen im vergangenen Herbst, als Serratienkeime bei mehr als einem Dutzend Babys der Klinik gefunden wurden und die öffentliche Aufregung hochkochte, scheint fast irreal. "Wir haben hier nicht geschlampt", betont Bührer. Doch nicht jede Ansteckung lasse sich verhindern. Das Gros der Keime, die im Krankenhaus Probleme machen, seien Bakterien. Sie lebten im Darm zahlreicher Menschen. Erst wenn sie in die Blutbahn oder in eine Wunde gelangen, droht eine Infektion. Gute Hygiene-Maßnahmen sollen das verhindern.

Bis zu 15.000 Tote

Das gelingt nicht immer. Das Bundesgesundheitsministerium geht von 400.000 bis 600.000 Patienten aus, die jedes Jahr durch medizinische Behandlungen Infektionen bekommen - und von bis zu 15.000 Toten. Manche Experten halten diese Zahlen noch für viel zu niedrig.

Die Achtsamkeit für das Einhalten der Hygiene-Regeln sei seit dem Herbst nochmals gewachsen, sagt Charité-Arzt Bührer. Eine spezielle Waschmaschine nur für die Säuglingswäsche wurde angeschafft. Räume, die bisher Platz für mehrere Inkubatoren boten, werden zu Einzelzimmern umgebaut. "Das sind teure, wichtige Maßnahmen, um die wir sonst kämpfen mussten. Aber jetzt ist es gegenüber der kaufmännischen Leitung leichter durchsetzbar."

Eine positive Folge der heftigen Tage im Oktober. Erst spät und zögerlich war die Charité mit dem Keim-Ausbruch an die Öffentlichkeit getreten. Zwar zeigte sich schließlich, dass die Serratien nicht für den Tod eines Kindes verantwortlich waren. Aber Überschriften von angeblichen "Killerkeimen" waren in der Welt - und vorschnelle Parallelen zu den toten Babys von Bremen. Sie sind nicht vergessen.

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