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So wirkt sich Stress auf unsere Lernleistung aus

10.08.2012 | 08:45 Uhr
Personen, die unter Stress stehen, lernen häufig unbewusst. Das hat eine Studie der Ruhr-Universität Bochum ergeben.Foto: Getty

Bochum.  Stress stört das bewusste, zielgerichtete Lernen. Das hat eine Studie der Uni Bochum ergeben. Während ungestresste Versuchspersonen ihr Langzeitgedächtnis anregten, wurde bei gestressten Teilnehmern in erster Linie das für unbewusste Lernvorgänge verantwortliche Mittelhirn aktiv.

Die Art des Lernens unterscheidet sich bei gestressten und nicht gestressten Menschen. Die Kognitionspsychologen PD Dr. Lars Schwabe und Prof. Dr. Oliver Wolf von der Ruhr-Universität konnten dies in einem Experiment zeigen.

Bei der Hälfte ihrer 59 Versuchsteilnehmer wurde dadurch Stress erzeugt, dass sie eine Hand drei Minuten in eiskaltes Wasser halten sollten. Die andere Hälfte der Probanden hielt die Hand in angenehm warmes Wasser. Ein Hormontest stellte sicher, dass die erste Gruppe nach dieser Behandlung deutlich gestresster war als die zweite.

In einem weiteren Schritt des Experiments ließen die Forscher die zwei Gruppen - also die 'Stressgruppe' und die stressfreien Teilnehmer - an einem Lerntest teilnehmen, dem sogenannten Wettervorhersage-Test. Dabei sollen die Testpersonen herausfinden, welche Symbole eines speziellen Kartenspiels welches Wetter voraussagen.

Unterschiedliche Strategie zur Lösungsfindung

Beide Gruppen lernten, die Symbole des Spiels richtig zu deuten. Die Strategie zur Lösungsfindung war aber unterschiedlich. Während die stressfreien Versuchspersonen bewusst und zielgerichtet lernten und sich auf einzelne Symbole konzentrierten, verließen sich die Personen, die unter Stress standen, auf ihr Bauchgefühl: Sie deuteten unbewusst die Kombination von Symbolen.

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Hongkong, 04.04.12: Der Hypnose-Therapeut Dick Yu will die sieben Millionen Einwohner der Wirtschaftsmetropole zum Lachen bringen – und sie so vom Stress heilen. Auch andere Gesundheitsexperten schreiben dem Frohsinn eine heilende Wirkung zu.

Während des Lernexperiments wurden zusätzlich die Hirnaktivitäten über Kernspin-Daten erfasst. Die Auswertung der Daten ergab: Ungestresste Versuchspersonen zeigten Hirnaktivität im Bereich des Hippocampus , dem vermuteten Sitz des Langzeitgedächtnisses. Bei den Personen, die Stress ausgesetzt waren, zeigten sich Regionen im Mittelhirn (Stratium) aktiv. Dieser Hirnregion schreibt man die unbewussten Lernvorgänge zu. Lars Schwabe meint hierzu: 'Stress stört das bewusste, zielgerichtete Lernen, das vom Hippocampus abhängt, also nutzt das Gehirn andere Ressourcen. Bei Stress kontrolliert das Striatum das Verhalten - das rettet die Lernleistung.' (mp)



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