So läuft die moderne Wurzelbehandlung ab

Mit einer professionellen Wurzelbehandlung kann ein entzündeter Zahn oft gerettet werden.
Mit einer professionellen Wurzelbehandlung kann ein entzündeter Zahn oft gerettet werden.
Foto: picture alliance / dpa Themendie
Was wir bereits wissen
Wie man eine Wurzelbehandlung verhindern kann und wie Zahnärzte Entzündungen möglichst schmerzfrei behandeln. Manchmal reicht ein einziger Termin aus.

Essen/Kirchhundem.. Wenn ein Zahn „faul“ wird, spüren wir das nicht immer rechtzeitig. So kommt es im schlimmsten Fall, dass wir irgendwann mit einer dicken Backe im Wartezimmer des Zahnarztes sitzen und uns vor einer Wurzelbehandlung fürchten. Acht Millionen solcher Behandlungen gibt es pro Jahr in Deutschland, das meldet pro Dente, eine Initiative von Verbänden, die Fachwissen vermitteln will. Ihr Vorsitzender Joachim Hoffmann praktiziert in Kirchhundem im Sauerland und erklärt, warum Wurzelbehandlungen heute nicht mehr langwierig und weniger schmerzhaft sind.

Wie kommt es zu einer Wurzelentzündung?

„Das passiert nicht plötzlich, sondern ist eine langsame Entwicklung. Dahinter stecken fast immer Bakterien, die Karies verursachen“, sagt der Spezialist Joachim Hoffmann. „Sie durchbrechen den Zahnschmelz – die härteste Substanz, die unser Körper bilden kann – meist an einer kleinen Stelle, zum Beispiel dort, wo ein Zahn den anderen berührt.“

Zahngesundheit Die Bakterien wandern mit der Zeit durch das darunter liegende Zahnbein, das Dentin, und kommen schließlich in die Nähe der sogenannten Pulpa. „Dieser weiche Zahnkern besteht aus Nerven- und Bindegewebe sowie Blutgefäßen. Es zieht sich von einer etwa erbsenkleinen Höhle innerhalb des Zahns bis in die Wurzeln. Dahin können sich auch die Bakterien ausbreiten“, erklärt Hoffmann.

Woran merke ich, dass sich Bakterien ausbreiten?

Erreichen die Bakterien die Nähe der Pulpa, werden die Zähne an dieser Stelle empfindlich. „Und zwar sowohl, wenn ich etwas Kaltes trinke oder esse, als auch wenn ich eine warme Suppe löffele oder einen heißen Kaffee schlürfe“, sagt Hoffmann. Schließlich spüre man den Zahn schon, wenn man auf etwas Hartes beiße, also ihn belaste. „Dann sind die Bakterien in der Pulpa angelangt und das Wurzelgewebe ist entzündet. Der Druck auf dieses Gewebe verursacht Schmerzen.“

Was kann ich dagegen tun?

Reagieren Zähne ungewöhnlich, also etwa länger als eine Woche empfindlich auf Wärme und Kälte, sollte sie sich der Zahnarzt anschauen. Ein Röntgenbild gibt laut pro Dente Aufschluss darüber, ob eine fortgeschrittene Karies die Ur­sache der Entzündung ist und wie weit sich diese schon auf den Kieferknochen ausge­breitet hat. Auf diese Weise kann der Zahnarzt gleichzeitig erkennen, ob er noch mit einer Füllung helfen kann oder ob bereits eine Wurzelbehandlung möglich und sinnvoll ist. „Auf keinen Fall warten, bis die Backe dick wird“, rät Mediziner Hoffmann. „Dann hat sich schon Eiter angesammelt, der abfließen muss.“

Wie läuft eine Wurzelbehandlung ab?

Sie hat das Ziel, das entzündete Pulpengewebe zu entfernen – bis in die Wurzelspitze hinein. Das geschieht, indem der Zahn von oben aufgebohrt wird. Der Zahnarzt öffnet die Verbindung zum Pulpengewebe, „das erzeugt in der Regel trotz der Betäubung einen kurzen Druckschmerz“, erklärt Joachim Hoffmann. Währenddessen wird der Zahn über ein Spann­gummi isoliert, damit über den Speichel keine neuen Bakterien eindringen können. Mit kleinen Nadeln entfernen die Zahnärzte das gereizte und entzündete Gewebe aus den Wurzelkanälen. Diese werden dabei erweitert und innen ausgehöhlt. Ein Medikament kommt hinein, es soll die Bakterien abtöten und das Gewebe heilen lassen.

Zahnarzt-Angst „Die Behandlung kann je nach Entzündungsgrad bis zu vier Sitzungen in Anspruch nehmen“, so der Experte. Die sauberen Wurzelkanäle werden heute meist mit einer cremeförmigen Paste und einem Füllstift aus dem Milchsaft des tropischen Guttaperchabaumes gefüllt. Im 17. Jahrhundert geschah dies laut pro Dente noch mit Blei oder Gold. Eine Füllung kommt oben drauf. Ist eine Wurzelkanalbehandlung notwendig, zahlt diese in den meisten Fällen die Krankenkasse.

Wie erfolgreich ist eine solche Therapie?

„Nach drei bis sechs Monaten zeigt eine Röntgenkontrolle, ob die Wurzelbehandlung erfolgreich war“, erklärt Prof. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. „Die Erfolgsrate liegt bei über 90 Prozent, wenn die Pulpa zwar ent­zündet, aber noch keine umfangreichen Knochenreaktionen vorhanden waren. Bei einer abgestorbenen Pulpa mit Entzün­dung des Knochens wird immer noch eine Quote von über 80 Prozent erreicht.“ Gelingt die erste Wurzel­behandlung nicht, lohnt sich nach seinen Worten auch eine Wiederholung.

Gibt es moderne Behandlungsverfahren?

„Je nach Entzündungszustand können wir die Wurzelkanäle heute in einer Sitzung behandeln und gleich eine Füllung machen“, erklärt Joachim Hoffmann. Dafür setze man besondere Bohrer ein, um sicherzugehen, dass die Kanäle anschließend sauber seien. Eine Behandlung, die laut dem Experten in der Regel nicht schmerzhaft ist. „Allerdings ist das Gewebe in der anschließenden Heilphase etwas empfindlich.“ Die dafür notwendigen Instrumente, die nur einmal benutzt werden, sind teuer. Hoffmann: „Was die Behandlung kostet, das sollte man vorher mit dem Zahnarzt klären.“ Nicht jeder könne das moderne Behandlungsverfahren anwenden – im Zweifel kennt der eigene Zahnarzt einen Kollegen, der sich damit auskennt (siehe unten).

Ist eine Nachsorge notwendig?

Bei einer erfolgreichen Wurzelbehandlung sind die Wurzeln zwar weiterhin aktiv, versorgen den Zahn allerdings nicht mehr mit lebensnotwendigen Nährstoffen. Deshalb wird dieser nach einiger Zeit spröde und kann zerbrechen. „Das lässt sich mit einer Krone aus Metall oder hochwertigem Keramik verhindern. Die Patienten zahlen daran einen Eigenanteil, der zwischen 200 und 500 Euro beträgt“, sagt Joachim Hoffmann.

Kann ich vorbeugen?

Wer seine Zähne mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzt, Zahnseide bzw. Zahnzwischenraumbürstchen benutzt und regelmäßig, möglichst zweimal jährlich, zum Zahnarzt geht, beugt Erkrankungen wie einer Wurzelentzündung gut vor.

Spezialisten für die Wurzelbehandlung finden

Spezialisten, die sich mit besonderen, modernen Wurzelbehandlungsverfahren auskennen, kann man entweder bei seinem Zahnarzt erfragen oder über die Zahnärztekammern finden.