Schmerzmittel soll es nur noch in kleinen Packungen geben
01.01.2012 | 15:46 Uhr 2012-01-01T15:46:00+0100
Berlin. Schmerzmittel sollen künftig nur noch in kleinen Packungen rezeptfrei an Patienten ausgegeben werden, fordert Walter Schwerdtfeger, Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Größere Packungen sollten rezeptpflichtig werden. So will er verhindern, dass Schmerzmittel missbraucht werden.
Rezeptfreie Schmerzmittel sollen aus Sicht von Medizinexperten nur noch in kleineren Mengen erhältlich sein. Die Packungen sollten „so groß sein, dass das Schmerzmittel für drei bis vier Tage reicht“, sagte der Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Walter Schwerdtfeger, der WAZ. „Größere Packungen sollten rezeptpflichtig sein.“
Der Grund dafür ist, dass zu viel Schmerzmittel die Gesundheit gefährden und bis zum Tod führen können. Bei Aspirin, Ibuprofen oder Diclofenac bekämen einige Betroffene Magenblutungen, warnte Schwerdtfeger.
„Bei Paracetamol treten vor allem Leberschäden auf.“ Jährlich würden sich rund 4000 Menschen mit Paracetamol vergiften. Davon dürfen Apotheker schon heute maximal zehn Gramm rezeptfrei verkaufen. Schwerdtfeger hält diese Menge für vernünftig. Der Pharmakologe Ulrich Schwabe dagegen würde noch kleinere Paracetamol-Packungen begrüßen. „Denn schon zehn Gramm auf einmal sind eine tödliche Dosis für Erwachsene“, sagte Schwabe der WAZ.
Pharmaindustrie gegen die Umstellung
2010 wurden in Deutschland 117 Millionen Packungen Schmerzmittel verkauft, 80 Prozent davon rezeptfrei, sagte Schwerdtfeger. Von kleineren Verpackungen verspricht er sich, „dass sich der Konsument so seiner Verantwortung für sich selbst bewusst wird“. Das könnte „ein Signal für Verbraucher sein, dass diese Arzneimittel keine Zuckerpillen sind“, so die Präsidentin der Deutschen Schmerzliga, Dominique Döttling.
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) sieht keine Notwendigkeit für kleinere Packungsgrößen. Eine Umstellung wäre „relativ sinnlos“, sagte ein Sprecher. „Wenn sich jemand ein Leid antun will, dann geht er notfalls in zehn Apotheken, um Schmerzmittel zu kaufen.“ Wichtig sei Aufklärung zum Einsatz der Tabletten.
Im Frühjahr will der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht beim BfArM dem Gesundheitsministerium eine Empfehlung zu den Verpackungsgrößen geben. Es ist der zweite Anlauf. Iim September hatte das Gremium aus Pharmavertretern und Ärzten einen entsprechenden Antrag abgelehnt.
Leberschaden, rezeptfrei
Sie sind rezeptfrei, aber nicht harmlos. Schmerztabletten können zu Magenblutungen, Leberschäden und sogar zum Tode führen. Der Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, Walter Schwerdtfeger, fordert im Interview mit dieser Zeitung kleinere Verpackungsgrößen für Aspirin und Co.
Nehmen die Bürger in Deutschland zu oft und zu sorglos rezeptfreie Schmerzmittel?
Walter Schwerdtfeger: Davon ist auszugehen. Nicht jeder weiß, wie groß die Risiken bei rezeptfreien Medikamenten sind. Man beachte die Menge: 2010 wurden in Deutschland 117 Millionen Packungen Schmerzmittel mit einem Marktvolumen von 572 Millionen Euro verkauft, 80 Prozent davon rezeptfrei.
Was passiert, wenn man zu viele Schmerztabletten schluckt?
Walter Schwerdtfeger: Das kann viele Folgen haben. Einige Betroffene bekommen Magenblutungen, vor allem von Aspirin, aber auch von Ibuprofen oder Diclofenac. Bei Paracetamol treten vor allem Leberschäden auf. Das kann bei entsprechender Empfindlichkeit schon dann passieren, wenn man die vorgegebene Tagesdosis nur um das Doppelte überschreitet.
Können Schmerzmittel süchtig machen?
Walter Schwerdtfeger: Ja, und zwar insofern, als sich eine Toleranz einstellt. Irgendwann tritt bei einem häufiger auftretenden Schmerz dann nur noch kurzfristig Linderung ein. Wenn er wiederkommt, muss man mehr Tabletten nehmen. Das kann auf Dauer dazu führen, dass ein gelegentlicher Kopfschmerz chronisch wird.
Wie viele durch Schmerzmittel Vergiftete oder Getötete gibt es jedes Jahr?
Walter Schwerdtfeger: Dazu fehlen uns verlässliche Zahlen. Wir wissen aber, dass sich jährlich rund 4000 Menschen in Deutschland mit Paracetamol vergiften. Selten mit Todesfolge. Wir bemühen uns zurzeit um die aktuellen Zahlen der Giftnotrufzentralen und weitere Daten, die eine zahlenmäßige Einschätzung ermöglichen können.
Wenn Schmerzmittel so gefährlich sein können, sollte man sie dann nicht alle unter Rezeptpflicht stellen?
Walter Schwerdtfeger: Das wäre sehr konsequent, ist aber nicht unbedingt nötig. In vielen Fällen verschwinden z. B. Kopfschmerzen nach kurzer Zeit von selbst. Mit den Tabletten kann man sie bis dahin erträglich halten. Es wäre übertrieben, die Betroffenen dann zu einem Arztbesuch zu zwingen, um ein Rezept zu erhalten. Die Packungen sollten aber nur so groß sein, dass das Schmerzmittel für drei bis vier Tage reicht. Dann gibt es in aller Regel auch keinen Schaden. Größere Packungen sollten rezeptpflichtig sein.
Was erhoffen Sie sich von kleineren Packungen?
Walter Schwerdtfeger: Ich verspreche mir, dass sich der Konsument so seiner Verantwortung für sich selbst bewusst wird. Wenn er große Packungen rezeptfrei kaufen kann, geht er doch davon aus, dass das Präparat unschädlich ist. Anders ist es, wenn er in der Apotheke nur eine kleine Packung bekommt oder ein Rezept vorlegen muss. Und wer schon größere Packungen gekauft hat und sie in Zukunft nicht mehr erhält, wird in der Apotheke nach dem Grund dafür fragen und über das Risiko informiert werden.
Für Paracetamol gibt es bereits kleinere Verpackungsgrößen. Sollte man diese noch einmal verkleinern?
Walter Schwerdtfeger: Die jetzige Größe ist vernünftig. Sie enthält etwa die dreifache Tagesdosis und ich gehe nicht davon aus, dass die meisten Menschen alle Tabletten an einem Tag einnehmen. Man muss auch einen praktikablen Weg finden. Es macht keinen Sinn, den Leuten nur einzelne Tagesdosen anzubieten oder sie ständig zu zwingen, zum Arzt zu gehen.
Was bringt das aber, wenn man in der nächsten Apotheke eine zweite kleinere Packung kaufen kann?
Walter Schwerdtfeger: Der Unterschied ist: Man weiß dann, dass man riskant handelt. Auch mit behördlichen Vorgaben kann man die Leute nicht zwingen, sich vor sich selbst zu schützen.
Könnten kleinere Packungen die Selbstmordraten durch Tabletten senken?
Walter Schwerdtfeger: Gut möglich. Suizidversuche entstehen oft im Affekt. Dann kommt es darauf an, was man zur Verfügung hat, etwa, wie viele Schmerzmittel man gerade im Haus hat. Aber um es klar zu sagen: Wer einen Selbstmord tatsächlich plant, den wird auch die Notwendigkeit mehrerer Apothekenbesuche nicht davon abhalten können.
12:55
Wie wäre es denn damit:
Den Ärzten die Zeit (und dazugehörige Bezahlung) gewähren, die notwendig ist um die zu chronischen Schmerzen führenden subtilen Erkrankungen zu finden und möglichst zu heilen - oder Maßnahmen zur Besserung zu empfehlen?
Viele Schmerzmittel-Selbstmedikamenteure tun das ja nur, weil sie beim Arzt - insbesondere Facharzt - für kompliziertere oder chronische Leiden keine zeitnahe und adäquate Hilfe bekommen. Optimierer im Medizinerbereich wissen, wie man anamnese- und differentialdiagnosefrei (i.e. mit minimalem Mittel- und Zeitaufwand) den Patienten ohne wesentliche Besserung "austherapiert", damit man dann über IGEL (Leistungen!?) abkassieren kann.
Ja. ganz Schlimmes wird schon oft erkannt, normale "Wehwehchen" verschwinden bei dieser Behandlung (wie sie es ohne auch täten), und die komplzierteren muss der Nicht-Patient mit freien Schmerzmitteln lindern.
13:07
Wer sich Schmerzmittel selbst verordnet wird schnell süchtig. Aber nur noch kleine Packungen? Dann benötigen die Süchtigen mehr Zeitaufwand um mehrere Apotheken zu besuchen. Denn der "böse" Arzt wird ja u.U. kein Schmerzmittel verordnen. Aber die Werbung zeigt uns ja, wie schnell man selbst mit frei verkäuflichen Mitteln Schmerzen beseitigen kann.
12:46
@Auntie
Fachärzte haben ein größeres Quartals-Budget als Allgemeine Ärzte. Gerade wenn man vielleicht ein etwas teureres Medikament benötigt ist man besser dort aufgehoben. Außerdem empfehle ich die Internetapotheke, wenn man nicht gerade Medikamente benötigt, die gekühlt bleiben müssen. Frag mal deine Krankenkasse - schon allein wegen der Rabatte.
12:15
Ich leide öfters unter Kopfschmerzen, die ich (weil ich Medikamente nicht gerne nehme) "ignoriere" oder anderweitig zu bekämpfen suche (z. B. Bad, Schlaf, Massage etc.). Aber manchmal möchte man den Schmerz nur loswerden.
Vor Jahren "empfahl" mir mein Arzt Aspirin. Dann kam ein "um Gottes willen nein" - weil Aspirin ja blutverdünnend ist. Und bei Schmerzen bekam ich dann immer Paracetomol verschrieben - oder kaufte es selber. Ich kaufe keine Mengen, da ich meist noch nach dem Ablaufdatum immer welche übrig habe.
Ich verstehe, dass man Mißbrauch verhindern will - aber der Rezeptzettel bei Paracetomol ist verdammt groß und weist auf die Gefahren hin. Sollte ich wirklich Schmerzmittel nur um der Schmerzmittel nehmen, habe ich - wie viele unten aufgeführt - andere Wege und Mittel, die zu beschaffen.
Was ich jetzt aber sehe... und man verzeihe mir diese Gedankengänge, nur ich habe so etwas in der Praxis erlebt (mit Medikamenten, die meine Eltern betreffen).
Ein Rezept bedeutet den Arzt aufzusuchen - plus Praxisgebühr (bzw. mit dem Verachtung von wichtigen Leuten, die über die zunehmenden Besuche beim Arzt rummeckeln). Zum Ende eines Quartals schreiben Ärzte schon mal nicht so gerne Rezepte aus. Man nannte mir (wer weiß, ob das stimmt) fehlendes Budget.
Ich hatte auch schon mal eine Schwester, die mir mitteilte rein rechnerisch würde ein Medikament noch bis zum nächsten Quartal halten.
Verflixt auch - bei Paracetomol könnten es sich ja mehrere Leute teilen.
Was ich sehe ist weniger Mißbrauch, denn mehr Verwaltung, mehr Lauferei und mehr Probleme beim Arzt.
12:05
Da wird mal wieder deutlich, dass jene Verantwortlichen, die über den Berufsstand des Apothekers mitentscheiden, keine Ahnung von der realen Situation haben. Wer eine komplette Packung ASS, Diclofenac, PCM oder Ibuprofen einschmeißt ist, tut mir Leid, selbst Schuld. Und dass kleinere Packungen der Apotheke helfen ist ebenso Unfug, denn erzählen sie mal dem Rentner der ständig seine Packung für den Monat besorgt, dass dieser jetzt alle 4 Tage zu Ihnen kommen darf. Unter Umständen haben sie diesen zum letzten Mal in Ihrer Apotheke gesehen...
Die Selbstmedikamention soll unattraktiv gemacht werden. Das hat erst einmal nichts mit ihrem Profit zu tun. Und ganz böse halte ich ihren Satz mit "selbst Schuld"! Wenn sie selbst vielleicht gar jahrelang nur Schmerzen haben, würden sie sicher anders reden. Aber gutheißen kann ich es natürlich auch nicht, da nur ein Arzt wirklich beurteilen kann, was nötig und verantwortbar ist. Dabei ruhig öfter mal den Arzt wechseln.
09:59
Völlig egal, ich kaufe diese Medizin eh nur in Holland, weil man dort Schmerzmittel hinterher geworfen bekommt. Soll er mal schön wieder Papa spielen.
09:58
Ein unsinniger Vorschlag, der allenfalls den Herstellern bzw. den Apotheken nutzt, aber keinesfalls den „Patienten“. Wer Schmerzmittel zu sich nimmt und zwar mehr als ihm zuträglich sind, der weiß auch wie er seinen Bedarf decken kann.
Das Übel muss wohl eher an den Wurzeln gepackt werden. Für viele beginnt der Schmerzmittelmissbrauch z.B. mit vermeintlich harmlosen Rückenschmerzen. Ein Arztbesuch bringt in den meisten Fällen nicht viel. Röntgen, eventuell noch eine Spritze, ein Rezept für Schmerzmittel und der Hinweiß mehr auf seinen Rücken zu achten, dass ist es dann aber auch schon. Der Patient fühlt sich spätestens nach dem zweiten, dritten Arztbesuch unverstanden und beginnt sich selbst zu therapieren, in den meisten Fällen wohl in erster Linie mit freiverkäuflichern Schmerzmitteln. Die eigentlichen Ursachen für sein „Leiden“ bleiben weiterhin unerkannt. Ein Teufelskreis entsteht.
Ich denke eine umfassende Diagnostik und eine gezielte Therapie von Anfang an, wäre schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Leider nehmen sich / haben die Ärzte dafür zu wenig Zeit. Die Gründe hierfür sind vielfältig, aber wohl in allererster Linie in unserem staatlich gelenkten Gesundheitssystem zu suchen, Stichwort: Festpreise, Budgetierung usw.
Ob gegen Missstände allerdings kleinere Schmerzmittelpackungen helfen, dass darf doch wohl bezweifelt werden. Das wäre etwa so, als wenn man einem Süßwarenhersteller vorschreiben würde, in Zukunft nur noch kleine Tüten mit Bonbons herzustellen um dadurch z.B. gegen Karies vorzugehen.
04:55
Glaube auch das die meisten Menschen wissen das Tabletten Nebenwirkungen haben.
Wie schon gesagt, wenn ich unbedingt mehr Tabletten holen will gehe ich in mehrere Apotheken oder bestelle in Holland über das Internet.
Verdienen daran werden höchstens die Apotheken oder die Pharma-Industrie.
Diese ist ein weiterer Schritt aus mündigen Bürgern unmündige zumachen.
23:00
Man braucht keine Apothekenreise zu machen um Zb. vier Packungen Paracetamol zu bekommen. Man geht einfach in eine Apotheke und kauft vier Packungen auf enmal. Verboten ist das nicht.
Was der ganze Regulierungswahn, Zb. nur noch 20er Packungen Paracetamol soll verstehe ich nicht.Der einzigste der einen Vorteil davon hat ist der Apotheker, weil die Tabletten teurer geworden sind. Zb. 30 Stück für 2,00 € und jetzt 20 Stück für 1,70 €.
1,70 € ist der UVP. Internetapotheken nehmen nur 0,99 €. Ich erinnere mich, erst letztes Jahr (war wie gestern) 5 Packungen gekauft zu haben.
17:54
In Holland gibts im Supermarkt die 100er Packung Aspirin, in Deutschland wieder nur neue Ideen zur Bevormundung der Bürger. Wenn man Angst um die zunehmend degenerierende Bevölkerung hat, sollte man lieber Volksverdummung und Hartz-IV-TV einschränken. Es wird zunehemend bescheuerter mit dieser Regierung. Die 2-Klassen-Medizin, zehntausende Tote durch Krankenhauskeime im Jahr, der unaufhaltsame GAU in der PKV und GKV... alles bleibt unangetastet und schlittert auf die Katastrophe zu. Aber dafür die Aspirin-Packung von 20 auf x Tabletten zu verkleinern wird viel Energie verschwendet. Es wird einem Angst und Bange in diesem Land!
Gesundheitliche Schäden, die durch Schmerzmittelmissbrauch auftreten sollten von der Krankenkasse nicht getragen werden. Es kann nicht sein, dass die Allgemeinheit solche Kosten aufgebürdet bekommt (übrigens bin ich der Meinung, dass dieses ebenfalls auf Drogen-, Tabak- und Alkoholmissbrauch ausgedehnt werden sollte).
Dann aber bitte auch bei Erkrankungen durch zu fettreiche Ernährung, durch zuwenig Sport, zuviel Arbeit, gefährliche Sportarten wie Skifahren, etc.
Am Ende müsen die Kassen gar nichts mehr zahlen und die Finanzprobleme sind gelöst.
Sagen wir besser kalorienreiche Ernährung - kohlenhydratreiche Nahrung macht viel schneller dick und krank.