Privat Krankenversicherte sollten Tarifwechsel prüfen

Wer privat versichert ist, sollte prüfen, ob er seinen Tarif wechseln kann - oder er muss ab Herbst mehr zahlen.
Wer privat versichert ist, sollte prüfen, ob er seinen Tarif wechseln kann - oder er muss ab Herbst mehr zahlen.
Foto: ddp
Vor einem halben Jahr stiegen die Preise bei privaten Krankenversicherungen, zum Herbst wird es wohl wieder teurer. Der Bund der Versicherten rät dazu, in einen billigeren Tarif zu wechseln. Dazu habe jeder Versicherte das Recht, auch wenn Versicherungen sich oft quer stellten.

München.. Die Kostenspirale schraubt sich unerbittlich nach oben: Erst vor einem halben Jahr mussten unzählige privat Krankenversicherte zum Teil drastische Prämienanhebungen um bis zu 40 Prozent und mehr verkraften. Ab Herbst steht vielen die nächste Verteuerung ins Haus, wie Hajo Köster vom Bund der Versicherten (BdV) warnt.

Wer bereits jetzt seine Rechnung kaum mehr zahlen kann, sollte den Sommer zum Wechsel in einen billigeren Tarif nutzen. Das kann bis zu 500 Euro Entlastung pro Monat bringen und dauert bestenfalls sechs bis acht Wochen - aber oft nur nach zähem Kampf oder wenn Versicherungsprofis mithelfen.

Versicherungen hielten Kunden hin

Dabei hat jeder Kunde das Recht, innerhalb seiner Versicherung umzusteigen und zu sparen. Je länger ein Bürger schon privat versichert ist, desto härter trifft ihn jede neue Beitragserhöhung. Ein 61-jähriger Dresdner beispielsweise war vor 20 Jahren mit 160 D-Mark Beitrag gestartet und soll heute monatlich 819 Euro aufbringen, wie die Verbraucherzentrale Sachsen berichtet. Doch wer nach dem letzten Prämienschock auf eigene Faust seinen Anbieter nach einem günstigeren Tarif fragte, landete meist in der Sackgasse.

"Kunden wurden von Versicherern hingehalten, abgeblockt oder gezielt falsch informiert", berichtet Michael Wortberg, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Die Berater in Verbraucherschutz- und Versichertenverbänden konnten sich in den vergangenen Monaten kaum retten vor Beschwerden entnervter, zermürbter Privatpatienten. Der Verband der Privaten Krankenversicherungen (PKV) teilt dagegen auf Anfrage mit, seine Mitgliedsunternehmen verhielten sich "rechtstreu".

"Einige Versicherer machen es den Leuten sehr schwer", berichtet hingegen Köster. Es gebe Privatversicherte, die kämpften schon seit zwei Jahren um einen günstigeren Tarif. Die meisten Betroffenen werden mit der Auskunft abgewimmelt, es gebe keine Alternativen. "Falsch, billiger geht fast immer", betont Wortberg.

Andere Wechselwillige sollen deutlich abgespeckte Leistungen respektive höhere Selbstbeteiligungen in Kauf nehmen. "Vorsicht", mahnt Wortberg. Ein Verzicht sei nicht rückholbar. Nicht hinnehmbar sei auch, wenn ein Wechsel an eine neue Gesundheitsprüfung und künftige Risikozuschläge geknüpft werden soll.

Versicherungsprofis können bei Wechsel helfen

Was viele Betroffene nicht wissen: Seit 1994 ist der interne Wechsel zu einem günstigeren Tarif im Versicherungsvertragsgesetz (VVG), Paragraf 204, verankert - und zwar zu vergleichbaren Leistungen. Die Rückstellungen fürs Alter können nicht verloren gehen. Auf das Wechselrecht muss bei jeder Prämienänderung aufmerksam gemacht werden, wie die PKV erläutert. Kunden über 60 Jahren müssen sogar konkrete Tarife mit gleichem Versicherungsschutz zum besseren Preis genannt bekommen.

Doch bei der Umsetzung scheint es mächtig zu hapern. Was tun? Nur wer genug Hartnäckigkeit und Detailwissen mitbringt, könne sein Recht tatsächlich allein durchsetzen, sagt Köster. Alle anderen sollten sich von Versicherungsprofis helfen lassen.

Das ist zwar nicht billig, kann sich auf Dauer aber auszahlen. Beistand bieten etwa die Experten von Beitragsoptimierung24.de oder Widge.de. Sie beraten über Sparchancen, Vor- und Nachteile neuer Tarife und erledigen auch den Umstieg selbst mitsamt Schriftverkehr. Nimmt der Kunde einen Wechselvorschlag an, werden Honorare fällig, die der Ersparnis von acht bis zwölf Monaten entsprechen plus Mehrwertsteuer. Beitragsoptimierung24.de stellt die Beratung zudem nur dann in Rechnung, wenn der Versicherte nicht nur spart, sondern auch bei der Leistung konstant bleibt.

"Solche Firmen haben ihre Daseinsberechtigung, weil sie Einblick in sämtliche Daten haben", betont Wortberg. Wichtig sei, dass Kunden nur im Erfolgsfall zahlen müssten. "Je nach Vertrag können da schnell 2.500 Euro zusammenkommen", rechnet Köster vor. Wer für 40 Euro Jahresbeitrag Mitglied beim BdV wird, bekomme ebenfalls Tarifberatung plus -wechsel für insgesamt 400 Euro inklusive Steuer.

Der Umstieg zu einem billigeren Tarif schützt zwar auch nicht vor einer neuen Beitragserhöhung. Er verschafft aber etwas mehr finanziellen Spielraum. "Zehn Prozent Anhebung auf 350 Euro Beitrag sind nun mal weniger Geld als zehn Prozent auf 500 Euro", erläutert Köster. (dapd)

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