Preis für dreisteste Werbelüge 2012 geht an Hipp-Kindertee

In einer Tasse Tee sollen umgerechnet zweieinhalb Stücke Zucker stecken.
In einer Tasse Tee sollen umgerechnet zweieinhalb Stücke Zucker stecken.
Was wir bereits wissen
Verbraucher haben Kinder-Tee von Hipp zur dreistesten Werbelüge des Jahres gewählt. Pro fertiger Tasse enthalte das Getränk zweieinhalb Stücke Würfelzucker, erklärt die Verbraucherorganisation Foodwatch dazu. Zur Wahl standen auch alkoholfreies Bier mit Alkohol und gestrecktes Hackfleisch.

Essen.. Kinder-Tee von Hipp wird am Dienstag mit dem Negativ-Preis "Goldener Windbeutel 2012" ausgezeichnet. Insgesamt 130.000 Teilnehmer haben auf dem Portal der Verbraucherorganisation Foodwatch über die dreisteste Werbelüge des Jahres abgestimmt.

Die Zuckergranulat-Getränke "Früchte", "Waldfrüchte" und "Apfel-Melisse" von Hipp enthalten demnach umgerechnet zweieinhalb Stücke Würfelzucker pro fertiger Tasse. Beworben werden Sie laut Foodwatch allerdings als geeignet für Kleinkinder ab dem zwölften Lebensmonat.

"Zuckergranulat mit Wasser aufgegossen: Eltern ein solches Produkt für Kleinkinder zu empfehlen ist unverantwortlich", erklärt Oliver Huizinga von Foodwatch dazu. Hipp hatte bereits nach der Bekanntgabe der Nominierung erklärt, das Produkt zurückzuziehen.

Hipp weist Vorwurf der Werbelüge zurück

Die Auszeichnung soll am Vormittag am Unternehmenssitz des Babynahrungs-Hersteller verliehen werden. Hipp habe bei der Bekanntgabe der Nominierung allerdings versprochen, die Tees bis zum Ende des Jahres durch Produkte ohne Zuckerzusatz ersetzen zu wollen.

Der Nahrungsmittelhersteller Hipp hat am Dienstag den Vorwurf einer Werbelüge im Zusammenhang mit gezuckerten Kindertees zurückgewiesen. Auf der Packung der von der Organisation Foodwatch kritisierten Tees sei der Zuckergehalt deutlich ausgewiesen, teilte die Firma am Dienstag in Pfaffenhofen mit. Hipp habe auch eine Reihe von zuckerfreien Instant-Getränken im Sortiment, die besonders zahnschonend seien.

Alkoholfreies Bier mit Alkohol und gestrecktes Hackfleisch

Die Konkurrenz war auch in diesem Jahr wieder groß. So gehörte zum Beispiel das „Clausthaler Classic“ von Radeberger zu den Kandidaten. Das als alkoholfrei beworbene Bier hat nämlich eigentlich 0,45 Vol.-% Alkohol.

Das Hackfleisch der Eigenmarke Viva Vital bewirbt Netto mit „30 Prozent weniger Fett im Vergleich zu gemischtem Hackfleisch“. Laut Foodwatch hat die „Zubereitung“ in der Regel aber sogar mehr Fett als frisch durch den Fleischwolf gedrehtes Hackfleisch von der Theke. "Netto nimmt billigere, fettreiche Abschnitte und streckt sie mit einer Pampe aus Wasser, Weizeneiweiß und Mehl", heißt es in der Erklärung.

Und in dem Teekanne-Produkt „Landlust Mirabelle & Birne“ sind die Hauptzutaten keineswegs Mirabelle und Birne, sondern Äpfel, Hibiskus und Hagebutte. Für den Geschmack wird, laut Foodwatch, mit „natürlichen Aromen“ nachgeholfen.

Becel pro.activ soll laut Werbung "aktiv den Cholesterinspiegel senken"."Wer über seinen Cholesterinspiegel besorgt ist, sollte zum Arzt gehen und nicht in den Supermarkt", erklärt Foodwatch dazu. Wie Medikamente könne die Magarine zudem sogar Nebenwirkungen haben.

Milchschnitte kalorienreicher als Schokoladen-Sahne-Festtagstorte

Im vergangenen Jahr ging der "Goldene Windbeutel" an die Milch-Schnitte: Ferrero werbe mit Spitzensportlern für den süßen Snack und preise ihn als leichte Zwischenmahlzeit an. Die Mich-Schnitte bestehe jedoch zu etwas 60 Prozent aus Fett und Zucker. Das Produkt enthalte wesentlich mehr Kalorien als etwa die Schokoladen-Sahne-Festtagstorte von Coppenrath & Wiese.

Der Monte Drink von Zott erhielt den Negativ-Preis 2010. Das Getränk enthalte den Angaben auf der Verpackung zufolge 12,7 Gramm Zucker pro 100 Milliliter, hieß es zur Begründung. 2009 ging die Auszeichnung an Danone für den probiotischen Joghurt Actimel.