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PIP-Silikon auch in Implantaten namens „Tibreeze“

27.01.2012 | 20:36 Uhr
PIP-Silikon auch in Implantaten namens „Tibreeze“
Ein Chirurg zeigt zwei Brustimplantate der in Verruf geratenen französischen Firma Poly Implant Prothese (PIP). Diese hatte auch das ehemalige Nürnberger Unternehmen GfE Medizintechnik GmbH beliefert. Foto: dapd

Köln/Bonn.   Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte warnt: Auch Brustimplantate der ehemaligen Nürnberger Firma GfE Medizintechnik enthielten PIP-Silikon. Betroffen sind Silikonkissen, die zwischen September 2003 und August 2004 durch das Unternehmen unter dem Namen „Tibreeze“ vertrieben wurden.

Im Skandal um minderwertige und unter Umständen gesundheitsgefährdende Brustimplantate der Firmen PIP und Rofil warnt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte jetzt vor Silikonkissen der früheren Nürnberger Firma GfE Medizintechnik. Zwischen September 2003 und August 2004 vertrieb das Unternehmen 728 Brustimplantate unter dem Namen „Tibreeze“, die PIP-Stoffe enthielten .

„Die Implantathüllen wurden von der französischen Firma PIP geliefert, die diese auch mit ihrem Silikon befüllt hat“, so Iris Herwald-Schulz, Sprecherin der pfm medical AG in Köln. Das Medizintechnik-Unternehmen übernahm GfE im Dezember 2009 und führt sie als Tochterfirma unter dem Namen pfm medical titanium GmbH weiter. „GfE hat die Implantathüllen mit Titan beschichtet. Das macht man, damit Implantate besser vom Körper vertragen werden“, erläutert Herwald-Schulz.

Nach ihren Schätzungen wurden zwei Drittel der GfE-Implantate in Deutschland ausgeliefert, auch an einige Kliniken und Ärzte in NRW. „Der Rest ging nach Belgien, Österreich, in die Schweiz, nach Italien, Finnland, Südafrika, Liechtenstein und England“, sagte die Unternehmenssprecherin gegenüber dieser Zeitung.

29 gerissene Implantate bundesweit

Zwei GfE-Implantate seinen bislang gerissen. Derzeit gebe es noch keine gesicherten Erkenntnisse dazu, ob die Silikonkissen von PIP auch mit Billig-Silikon gefüllt worden seien. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte empfiehlt die vorsorgliche Entfernung – ebenso wie bei Implantaten von PIP und Rofil. Nach Schätzungen der Behörde, die von 29 gerissenen Implantaten bundesweit weiß, könnten in Deutschland insgesamt rund 10 000 Frauen vom Skandal betroffen sein.

Wenige Stunden nach seiner Festnahme war der Gründer der Firma PIP, Jean-Claude Mas , nach Zahlung einer Kaution von 100 000 Euro wieder auf freiem Fuß. In Frankreich wurde gegen ihn eine vorläufige Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung erhoben.

Jutta Bublies

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