Das aktuelle Wetter NRW 6°C
Finanzen

Pharmaindustrie will Zahlungen an Ärzte öffentlich machen

08.01.2013 | 08:45 Uhr
Pharmaindustrie will Zahlungen an Ärzte öffentlich machen
Oftmals steht der Vorwurf im Raum, Ärzte ließen sich von der Pharmaindustrie bestechen. Dem will man ab 2016 mit einer Transparenzoffensive entgegentreten.

München.  Transparenz sollte in Zeiten der Veröffentlichung von Politiker-Diäten Vortrags-Honoraren eigentlich selbstverständlich sein. Ab 2016 gilt das auch für die deutsche Pharmaindustrie. Ab diesem Zeitpunkt möchte man dort Zahlungen an Ärzte öffentlich machen - und so den Bestechungs-Vorwurf ausräumen.

Die Pharmaindustrie will einen neuen "Transparenz-Kodex" einführen, um den Vorwurf der Ärztebestechung auszuräumen. "Die Patienten sollen erfahren, mit welchen Pharma-Unternehmen ihre behandelnden Ärzte in welchem Umfang kooperieren", sagte die Hauptgeschäftsführerin des Pharmaverbands VfA, Birgit Fischer, dem Nachrichtenmagazin "Focus". Ab 2016 will der Verband demnach öffentlich machen, welcher Arzt im Vorjahr wie viel Geld für Studien oder Vorträge bekommen oder ob eine Pharmafirma seine Fortbildung bezahlt hat.

Nach Angaben des VfA sind aber noch rechtliche Fragen offen. Die betroffenen Mediziner müssten zudem ihr Einverständnis geben. Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery begrüßte die Initiative. "Wer nichts zu verbergen hat, braucht Transparenz nicht zu scheuen", sagte er dem "Focus". Er verstehe aber nicht, warum die Pharmaindustrie noch drei Jahre warten wolle.

Breite Unterstützung für das Vorhaben

Auch die Korruptionsbekämpfer der Organisation Transparency International unterstützen das Vorhaben der Pharmaindustrie: "Das ist die richtige Richtung", sagte Vorstand Wolfgang Wodarg dem Magazin. In den vergangenen Tagen war heftig über das Thema Ärztekorruption diskutiert worden. Es wurden Forderungen an die Bundesregierung laut, gesetzliche Regelungen zu schaffen, um die Bestechlichkeit bei niedergelassenen Ärzten unter Strafe stellen.

Bislang können nur angestellte Ärzte wegen Bestechlichkeit und Vorteilsnahme nach dem Strafgesetzbuch belangt werden. Das Bundesgesundheitsministerium prüft derzeit, "welche Handlungsoptionen sinnvoll sind". (afp)



Kommentare
08.01.2013
12:47
Pharmaindustrie will Zahlungen an Ärzte öffentlich machen
von gudelia | #3

Ein notorischer Dieb, aus der Nachbarschaft, will nun auch reuig verjährte Diebstähle aufklären. Aus Schutz vor der nachtragenden Polizei und Staatsanwaltschaft natürlich nur anonym.
Da werden unsere Richter hocherfreut sein, ist es doch ein Beweis für den Erfolg von "Sozialurteilen".

08.01.2013
09:54
Er verstehe aber nicht, warum die Pharmaindustrie noch drei Jahre warten wolle
von tipp_top | #2

... weil es so lange dauert, bis die Pharma-Lobby den ´Gesetzgebern´ den richtigen Text diktiert hat. Außerdem braucht man schon einiges an Zeit um ´Modelle´ zu entwickeln, die nicht unter die beabsichtigte ´Transparenz´ fallen. Die bekannte Salamitaktik - immer das zugeben und öffentlich machen, was sich ohnehin kaum verheimlichen lässt. Und wenn man schon mal ein Bisschen offenlegt, dann hält das ggf. von weiteren Nachforschungen ab.

08.01.2013
09:53
Das Bundesgesundheitsministerium prüft derzeit
von buntspecht2 | #1

Na dann gute Nacht

Aus dem Ressort
"Pille danach": Je schneller, desto besser
Gesundheit
Viele Frauen kennen die Notlage: Sie hatten Sex - freiwillig oder erzwungen - und brauchen nun dringend die "Pille danach". Aber wie kommen sie so schnell wie möglich an das Medikament?
Bei Verdacht auf Schlaganfall ist schnelle Hilfe gefragt
Gesundheit
Beim Verdacht auf einen Schlaganfall sollte sofort der Rettungsdienst (Rufnummer 112) alarmiert werden. Je eher ein Schlaganfall behandelt wird, desto besser lassen sich Folgeschäden vermeiden. Auch Kinder können einen Schlaganfall erleiden.
Krebs ist die am meisten gefürchtete Krankheit
Gesundheit
Die weitaus meisten Deutschen sind mit ihrer Gesundheit zufrieden. Doch viele fürchten sich vor allem vor Krebs. Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor.
Gefährliches Deo - Risiken durch Aluminium?
Gesundheit
Viele sprühen es sich morgens unter die Achseln: Doch Deos mit Aluminium sind in den Verdacht geraten, krank zu machen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht Forschungsbedarf.
Kino-Spots von Hanf-Lobbyisten werben für legales Kiffen
Hanf
Der Deutsche Hanfverband will im Kino zeigen, welche Nachteile ein Verbot der Droge angeblich hat. Möglich wurden die Werbe-Spots, weil Hanfverbands-Chef Wurth in einer TV-Show eine Million Euro gewann. Bei der "Millionärswahl" versprach er, das Geld für die Cannabis-Legalisierung einzusetzen.
Umfrage
Das Bundesverwaltungsgericht hat der Sonntagsarbeit engere Grenzen gesetzt. Wie finden Sie das?
 
Fotos und Videos