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Krebsheilung

Nutzen der Krebs-Vorsorge wird angezweifelt

03.02.2011 | 17:05 Uhr
Nutzen der Krebs-Vorsorge wird angezweifelt
Die Mammografie gilt als eins der wichtigsten Mittel in der Brustkrebs-Vorsorge. Foto: imago

Essen.   Kann die Früherkennung von Krebs Leben retten? Die Experten sind sich uneinig, ob die Vorsorge mehr Vor- oder mehr Nachteile hat. Kritiker behaupten: Die Statistiken, die für die Vorsorge sprechen, werden oft falsch interpretiert.

Wer „Krebs“ hört, erlebt meist einen Schock. „Krebs“, das klingt schlimmer als „Herz-Kreislauf-Erkrankung“, dabei ist das die Todesursache Nummer eins. Doch Krebs ist ein Schreckgespenst. Eine Krankheit, die extremes Leiden bedeuten kann.

Weil die Menschen Angst haben vor Schmerzen und qualvollem Dahinsiechen, nutzen sie in hohem Maße die Früherkennung. Für Ärzte wie Prof. Wolff Schmiegel, Präsident des letzten Deutschen Krebs-Kongresses in Berlin und Chefarzt der Bochumer Unikliniken Bergmannsheil und Knappschafts-Krankenhaus, ist das vernünftig.

Er kennt die Skeptiker. Hat sie aufgefordert, beim Krebskongress zu sprechen. Nur eine sei gekommen. Prof. Ingrid Mühlhauser, die große Dame der Krebsvorsorge-Kritik vom Lehrstuhl für Gesundheitswissenschaften an der Uni Hamburg. Sie ist der festen Überzeugung, dass es wissenschaftlich nicht haltbar sei, den Nutzen der Darmkrebs- Spiegelung so hoch zu hängen, wie es getan werde. Sie hält den Nutzen für über- und den Schaden unterschätzt. Es bleibe auch unklar, wie hoch der Anteil der Überdiagnosen sei. „Bösartige Tumore der rechten Darmhälfte werden entgegen bisheriger Annahmen offenbar durch die Koloskopie nicht reduziert.” Längst nicht jeder Polyp werde zu Krebs.

Unterschätzter Schaden

Das aber sei der Öffentlichkeit nicht genau bekannt. Mühlhauser weist auf die Belastung durch die Darmspiegelung hin, wie die Darmreinigung. Die vielen Liter, die getrunken sein wollten. All das könnte bei älteren Patienten oder Diabetes-Kranken zu Komplikationen führen. „Diese Fälle werden nicht registriert.”

Mühlhauser führt die Schadensbilanz des Zentralinstitutes für die Kassenärztliche Versorgung an: Eine Reihe von Krebs-Patienten seien bei und nach der Operation verstorben. Die Sterblichkeit während des stationären Aufenthaltes von Operationen betrage sechs Prozent. Auch seien Komplikationen wie Darmdurchbrüche oder Gefäßverletzung bei der Darmspiegelung möglich.

Der Darm-Experte Prof. Schmiegel kann die Argumente nicht nachvollziehen. Die angebliche Nutzlosigkeit wie auch die Gefahren seien „durch keine Fakten belegt“. Sicher hingegen sei, so Schmiegel, dass in den letzten sieben Jahren 15 000 Menschen durch die Darmspiegelung gerettet wurden. Schmiegel bezieht sich auf Untersuchungen des Deutschen Krebsforschungs-Zentrums in Heidelberg (1,857 Millionen Darm-Spiegelungen). „Es könnten sogar 150 000 Leben gerettet werden, wenn die Menschen ab 55 verstärkt zur Spiegelung gingen“, sagt er.

Zahlen falsch interpretiert

Eine Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts derAOK ergab 2007: Knapp ein Drittel der Fünfzigjährigen hat sich den Dickdarm spiegeln lassen. Etwa 80 Prozent der Frauen ab 20 gehen zur Vorsorge. Prof. Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und Leiter des Harding-Zentrums für Risikokompetenz, hält die Krebs-Früherkennung nicht für schlecht. Aber er hält die Information über sie für miserabel. Er möchte, dass „die Menschen endlich klare Informationen über den wirklichen Nutzen, aber auch über den Schaden“ erhalten.

Zum Beispiel werde der Nutzen beim Brustkrebs- Screening (Reihen-Röntgen- Untersuchung der Brust) aus seiner Sicht überschätzt. Und das, weil Statistiken falsch interpretiert würden. Von 1000 Frauen, die zur Mammografie gehen, stirbt etwa eine weniger an Brustkrebs als ohne Mammografie, sagt Gigerenzer. Er wie auch Klaus Koch von der Stiftung Warentest verweisen auf Ungereimtheiten. Immer sei die Zahl von „dreißig Prozent auf dem Markt“, die so ausgelegt werde: 30 Prozent von hundert Frauen überleben mit Mammografie, ohne würden sie sterben.

Irreführende Aussage

„So etwas ist Volksverdummung“, sagt Gigerenzer. Endlich müsseKlarheit in das Zahlenverwirr- Spiel. Also: Acht von 1000 Frauen erkranken im Laufe von zehn Jahren an Krebs. Mit Mammografie sind es etwa sieben. DieseVerringerung (sieben statt acht Frauen) werde als 30 Prozent berechnet. „Das klingt so, als ob dreißig Frauen von hundert, die an der Mammografie teilnehmen, gerettet werden könnten.“ Eva Kalbheim von der Deutschen Krebshilfe: „Eine Frau auf tausend – das ist eine Menge. Vor allem, wenn man es hochrechnet auf Millionen Frauen.“

Eine andere Eigenschaft der Mammografie jedoch wird von vielen Gynäkologen als großer Mangel betrachtet: Bei etwa 40 von 1000 Mammografien wird etwas Auffälliges gefunden. Diese Frauen erlebten Angst und Schrecken – obwohl sie kerngesund sind.

Petra Koruhn

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Kommentare
04.02.2011
19:47
Nutzen der Krebs-Vorsorge wird angezweifelt
von ichglaubsnich | #4

Auch ich habe viele Jahre regelmäßig eine Mammografie machen lassen, im Glauben dann auf der sicheren Seite zu sein. Diese Sicherheit kann fatale Folgen haben. Auf den Bilder wurde mein Tumor in der Brust NICHT entdeckt! Nur einem Zufall ist es zu verdanken, das bei einer Ultraschalluntersuchung der Tumor entdeckt wurde. Zum Glück war er gutartig und konnte problemlos entfernt werden. Es zeigt aber, das Vorsorge nie wirkliche Sicherheit geben kann!

04.02.2011
14:56
Nutzen der Krebs-Vorsorge wird angezweifelt
von dorfheide | #3

Guten Tag, ich nehme seit vielen Jahren die angebotenen Vorsorgeuntersuchungen meiner gesetzlichen Krankenkasse regelmäßig in Anspruch. Das hat mich -ähnlich wie # 2 - vor einigen Jahren vor Schlimmerem bewahrt.

04.02.2011
13:49
Nutzen der Krebs-Vorsorge wird angezweifelt
von greybeard | #2

@ #1
Genau so sieht das für mich aus (nämlich dass man Geld sparen will). Ich möchte auf die Krebsvorsorge nicht verzichten, denn sie hat mir das Leben gerettet.

04.02.2011
13:36
Nutzen der Krebs-Vorsorge wird angezweifelt
von kleinrenni | #1

Gestern wurde der Nutzen von MRT - Untersuchungen und heute wird der Nutzen von Krebsvorsorge - Untersuchungen angezweifelt.
Die Zweifel kommen von Experten.
Was soll der Patient davon halten ?
Will man verunsichern, um Geld zu sparen ?

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