NRW droht dramatischer Mangel an Pflegekräften
25.09.2011 | 16:45 Uhr 2011-09-25T16:45:00+0200
Essen. Nach einer Studie werden im Jahr 2030 rund 87 200 Fachkräfte im Gesundheitswesen und in der Altenpflege fehlen. Nach der Prognose drohen in der ambulanten und stationären Pflege Probleme. Der große Knick droht ab 2020.
Wir schreiben das Jahr 2011 – das „Jahr der Pflege“, wie es der damalige Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) getauft hatte. Doch die Betroffenen haben davon noch nichts gemerkt. Die Pflegereform wird in diesem Jahr nicht kommen. Und darüber, wie sie aussehen soll, sind sich FDP und Union nicht einig. Klar ist bisher nur: Das absehbar größte Problem, der wachsende Mangel an Pflegekräften, wird einmal mehr ausgeklammert.
Mit 3,7 Millionen Beschäftigten arbeiten so viele Menschen im Gesundheitswesen und in der Pflege, wie in keiner anderen Branche. Und doch sind es zu wenige – heute bereits und erst recht in der Zukunft. In einer alternden Gesellschaft werden Krankenhäuser, Pflegeheime und -dienste mehr zu tun bekommen. Der große Knick kommt 2020: Dann gehen jene Babyboomer aus den 50er Jahren in Rente, die selbst nur wenige Kinder bekommen haben. Wer soll sie dann pflegen?
Mehr junge Menschen für Pflegeberufe zu begeistern, ist eine echte Herausforderung, denn der Ruf der Pflege ist heute denkbar schlecht: Nach rund acht Jahren verlassen Altenpfleger ihren Beruf wieder, Krankenschwestern steigen nach rund 15 Jahren aus.
Begeisterung im Beruf
„Die meisten starten mit großer Begeisterung in den Beruf, sie wollen anderen Menschen helfen. Doch dann merken sie, dass sie kaum Zeit haben, sich wirklich zu kümmern“, sagt Michael Burkhart, Bereichsleiter Gesundheit bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC). Sie hat aus 40 Millionen Daten eine Prognose zum Pflegemangel in NRW erstellt. Schon heute fehlen demnach 24 000 Fachkräfte. „Der Mangel wird bisher durch Überstunden und aufgeschobenen Urlaub kompensiert. Das führt schnell zur Überlastung der Mitarbeiter“, sagt Burkhart.
Bessere Arbeitsbedingungen seien deshalb der größte Hebel, um dem Mangel zu begegnen. Der wird in NRW gewaltig und größer als in jedem anderen Bundesland. PwC hat berechnet, was passiert, wenn die Berufseinstiegs- und Ausstiegsquoten bleiben wie sie sind: In NRW werden 2020 bereits 42 000 Fachkräfte fehlen und 2030 sogar 87 200.
27 Prozent zu wenige Pfleger
Das trifft vor allem die Altenpflege: Die heutige Lücke von 2600 Fachkräften wird bis 2030 auf 38 600 wachsen. Damit wird jede dritte der eigentlich benötigten 116 000 Stellen nicht besetzt sein.
Auch in den Kliniken und Praxen prognostiziert PwC einen enormen Mangel von 40 900 Fachkräften im Jahr 2030. Im Verhältnis zum benötigten Personal von 151 000 sind das 27 Prozent zu wenige Pfleger und Ärzte.
Doch PwC hat auch andere Szenarien durchgerechnet. Längere Arbeitszeit und späterer Renteneintritt sind die üblichen Stellschrauben. Nach den PwC-Berechnungen bringen sie in der Pflege aber nicht viel, weil die Mitarbeiter schon heute an ihre Grenzen gehen und meist nicht bis zur Rente Altenpfleger bleiben.
Länger im Beruf bleiben
Die beste Möglichkeit sei daher, die Beschäftigten länger im Beruf zu halten. „Wenn sie im Durchschnitt neun statt acht Jahre in der Pflege bleiben, wäre schon viel gewonnen“, sagt Burkhart. Den Altenheimen und Pflegediensten würden dann rechnerisch nur noch 9000 Kräfte fehlen, drei Viertel des Mangels könnten somit verhindert werden.
Für Burkhart ist nicht entscheidend, wie viel Geld in die Pflege gepumpt wird. Sondern ein pfleglicherer Umgang mit den Mitarbeitern. „Niemand geht des Geldes oder der Karriere wegen in einen Pflegeberuf. Wir müssen den Mitarbeitern die Freude an ihrem Beruf erhalten.“
Debatte um Art der Pflege
Die zuständige Landesministerin Barbara Steffens (Grüne) sieht dafür die Bundesregierung in der Pflicht. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) solle „eine Pflegerreform auf den Weg bringen, die den Pflegebegriff neu definiert und Schluss macht mit den Minutentakten für einzelne Leistungen“, sagte Steffens dieser Zeitung. Doch bei den Reformmodellen der Regierungsfraktionen geht es fast ausschließlich um Finanzierungsfragen. Steffens will mit einer Ausbildungsumlage die Heime und ambulanten Dienste dazu zwingen mehr auszubilden. Doch dadurch wird der Beruf noch nicht attraktiver. Eine Möglichkeit sieht sie in der Zusammenlegung der Berufsbilder Kranken- und Altenpflege. „Sie erhöht die Flexibilität und Einsatzbreite der Pflegekräfte und damit die Attraktivität des Berufs.“
Das Selbsthilfenetzwerk „Pro Pflege“ kritisiert, dass es bei der anstehenden Pflegereform nur um Finanzfragen gehe. Stattdessen müsse sich die Gesellschaft einig werden, welche Art von Pflege sie künftig haben will. Nach Ansicht der Betroffenen ist eine bessere Personalausstattung unerlässlich. „Wenn es nicht gelingt, erheblich mehr Pflege- und Betreuungspersonal auf den Weg zu bringen, wird es bei den vielfach beklagten Mangelsituationen, also der Minutenpflege bleiben“, so Netzwerk-Chef Werner Schell.
14:00
Ich war ja schwer am überlegen ob ich nochmal ne Ausbildung zum Krankenpfeger mache, von wegen sicherer Job, arbeiten mit Mitmenschen und so. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige desto mehr rücke ich von dieser Idee ab. Schade eigentlich.
12:42
ich werde zu gegebener Zeit anfangen Schlaftabletten zu horten....
11:15
Die Bundeswehrreform kam ach so unerwartet!
Die wegfallenden ausgenutzten Ziwis fehlen jetzt natürlich. Von der Bezahlung dieser oder den ausgebildeten Pflegekräften einmal ganz abgesehen. In diesem Fachbereich, Pflege/Gesundheit, ist ein Mindestlohn zwingend erforderlich und darf nicht durch, demnächst osteuropäische Arbeitskräfte, unterwandert werden. Die Politik hat wie immer geschlafen und die Bubis der FDP haben so oder so keine Ahnung.
11:07
Es gibt keinen Mitarbeitermangel. Der Mangel entwickelt sich doch dadurch selber, das die Heime und Pflegenotdienste keine Vollzeitstellen anbieten. Würen diese ganz normale Vollzeitstellen anbieten, dann hätten sie auch keinen Mangel an Mitarbeitern. Aber es ist ja billiger 400 € Kräfte einzustellen. Davon braucht man natürlich auch 4 mal so viele Mitarbeiter.
07:48
Wenn man den Erhebungen der Medizinischen Dienste der Krankenkassen Glauben schenken darf, ist die Welt der Pflege in Ordnung. Der Landesdurchschnitt von 1,4 bietet viele Gründe, stolz und zufrieden zu sein und verhindert jede Begründung für zusätzlichen Handlungsbedarf.
Jede Pflegekraft, die durch unrechtmäßiges Abzeichnen von Leistungen, die sie nicht wirklich getätigt hat, dazu beiträgt, diese Scheinwelt zu bewahren, ist mitverantwortlich für die Diskrepanz zwischen Note und Pflegenot-Wirklichkeit.
06:44
All diejenigen, die hier zu Recht über die bestehenden Arbeitsbedingungen in der Pflege klagen, finden mit einem Mausklick eine gute Alternative: die ruhrmed GmbH (www.ruhrmed.de) in Duisburg, Essen und Dortmund bietet die Bedingungen, die sich viele Pflegekräfte wünschen: unbefristete Vollzeitarbeitsverträge, pflegerisches Spitzengehalt, Wertschätzung, Fortbildungsflatrate… Die mehr als 200 ruhrmed-Pflegekräfte genießen und l(i)eben den Kulturwandel in der Pflege, der ihnen hier geboten wird.
Wenn all die Pflegekräfte, die mit den Ihnen geboten Vertrags- und Arbeitsbedingungen unzufrieden sind, aufstehen würden, um dahin zu gehen, wo es für sie gut ist, würde sich die Situation in den Pflegeheimen kurzfristig verändern. Herzlich willkommen bei der ruhrmed GmbH!
06:42
„Niemand geht des Geldes oder der Karriere wegen in einen Pflegeberuf“ meint M. Burkhart (PwC). Richtig ist: Viele steigen nach kurzer Zeit wegen der knappen Vergütung und der mangelnden beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten Zeit aus dem Pflegeberuf wieder aus, weil die regelmäßigen Verpflichtungen (Miete, Lebensunterhalt) nicht durch das Einkommen deckt sind.
20:14
Ist es nicht so, daß Pflegekräfte wegrationalisiert werden, damit das Heim tiefschwarze Zahlen schreibt? Dieser Fachkräftemangel ist totaler Humbug. Vernünftige Arbeitsbedingungen zu fairer Bezahlung. Aber welcer Arbeitgeber möchte das schon!?
19:24
@8:
Ja, das ist das Tragische. Die Babyboomer der ersten Generation haben ja noch einigermaßen bezahlte Arbeitsstellen gehabt, evtl. eine ordentliche Rente und können den Platz im Heim evtl. noch zahlen.
Die dann kommenden (60er) haben schon eine brüchige Biografie, entsprechend schlechte Rente, dürfen jetzt schon als Hartz IVer in den Heimen als 1-Euro-Jobber sehen, was ihnen blüht in ca. 10 Jahren....
wenn überhaupt. Da ja unser Geld in Finanzprodukte bzw. Rettungen investiert wird, wird uns bald erzählt werden, dass kein Geld für Pflege da ist - wieder oder immer noch nicht....
da brauchen wir gar keine weiteren Fachkräfte.
Hoffen wir, dass viele die Studie (Vitamine) weiter oben lesen und entsprechend handeln werden.
19:20
Ich seh schon katastrophale Zustände in der Pflege und anderen sozialen Bereichen, verursacht durch inkompetente Politiker und eine Pflegereform in der Menschen zu Fällen degradiert wurden, die nach Minuten abgerechnet werden. Und wehe, der zu Pflegende lässt sich nicht in die neue Windel quetschen oder möchte etwas menschliche Ansprache -;-
Eine anständige Bezahlung ist das Mindeste was Pflegekräfte, Polizei und Feuerwehr erwarten dürfen, wenn sie schon ihre Knochen und Gesundheit im Dienst an den Mitmenschen ruinieren müssen.