Das aktuelle Wetter NRW 13°C
Sicherheitsdienste

Bedrohungen, Anfeindungen und Gewalt - Notaufnahmen schlagen Alarm

05.02.2015 | 11:12 Uhr
Bedrohungen, Anfeindungen und Gewalt - Notaufnahmen schlagen Alarm

Duisburg.  Notaufnahmen in NRW stellen zunehmend Beschimpfungen und teils körperliche Gewalt durch unzufriedene Patienten fest. Ein Grund ist die massiv gestiegene Zahl von Notfällen. Erste Kliniken an Rhein und Ruhr haben deshalb Sicherheitsdienste eingestellt.

Gerade mal zwei Monate ist es her, da musste Dr. Andrea Kutzer zuletzt Anzeige bei der Polizei erstatten. Dienstlich. Gegen einen Patienten. Die 38-Jährige ist Leitende Oberärztin der Zentralen Notaufnahme im Evangelischen Krankenhaus Duisburg-Nord. Der Mann war ausgerastet, hatte Pflegepersonal übel beschimpft, einem Assistenzarzt körperliche Gewalt angedroht. Ein anderer zog eine Klinge, setzte sie einem Krankenhausmitarbeiter an den Hals. Extremfälle, klar. Aber schon lange keine Einzelfälle mehr, sondern traurige Realität in Notaufnahmen in NRW.

„Meine persönlichen Helden“ hatte Axel Weinand, Chef des Klinikums im westfälischen Lünen, das Personal der Notaufnahme dort angesichts von Anfeindungen und Bedrohungen jüngst genannt. Das Klinikum richtete einen Panikraum ein und will einen Sicherheitsdienst beauftragen. Damit löste das Krankenhaus eine Debatte aus. In einigen Dortmunder Kliniken und auch anderswo sind solche Wachleute bereits im Einsatz .

Polizei musste Patienten mit Pistolenschuss stoppen

In Neuss hatten zwei Polizisten im Oktober einen aggressiven Patienten mit einem gezielten Schuss gestoppt . Der Mann hatte mit einer Glasflasche gedroht. Mehrere Kliniken haben begonnen, ihr Personal in Deeskalation zu schulen.

Personal
Auch Dortmunder Kliniken setzen Sicherheitsdienste ein

Auch in Dortmund setzen Krankenhäuser Sicherheitspersonal ein. Manche setzten schon seit Jahren auf die Zusammenarbeit mit Security-Firmen.

„Beleidigungen sind an der Tagesordnung. Körperliche Angriffe kommen auch vor. Man schlägt uns zwar nicht, aber dass am Kittel gezogen wird oder man versucht, uns ein Bein zu stellen, ist keine Seltenheit“, berichtet Bettina Kutzer, die Leitende Oberärztin in Marxloh.

Der Grund für die aggressive Stimmung ist schnell ausgemacht. Allein im Duisburger Norden kommen 36 000 Patienten im Jahr in die Notaufnahme, aber nur vier Ärzte sind gleichzeitig im Dienst. Die Zahl der Patienten ist in den vergangenen Jahren gestiegen, dabei sind längst nicht alle echte Notfälle. „Einige begreifen die Notaufnahme als Service-Center mit Sofortzugriff auf alle Fachdisziplinen. Hier sagt nur noch selten jemand ,Danke’“, sagt Kutzer. Kommen „echte“ Notfälle, werden diese den anderen Patienten vorgezogen. Verständnis bringen dafür aber nur wenige auf. Stattdessen wiegelten sich die Patienten und ihre Begleiter gegenseitig auf. „Die Selbstwahrnehmung der Patienten ist natürlich eine andere. Sie sehen sich alle als Notfall“, erklärt die Medizinerin.

Belastungen in Notaufnahmen steigt seit Jahren

Notaufnahme
Wegen aggressiver Patienten: Wachdienst in der Notaufnahme

Immer wieder werden Ärzte und Pfleger im Klinikum Lünen von aggressiven Patienten und deren Angehörigen attackiert. Jetzt reagiert das Klinikum.

„Die Belastung steigt seit Jahren“, bestätigt Lothar Kratz von der Krankenhausgesellschaft NRW. Experten zufolge suchen landesweit mittlerweile jährlich mehr als 5,1 Mio Patienten die Notaufnahmen auf. Für die Kliniken sind Notfälle oft ein Zuschussgeschäft. Sie würden in der Regel von Krankenkassen mit 30 Euro vergütet, tatsächlich kosteten sie aber 120, rechnet die Klinik in Lünen vor.

Ein dickes Fell haben sich Oberärztin Kutzer und ihre Mitarbeiter in Marxloh längst zugelegt. Einen Sicherheitsdienst, wie ihn ein Krankenhaus in Lünen für die Notaufnahme plant, wünscht sich Kutzer dringend. Vor allem am Wochenende würde er den Mitarbeitern zur Seite stehen können.

Holger Dumke und Felix zur Nieden

Kommentare
06.02.2015
10:29
Einfach unnötige Fälle zur Kasse bitten
von PaulKnoche | #32

Die Situation würde sich ändern, wenn man "Notfallpatienten" eine Rechnung ausstellt, wenn es sich um Behandlungen handelt, die ein Hausarzt...
Weiterlesen

Funktionen
Fotos und Videos
Angst vor dem Zika-Virus
Bildgalerie
Epidemie
article
10311423
Bedrohungen, Anfeindungen und Gewalt - Notaufnahmen schlagen Alarm
Bedrohungen, Anfeindungen und Gewalt - Notaufnahmen schlagen Alarm
$description$
http://www.derwesten.de/gesundheit/notaufnahmen-schlagen-alarm-aimp-id10311423.html
2015-02-05 11:12
Gesundheit